Mein Geburtstagsgeschenk

Priestererlebnis von Flávio Jorge Miguel Júnior, Brasilien

Wien, (ZENIT.org100Wunder) | 1182 klicks

Im September 2008 rief mich ein zwanzigjähriger Mann an, der mich weinend um ein Gespräch bat. Obwohl ich von einem harten Arbeitstag sehr müde war, ließ ich ihn zu mir nach Hause kommen, wo wir uns lange unterhielten. Er berichtete mir, dass seine Verlobte mit Zwillingen schwanger sei und sie diese abtreiben wolle, weil sie bereits zwei Kinder aus einer anderen Beziehung habe. Nachdem ich mir alles angehört hatte, bat ich ihn um die Telefonnummer der Frau, damit ich mit ihr sprechen und mich mit ihr verabreden könne. Allerdings war ich dabei schon auf Beschimpfungen gefasst – schließlich war sie keine praktizierende Christin.

So nahm ich allen Mut zusammen und rief sie an, um mit ihr ein Treffen zu vereinbaren. Sie kam mit ihrer Schwester zu mir. Die Abtreibung war schon auf den nächsten Tag festgesetzt worden. Um die Zwillinge zu retten, versuchte ich auf alle nützlichen Argumente zurückzugreifen, die ich aus der Bibel kannte, und sprach sogar über die Risiken des chirurgischen Eingriffs. Aber mein Einsatz zeigte keinen Erfolg. Dann machte ich ihr einen anderen Vorschlag: „Trag diese Kinder aus und nach der Geburt werde ich mich um sie kümmern.“

Dieser Vorschlag irritierte sie. Dann aber sagte sie, dass sie ihre Kinder niemandem überlassen würde. Da versicherte ich ihr, dass ich ihre Leiden und zwiespältigen Gefühle verstehen würde und dass ich als letzten Versuch noch ein Gebet für sie sprechen wolle. Das akzeptierte sie schließlich.

Ich legte ihr die Hände auf den Kopf und betete still. Dann legte ich, ohne sie um Erlaubnis zu fragen, meine Hände auf ihren Bauch und mit lauter Stimme weihte ich die beiden Kinder dem Unbefleckten Herzen Mariens. In diesem Moment brach die junge Frau in heftiges Schluchzen aus, weil sie sich von Gott berührt fühlte. Ich beruhigte sie: „Du wirst diese Kinder behalten und nicht abtreiben lassen, denn nun sind sie der allerseligsten Jungfrau Maria geweiht!“ Schweigend brach sie auf, um nach Hause zurückzukehren. Sie sagte mir nicht, ob sie meinem Rat folgen würde oder nicht.

In der folgenden Woche rief mich ihr Verlobter an und sagte mir, dass sie Gott sei Dank nicht abgetrieben habe und sich dafür entschieden habe, die Kinder zu behalten.

Nach einigen Monaten, am 20. April 2009, rief mich der junge Mann noch einmal an, um mir von der Geburt zweier wunderschöner Mädchen zu berichten. Ich war so ergriffen, dass ich fast nicht mehr sprechen konnte. Als er mich fragte, warum ich so weinen würde, antwortete ich ihm: „Heute ist mein Geburtstag!“ Das war das größte Geschenk, das ich je erhalten hatte: ein Zeichen des ständigen Wirkens Gottes in meinem Leben als Priester.

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