Ministerrat kann sich nicht auf Grenzen bei Finanzierung der Stammzellenforschung einigen

Erklärung der COMECE (Kommission der Bischofskonferenzen der Europäischen Gemeinschaft)

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BRÜSSEL, 3. Dezember 2003 (ZENIT.org).- Auf der Sitzung des Ministerrats der Europäischen Union konnte keine Einigung über ethische Leitlinien für die EU-Förderung von Stammzellenforschung gefunden werden. Sowohl der Vorschlag der Europäischen Kommission als auch ein von der italienischen Präsidentschaft vorgelegter Kompromissvorschlag wurden abgelehnt. Monsignore Noel Treanor, Generalsekretär der COMECE, gab folgende Erklärung ab:



“Wir bedauern, dass der Ministerrat sich heute nicht auf ethische Grenzen für die EU-Förderung von Stammzellenforschung einigen konnte. Wir sind sehr besorgt, dass dies zu Finanzierungsentscheidungen der Europäischen Kommission in einem Raum rechtlicher und moralischer Unsicherheit führen könnte.

Ethische Bedenken gegenüber Forschung, welche die Vernichtung menschlicher Embryonenmit sich bringt, gründen sich auf religiösen und anderen Überzeugungen sowie auf geschichtlichen und wissenschaftlichen Erfahrungen. Diese Bedenken werden nicht nur von der katholischen Kirche und anderen christlichen Kirchen geteilt, sondern auch von anderen Gruppen mit unterschiedlicher Herangehensweise.

Es ist zu betonen, dass es im Ministerrat nicht um die Entscheidung ging, ob diese Forschung in den Mitgliedstaaten erlaubt werden soll. Dies ist Angelegenheit der Mitgliedstaaten. Die Frage war, ob solche Forschung aus dem Budget der Europäischen Gemeinschaft finanziert werden soll, also aus den Beiträgen aller Mitgliedstaaten.

Solch eine Finanzierung ist nicht ethisch neutral. Wenn der Ministerrat akzeptierte, dass EU-Gelder für embryonale Stammzellforschung und insbesondere für die verbrauchende Embryonenforschung genutzt werden, so würde dies eine Legitimierung der Vernichtung menschlicher Embryonen bedeuten.

Welche Haltung man auch immer in der Sache einnimmt, die fundamentale Bedeutung dieser Frage für unser Menschenbild und für unsere Gesellschaft lässt sich nicht leugnen. Die Tatsache, dass sich der Ministerrat nicht einigen konnte, zeugt von der besonderen ethischen Reichweite der Frage. Entscheidungen dieser Art sollten daher, in Übereinstimmung mit dem Subsidiaritätsprinzip, den Mitgliedstaaten überlassen bleiben.“


Anmerkungen:

1 Zur Haltung der COMECE gegenüber den ethischen Leitlinien für EU-Finanzierung von Stammzellenforschung, siehe auch die Presseerklärung zu dem Kommissionsvorschlag (9. Juli 2003) und der Abstimmung des Europäischen Parlaments (19. November 2003) .

2 Vergleiche zum Beispiel den gemeinsamen Appell der Präsidenten der Deutschen Katholischen Bischofskonferenz und des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (24. November 2003) und die Stellungnahme der Heiligen Synode der Griechisch-Orthodoxen Kirche (25. November 2003).