"Menschliche Würde hat Vorrang": Bioethik-Kommission der Schweizer Bischofskonferenz zur Humanforschung und der Instrumentalisierung menschlicher Embryos

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FRIBOURG, 7. Juni 2006 (ZENIT.org).- "Die Interessen der Forschung dürfen nie über das Prinzip der menschlichen Würde gestellt werden", heißt es in einer heute, Mittwoch, veröffentlichten Erklärung der Bioethik-Kommission der Schweizer Bischofskonferenz.



Das Expertengremium begrüßt zwar die "Vereinheitlichung der Gesetzgebung" im neuen Verfassungsartikel der Humanforschung, weist allerdings darauf hin, dass die geplanten Regelungen nicht den Anforderungen der Schweizer Bundesverfassung gemäß Artikel 7 entsprächen, die die Würde des Menschen achtet und schützt.

Die Bioethik-Kommission kritisiert die im Entwurf zum Verfassungsartikel über die Humanforschung vertretene Ansicht, wonach der Schutz der Person und die Forschungsfreiheit Gegenspieler seien. In diesem Zusammenhang bekräftigen die Fachmänner, dass die menschliche Würde auch im neuen Verfassungsartikel bedingungslosen Vorrang haben müsse.

In einer ebenfalls am heutigen Mittwoch veröffentlichten Erklärung spricht sich die bischöfliche Bioethik-Kommission außerdem eindeutig gegen so genannte "Designer-Babys" aus.

"Die Instrumentalisierung menschlicher Embryos als Ersatzteillager macht sie zu einer reinen Handelsware. Die Bioethik-Kommission der Schweizer Bischofskonferenz verurteilt deshalb die Züchtung menschlicher Embryos zur Heilung anderer Menschen. Sie fordert deshalb ein Verbot dieser menschenunwürdigen Praxis. Als Lösung schlägt die Bioethik-Kommission den verstärkten Ausbau eines zentralen Spenderregisters vor.

Die Bioethik-Kommission versteht den Wunsch vieler Eltern, ihrem todkranken Kind um jeden Preis helfen zu wollen. Sie erinnert aber daran, dass es nicht das Recht des Menschen sei, menschliche Embryos einzig zur Lebensrettung zu züchten. Spender-Embryos, die nicht den medizinischen Anforderungen des Organempfängers genügen, werden getötet. Diese Form der Eugenik ist menschenunwürdig und ein beschämender menschlicher Selektionsprozess, der die Embryos zu einer reinen Handelsware degradiert.

Die Bioethik-Kommission warnt zudem davor, dass bei einer Einführung dieser Praxis viele Kinder nur zum Zweck, menschliches Leben zu retten, ausgetragen werden. Niemand kann garantieren, dass sie Liebe und Zuneigung nach Erfüllung ihrer Funktion als Spender erfahren werden. Familien, die ihr Kind heilen wollen, dürfen nur die Hilfe eines bereits lebenden Spenders in Anspruch nehmen. Dafür schlägt sie den Ausbau eines zentralen Spenderregisters vor, um die Wartezeiten massiv zu verkürzen."

Die Bioethik-Kommission der Schweizer Bischofskonferenz verfolgt die Forschung in der Biotechnik und Humanmedizin und liefert den Schweizer Bischöfen Entscheidungsgrundlagen. Ziel ist es, einen gesellschaftlichen Konsens in komplexen ethischen Fragen zu finden und Antworten für einen verantwortungsvollen Umgang mit dem Leben zu liefern. Der Kommission gehören zwölf Vertreter aus den Bereichen Theologie, Ethik, Medizin, Recht und Politik an. Die Kommission wurde 2002 in Freiburg gegründet.