Messe zum Geburtstag Pater Werenfrieds von Straaten in Limburg

Glückwünsche von EU-Kommissionspräsident Romano Prodi

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LIMBURG, 15. Januar 2003 (ZENIT.org-Kirche in Not).- Der Gründer des internationalen katholischen Hilfswerks "Kirche in Not/Ostpriesterhilfe", Pater Werenfried van Straaten, feiert seinen neunzigsten Geburtstag am 17. Januar um 11 Uhr mit einem Gottesdienst im Hohen Dom zu Limburg. Jeder, der die von Bischof Franz Kamphaus zelebrierte Heilige Messe mitfeiern möchte, sei willkommen, teilte "Kirche in Not" mit.



"Kirche in Not" erwartet zum Gottesdienst Freunde des "Speckpaters" aus vielen der mehr als 130 Länder, in denen Werenfried van Straaten mit seinem Hilfswerk die katholische Kirche unterstützt. Zu den ersten Gratulanten gehört der Präsident der Europäischen Kommission, Romano Prodi, der nach Angaben des Werkes in einem Glückwunschschreiben seine "größtmögliche Wertschätzung" für den Jubilar bekundet, der sich "in Zeiten schwieriger politischer Veränderungen zum Apostel des Friedens gemacht" habe. Wegen seines Einsatzes für die verfolgten Christen werde er "von vielen Christen für einen Engel des Friedens" gehalten.

Werenfried van Straaten wurde 1913 im niederländischen Mijdrecht geboren. 1934 trat er in die Prämonstratenser-Abtei Tongerlo ein, wo er mit 27 Jahren zum Priester geweiht wurde. Kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs, 1947, gründete er das Hilfswerk "Ostpriesterhilfe" und warb in Holland und Belgien um Hilfe für die deutschen Heimatvertriebenen, vor allem aber um Versöhnung mit den ehemaligen Kriegsgegnern. Dass Pater Werenfried bei flämischen Bauern auch Hunderte Tonnen Speck sammelte, trug ihm den Spitznamen "Speckpater" ein, mit dem er populär wurde.

In der Folgezeit dehnte sich die Tätigkeit des später in Kirche in Not/Ostpriesterhilfe umbenannten Werks auf die Kirche in Osteuropa, jenseits des Eisernen Vorhangs, aus. Pater Werenfried stellte Mittel zur Renovierung verfallender Kirchen bereit, unterstützte die Priesterausbildung in Lettland und Litauen, wo sie noch eingeschränkt möglich war, schaffte religiöses Schrifttum nach Osteuropa und half Radiosendern bei der Ausstrahlung religiöser Programme in den osteuropäischen Sprachen. Auf jährlichen Kongressen von "Kirche in Not" hielt van Straaten die öffentliche Aufmerksamkeit für die verfolgte Kirche in Osteuropa aufrecht.

Besondere Hilfe ließ van Straaten seit den Sechziger Jahren bis heute der mit Rom unierten, bis zur Wende grausam verfolgten Ukrainischen Griechisch-katholischen Kirche zukommen.

Seit der Wende hat "Kirche in Not" auf Wunsch Papst Johannes Pauls II. auch Kontakte zur russisch-orthodoxen Kirche aufgebaut und dieser vom Kommunismus ebenfalls schwer getroffenen Kirche gezielte Hilfen zukommen lassen. Vor allem durch ökumenische Projekte sollen Orthodoxe und Katholiken einander näher gebracht werden, als "Zeichen selbstloser Liebe und Weg der Versöhnung" zwischen den Schwesterkirchen.

Die Notwendigkeit, im Nachkriegsdeutschland Häuser für Flüchtlinge und katholische Kirchen in der bisherigen Diaspora in Norddeutschland zu bauen, führte Pater Werenfried 1952 zur Gründung des Internationalen Bauordens. Als Berater des Zweiten Vatikanischen Konzils konnte Pater Werenfried in Rom sechzig Bischöfe aus Ländern hinter dem Eisernen Vorhangs treffen. Im selben Jahr dehnte "Kirche in Not" auf Bitten von Papst Johannes XXIII. seine Hilfe auf Lateinamerika, Afrika und Asien aus. Als Ergänzung zu den überall ergriffenen Initiativen der Nahrungs-, Krankheits- und sonstigen Entwicklungshilfe sollte "Kirche in Not" die seelsorgliche Arbeit der bedrohten Kirche dieser Regionen unterstützen.

Aufsehen erregte der "Speckpater" immer wieder mit unkonventionellen Ideen wie den "Kapellenwagen", die im Nachkriegsdeutschland und nach der Wende auch in Ostpreußen reisenden Priestern als fahrende Kirchen dienten. Später kamen in der brasilianischen Amazonasregion und im russischen Gebiet von Wolga und Don "schwimmende Kirchen" zum Einsatz. Als wortgewaltiger Prediger wurde Werenfried van Straaten in Deutschland und weit darüber hinaus bekannt. Im Laufe der Jahre sammelte er mehr als drei Milliarden Euro an Spenden und gilt bei "Kirche in Not" als "größter Bettler des Jahrhunderts".

Das Werk Pater Werenfrieds, "Kirche in Not/Ostpriesterhilfe", ein Hilfswerk päpstlichen Rechts, besteht heute in sechzehn Ländern. Die internationale Zentrale in Königstein/Taunus bearbeitet jährlich etwa zehntausend Projektanfragen von Priestern, Ordensleuten und Bischöfen aus mehr als 130 Ländern der Erde. Es ist, nach den Worten seines Gründers, ein "Treffpunkt der Weltkirche" geworden. Als pastorales Werk hilft "Kirche in Not" vor allem bei der Aus- und Weiterbildung von Seminaristen und Priestern, bei Bau und Renovierung von Ausbildungsstätten und Kirchen, beim Übersetzen und Verlegen der Bibel und anderer religiöser Literatur und bei der Ausstrahlung religiöser Rundfunkprogramme. Im Jahr 2001 hat "Kirche in Not" 79,15 Millionen Euro an Spenden erhalten. Für die Information der Öffentlichkeit und die Spendenverwaltung sind die sechzehn Nationalbüros zuständig, darunter das Büro des deutschen Zweigs von "Kirche in Not" in München. Etwa 65.000 Spender in Deutschland haben im Jahr 2001 mehr als 12,7 Millionen Euro für die Kirche in Not aufgebracht. Laut Kurienkardinal Joseph Ratzinger hat sich "Kirche in Not" "zu einem der bedeutendsten katholischen Hilfswerke entwickelt, das nicht nur in Osteuropa, sondern in aller Welt segensreich wirkt".

Pater Werenfried van Straaten lebt heute in Bad Soden, unweit des Sitzes der internationalen Zentrale von "Kirche in Not" in Königstein/Taunus und nimmt nach wie vor regen Anteil an der Entwicklung seines Werkes, dem heute der Schweizer Hans-Peter Röthlin als Präsident und Antonia Willemsen, eine Nichte des Jubilars, als Generalsekretärin vorstehen. Internationaler Geistlicher Assistent von "Kirche in Not" ist der chilenische Schönstatt-Priester Joaquin Alliende.