Millenniumsziele sind für internationale Staatengemeinschaft die Priorität, erinnert Erzbischof Migliore

Rede des Vatikanvertreters anlässlich der 59. UN-Generalversammlung

| 232 klicks

NEW YORK, 21. Januar 2005 (ZENIT.org).- Katholische Hilfsorganisationen, die auf den Appell des Heiligen Vaters rasch reagiert haben, konnten für die Opfer der Flutkatastrophe in Südostasien bisher rund 500 Millionen Dollar sammeln und damit sofortige Hilfsmaßnahmen und erste längerfristige Projekte zum Wiederaufbau der zerstörten Gebiete finanzieren.



Die langfristigen Wiederaufbauarbeiten waren vergangenen Dienstag auch Thema der Ansprache von Erzbischof Celestino Migliore, dem Vertreter des Heiligen Stuhls bei den Vereinten Nationen. Anlass war die in New York abgehaltene 59. UN-Generalversammlung zum Thema 39, dem Resolutionsentwurf zur "verbesserten Koordination der humanitären Hilfe und der Katastrophenhilfe der Vereinten Nationen, besondere Finanzhilfe mit eingeschlossen" (A/59/L.58).

In seiner Ansprache warnte Erzbischof Migliore davor, die Spendenfreudigkeit zu früh zurückzuschrauben: "Es ist klar, dass es sich um einen Notfall handelt, dessen Folgen mittel- und langfristig andauern werden. Deshalb muss man darauf hoffen, dass die Solidarität unter den Bürgern und bei den Regierungen nicht abnimmt, wenn sich die Welt vom anfänglichen Schock dieser Katastrophe erholt hat."

Der Vertreter des Vatikans erinnerte daran, dass der Papst "gleich beim Eintritt dieser Notsituation sein tiefstes Mitgefühl ausgedrückt und die Einrichtungen der Katholischen Kirche damit betraut" habe , "unterschiedslos allen Menschen in den von der ungeheuren Tragödie heimgesuchten Nationen in authentischer Solidarität zu helfen. Unsere Einrichtungen und die Repräsentanten des Papstes in den betroffenen Ländern handelten schlagartig", erinnerte der Bischof. "Zuerst verteilten sie Nahrungsmittel und Kleidung und gaben der betroffenen Bevölkerung Obdach."

Am schlimmsten betroffen von der Tragödie seien "junge Kinder", sagte Migliore. "Wenigstens 50.000" seien umgekommen, zehntausende zu Waisen gemacht worden. "Aus diesem Grund" dränge der Heiligen Stuhl besonders auf "jene Wege", auf denen diesen überlebenden Kindern "in den am schwersten betroffenen Gebieten" am besten geholfen werden könne.

In Zusammenarbeit mit dem Päpstlichen Rat "Cor Unum", der Hilfseinrichtung des Papstes, "verwenden bereits sehr viele katholische Einrichtungen finanzielle Mittel aus der ganzen Welt. Sie machen beinahe 500 Millionen Dollar aus und fließen über unsere lokalen Netzwerke zum einen Teil in die Soforthilfe, zum anderen in längerfristige Projekte."

Msgr. Migliore betonte auch, in diesem Augenblick sei es notwendig, dass NGOs und andere konfessionelle Organisationen zur direkten Arbeit mit der Bevölkerung zugelassen würden, während "die multilaterale Finanzhilfe ohne politische, ethnische oder religiöse Vorurteile unter den betroffenen Regionen gerecht aufgeteilt" werden müsse.

"Die außerordentliche Wucht der Naturgewalten in einem Radius von Tausenden von Meilen" habe auch eine "ebensolch außergewöhnliche Antwort" in den Völkern und Regierungen auf der ganzen Welt ausgelöst – eine große "Welle an Mitgefühl und Solidarität", "wie man sie in unserer Zeit selten antrifft".

Eine dermaßen schnelle und tatkräftige Solidarität weltweit "ist gewiss ein Zeichen für die grundlegende Anständigkeit der Menschen in der Welt", so der Erzbischof. "Es ist klar, dass wir, abgesehen von den Dingen, die uns trennen, angesichts solch unfassbarer Ereignisse einen tiefen Sinn für unsere Teilhabe an der Menschheit und ihrer Zerbrechlichkeit besitzen.

Neben einer "Verstärkung der Soforthilfe, der Rehabilitation und des Wiederaufbaus" sollten nach Ansicht des Heiligen Stuhls alle Nationen "diese Gelegenheit und den guten Willen in der Weltbevölkerung dazu nutzen, um humanitäre Ziele in einem größeren Maßstab anzupacken", auch in anderen Teilen der Welt. Den derzeit so stark entwickelten Sinn für humanitäre Themen, diese "Stoßkraft", dürfe man nicht einfach vorbeigehen lassen, forderte Migliore.

Angesichts der bitteren Leiden von rund 25.000 Menschen in Gebieten mit "Kriegen, Katastrophen und Misswirtschaft, die größtenteils vom Menschen verursacht wurden", erhofft sich die vatikanische Delegation bei den Vereinten Nationen für dieses Jahr 2005, dass "Solidarität zum Markenzeichen der politischen Agenda" werde. In einer Weise, die es allen Nationen ermöglicht, "die Entwicklungsziele zu erreichen, denen man zu Beginn dieses Millenniums zugestimmt hat".