Menschenrechtsrat tagt über Religionsfreiheit in Genf

Msgr. Silvano Maria Tomasi: Religion ist keine Bedrohung, sondern eine Ressource

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ROM, 5. März 2012 (ZENIT.org). – Am 1. März äußerte sich der ständige Vertreter des Heiligen Stuhls beim Büro der Vereinten Nationen in Genf, Msgr. Silvano Maria Tomasi, zum Anlass der 19. ordentlichen Sitzung des Rates für Menschenrechte zum Thema „Religionsfreiheit“  in einer Ansprache.

Freiheit des Denkens, des Gewissens, der Religion oder des Glaubens sei ein grundlegendes und wesentliches Element der menschlichen Existenz. Der Heilige Stuhl sei erfreut darüber, dass der Rat der Menschenrechte sich in verschiedenen Ländern für diese Rechte einsetze, um die Entfaltung des Lebens des Einzelnen zu unterstützen.

In vielen Ländern gebe es allerdings immer noch eine Diskrepanz zwischen den Gesetzen und der täglichen Umsetzung dieses Ideals. Angriffe auf Christen in Afrika, dem Mittleren Osten und Asien seien zwischen den Jahr 2003 und 2010 um 309 Prozent gestiegen. Christen als religiöse Minderheit in vielen Ländern zahlten den höchsten Preis für ihren Glauben, obwohl sie nicht die einzigen Verfolgten seien. Die Einschränkung der Religionsfreiheit betreffe insgesamt 2,2 Milliarden Menschen.

Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte stelle heraus, dass die Würde des Menschen die Grundlage für die Verteidigung aller Menschenrechte sei. Religionsfreiheit sei kein zweitrangiges Recht, sondern ein unveräußerliches Recht jeder menschlichen Person. „Die Aufgabe des Staates ist es nicht, Religion zu definieren, sondern religiösen Gruppen mit einem Rechtsrahmen zu schützen“. In Ländern, wo eine „Staatsreligion“ existiere, könne die Anerkennung der Religionsfreiheit in Gefahr sein.

Es sei ein realistisches Unterfangen, dem gegenseitigen Respekt Raum zu geben und innerhalb einer gesunden Demokratie die öffentliche Rolle der Religion und die Unterscheidung von religiösem und öffentlichem Bereich anzuerkennen.

Benedikt XVI. habe die Situation klar umschrieben, als er sagte: „Es ist traurig, dass in vielen Ländern, vor allem aber im Westen, die kulturellen und politischen Bereiche wenig Respekt und erhöhte Feindseligkeit gegenüber den Religionen zeigen, vor allem aber gegenüber dem Christentum.“ Dies sei eindeutig der Fall, wenn der Relativismus als wesentliches Element der Demokratie anerkannt werde; dadurch weite sich die Tendenz aus, die Religion als rein negative Kraft anzusehen.

„Religionen sind keine Bedrohung, sondern eine Ressource“, erklärte Tomasi.

Dem Bildungssystem und den Medien komme die wichtige Rolle zu, Vorurteile und Hass aus den Textbüchern, aus den Medienshows und den Zeitungen zu verbannen und allen gesellschaftlichen Gruppen genaue und faire Informationen zu liefern. Fehlende Bildung und Desinformation vereinfachten die Manipulation der Menschen für politische Manöver und sei verbunden mit Unterentwicklung, Armut sowie fehlender Teilnahme an der Gestaltung der Gesellschaft und zerstöre damit die Basis für die Umsetzung der Menschenrechte.

„Aus diesem Grund ist es die dringend notwendige Verantwortung der internationalen Gemeinschaft, dem Trend der steigenden Gewalt gegen religiöse Gruppen entgegenzuwirken und von einer vermeindlichen Neutralität abzusehen, die darauf abzielt, Religion zu marginalisieren.“ [jb]