Mehr über die Farbe der Messgewänder

Nachfolgeartikel zu: Die Farbe der Messgewänder bei der Konzelebration

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ROM, 24. Juli 2012 (Zenit.org).- P. Edward McNamara, LC, Professor für Liturgie am Päpstlichen Athenäum „Regina Apostolorum“, beantwortet Leserfragen.

Im Zusammenhang mit unserem Artikel über liturgische Farben (siehe 9. Juli) wurde an uns eine Frage bezüglich der Möglichkeit eines Farbwechsels herangetragen. Ein Leser aus Oregon stellte die Frage, „Darf ein Priester die der liturgischen Zeit eigene Farbe mit einer anderen Farbe austauschen oder ersetzen? In meiner Pfarrei zum Beispiel benutzt der Pfarrer im Advent Blau statt Violett als Farbe für diese liturgische Zeit. Seine Erklärung lautet, dass dies helfe, den Advent nicht mit der Fastenzeit zu verwechseln, und auch dazu diene, Maria zu verehren. Aus diesen Gründen sei Blau eine passendere Farbe.“

Im normalen Kontext ist Blau keine liturgische Farbe. Blaue Messgewänder dürfen aber aufgrund eines päpstlichen Privilegs benutzt werden. Dieses Privileg wurde einigen Marianischen Wallfahrtsorten sowie einigen Ländern für die Feier größerer Feste der Jungfrau Maria zugestanden. Man darf Blau nicht als Ersatz für die violette Farbe benutzen.

Sollte ein Priester der Meinung sein, dass es gut wäre, eine Unterscheidung zwischen Advent und Fastenzeit zu machen, kann er das einfach tun, indem er verschiedene Töne violettfarbener Messgewänder benutzt. Es besteht keine Notwendigkeit, liturgische Gesetze zu übertreten, indem man auf Farben zurückgreift, die im Allgemeinen nicht für den liturgischen Gebrauch approbiert sind.

Ein weiterer Leser stellte folgende Frage: „Warum werden bei der Messe zum Herz-Jesu-Fest weiße Messgewänder benutzt? Das verwirrt mich immer, denn bei Votivmessen vom Kostbaren Blut benutzt man rote Messgewänder.“

Die Gründe für diesen Unterschied liegen in der Geschichte und der Bedeutung beider Feiern.

Im aktuellen Römischen Missale sind für die Feier vom Kostbaren Blut einfach die Formeln für die Motivmesse vorgesehen. Im Kalender für die Feier in der außerordentlichen Form bleibt es hingegen ein Fest.

Dem Anschein nach entstand diese Feier im 16. Jahrhundert in Spanien. In Rom wurde sie vom hl. Gaspare del Bufalo (1786-1837), dem Gründer der Missionare vom Kostbaren Blut, eingeführt.

Zunächst erhielt die genannte Kongregation die Erlaubnis, dieses Fest zu feiern, dessen Datum man auf den Freitag nach dem vierten Fastensonntag festlegte. Verschiedene Bistümer in der Welt, darunter auch jene der Vereinigten Staaten, übernahmen die Feier.

Bis 1849 blieb es ein regionales Fest. In jenem Jahr musste Papst Pius IX. aufgrund von politischen Unruhen von Rom nach Gaeta fliehen. Während seines Exils begleitete ihn der Generalsuperior der Missionare vom Kostbaren Blut, der ehrwürdige Giovanni Merlini. Dieser heiligmäßige Priester schlug dem Papst vor, ein Gelübde abzulegen, wonach er das Fest vom Kostbaren Blut auf die ganze Kirche ausweiten würde, wenn er nach Rom zurückkehren dürfe. Der Heilige Vater hielt es nicht für angebracht, solch ein Gelübde abzulegen. Stattdessen verfügte er einfach und ohne Weiteres, dass die Feier ein Fest der Weltkirche werde. Das geschah am Samstag, den 30. Juni – zufällig an dem Tag, an dem Rom von den Rebellen befreit worden war. Dadurch bestärkt, beschloss der Papst per Dekret, dass das Fest jeweils am ersten Sonntag im Monat Juli zu feiern sei.

So wurde das Offizium zweimal gefeiert, einmal in der Fastenzeit und ein weiteres Mal im Juli. Später hat Papst Pius X., mit der Absicht, die Anzahl der Feiern an Sonntagen zu reduzieren, das Datum auf den 01. Juli festgelegt. Am 1.900. Todestag Jesu (1933) hat Pius XI. den liturgischen Wert oder Grad des Festes gehoben, doch wurde das Fest während der Reform von Papst Johannes XXIII. wieder abgestuft.

1969 wurde es dann aus dem Universalkalender gestrichen. Der Grund, der hierfür angegeben wurde, lautete wie folgt: „Das Kostbare Blut Christi, des Erlösers, wird schon während der Hochfeste seines Leidens, des Leibes und Blutes Christi, des Herz-Jesu-Festes und der Kreuzerhöhung verehrt. Die Messe vom Kostbaren Blut unseres Herrn Jesus Christus jedoch fand ihren Ort unter den Votivmessen.“

Da der Ursprung des Festes eng mit der Passion Christi verbunden ist, ist es logisch, dass rote Messgewänder benutzt werden. Logisch ist dies aufgrund der Kostbarkeit seines Blutes und weil es den Lösepreis darstellt, den er für die Erlösung der Menschheit bezahlt hat.

Beim Herz-Jesu-Fest ist seinerseits das Thema der Passion nicht abwesend, doch das Fest ist tief mit der Verehrung der Eucharistie verbunden und weit mehr auf Themen wie Christi unwandelbare Liebe zu uns bezogen. Deswegen und weil es sich um ein liturgisches Hochfest handelt, sind weiße Messgewänder angemessener.

Man kann die unterschiedliche Akzentuierung in den Tagesgebeten der jeweiligen Messen heraushören:

„Barmherziger Gott, durch das kostbare Blut deines Sohnes hast du die ganze Menschheit erlöst. Bewahre in uns, was dein Erbarmen gewirkt hat, und schenke uns immer neu die Frucht der Erlösung, sooft wir das Geheimnis unseres Heiles feiern. Darum bitten wir durch Jesus Christus...“

 „Allmächtiger Gott, wir verehren das Herz deines geliebten Sohnes und preisen die großen Taten seiner Liebe. Gib, dass wir aus dieser Quelle göttlichen Erbarmens die Fülle der Gnade und des Lebens empfangen. Darum bitten wir durch Jesus Christus…“.