"Mein Angesicht barg ich so oft in deinem Schoß"

Das heutige Mittwochsgebet stammt von Else Lasker-Schüler

Rom, (ZENIT.org) Maike Sternberg-Schmitz | 405 klicks

Else Lasker-Schüler war eine bedeutende deutsch-jüdische Dichterin. Sie gilt als herausragende Vertreterin der avantgardistischen Moderne und des Expressionismus in der Literatur. Else Lasker-Schüler wurde am 11. Februar 1869 in Elberfeld, heute Wuppertal, geboren, wo sie als Tochter eines jüdischen Privatbankiers aufwuchs. Ihre Eltern hatten großen Einfluss auf den Inhalt ihrer Dichtung, insbesondere ihre Mutter, deren Tod für sie die „Vertreibung aus dem Paradies“ bedeutete. Schon mit vier Jahren galt Else Lasker-Schüler als Wunderkind, da sie bereits lesen und schreiben konnte. 1894 heiratete sie den Arzt Dr. J. B. Lasker und ging nach Berlin. Ihr dichterisches Werk hatte großen Einfluss auf das Werk Franz Marcs. 1933 emigrierte sie nach Zürich. 1939 reiste sie zum dritten Mal nach Palästina, von wo aus sie aufgrund des Kriegsausbruches nicht wieder in die Schweiz zurückkehren konnte; zudem hatten ihr die Schweizer Behörden das Rückreisevisum verweigert. Am 22. Januar 1945 starb Else Lasker-Schüler nach einem Herzanfall und langer vorangegangener Krankheit. Sie wurde auf dem Ölberg in Jerusalem begraben.  

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Es schneien weiße Rosen auf die Erde,

warmer Schnee schmückt milde unsere Welt;

Die weiß es, ob ich wieder lieben werde,

Wenn Frühling sonnenseiden niederfällt.


Zwischen Winternächten liegen meine Träume

Aufbewahrt im Mond, der mich betreut - 

Und mir gut ist, wenn ich hier versäume

Diese Leben, das mich nur verstreut.


Ich suchte Gott auf innerlichsten Wegen

Und kräuselte die Lippen nie zum Spott.

In meinem Herzen fällt ein Tränenregen.

Wie soll ich dich erkennen, lieber Gott –


Da ich dein Kind, schäme ich mich nicht

Dir ganz mein Herz vertrauend zu entfalten.

Schenk mir ein Lichtchen von dem ewigen Licht!-

Zwei Hände, die mich lieben, sollen es mir halten.


So dunkel ist es fern von deinem Reich –

O Gott, wie kann ich weiter hierbestehen!

Ich weiß, du formtest Menschen, hart und weich

Und weintest gotteigen, wolltest du wie Menschen sehen.


Mein Angesicht barg ich so oft in deinem Schoß

Ganz unverhüllt: du möchtest es erkennen.

Ich und die Erde wurden wie zwei Spielgefährten groß,

Und dürfen „du“ dich beide, Gott der Welten, nennen.


So trübe aber scheint mit gerade heut die Zeit

Von meines Herzens Warte aus gesehen;

Es trägt die Spuren einer Meereseinsamkeit

Und aller Stürme sterbendes Verwehen.