Militärische Operationen reichen nicht aus: Politische Anstrengungen sind notwendig

Apostolischer Administrator und Bischof von Dschibuti äußert sich über die Lage in Somalia

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ROM, 24. Februar 2012 (ZENIT.org). - „Wie bei früheren Gelegenheiten sind die Erwartungen groß. Ich selbst hoffe, dass die Konferenz in London zu positiven Ergebnissen führen wird. Es ist aber auch wahr, dass nach vielen gescheiteren Konferenzen das Risiko besteht, dass es ein weiteres Mal keine konkreten Ergebnisse geben wird“, so Bischof Giorgio Bertin von Dschibuti, der auch Apostolischer Adminstrator von Mogadischu (Somalia) ist, im Gespräch mit dem Fidesdienst zur Internationalen Somaliakonferenz, die am 23. Februar in London eröffnet wurde.

An dem Gipfeltreffen nehmen Vertreter von rund 50 Staaten und Organisationen teil, darunter auch der Generalsekretär der Vereinten Nationen, Ban Ki-moon, sowie Vertreter der Afrikanischen Union, der Europäischen Union, der Vereinigten Staaten und verschiedener afrikanischer und europäischer Staaten und des Nahen Ostens.

„Ich hoffe, dass aus den Reihen der internationalen Staatengemeinschaft gemeinsame Ideen und Anstrengungen für eine Zusammenarbeit mit der somalischen Bevölkerung und deren Vertreter entwickelt werden, auch wenn es bisher schwierig war ‚echte’ Vertreter der somalischen Bevölkerung zu finden. Auch diejenigen, die in London anwesend sein werden, sind dies nur teilweise“, so Bischof Bertin.

Der UN-Sicherheitsrat hat die Ausweitung der AMISOM-Einheiten von 12.000 auf 17.731 Soldaten beschlossen, während äthiopische Truppen, die die somalische Regierung unterstützen, von der Einnahme der Stadt Baidoa berichten, die bisher in den Händen der Shabaab-Miliz war.

Im Hinblick auf das Überwiegen militärischer Erwägungen bei der Lösung der somalischen Krise sagte Bischof Bertin: „Ich hoffe, dass die militärische Option nicht den Vorrang haben wird, und man darf auch nicht denken, dass man durch humanitäre Hilfen die Hungersnot überwinden kann. In den vergangenen Monaten habe ich immer wieder betont, dass man Somalia nicht allein den Hilfswerken überlassen darf, auch wenn diese edle Ziele verfolgen, denn dies führt nur zu anhaltender Abhängigkeit. Wir müssen Diplomaten und Politiker die Möglichkeit geben, die eigene Rolle auszuüben. Man kann es nicht ausschließen, doch ich hoffe nicht, dass militärische Erwägungen überwiegen. Meiner Meinung nach kann ein militärisches Vorgehen nicht zu einer Lösung führen.

„Natürlich darf der Sicherheitsfaktor nicht vernachlässigt werden, auch humanitäre Hilfen sind nötig. Doch damit Somalia einen Weg aus der nunmehr seit Jahrzehnten anhaltenden Krise findet, muss man der Politik und der Diplomatie den Vorrang geben“, so Bischof Bertin abschließend.