Missbrauch: Licht im Dunkel
Für einen aufklärenden, zuweilen schmerzhaften Weg der Aufarbeitung gibt es keinen Ersatz
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ROM, 11. Februar 2010 (ZENIT.org).- Missbrauch durch hauptamtliche Mitarbeiter der Kirche beschädigt die gesellschaftliche Akzeptanz von Kirche und christlichen Gemeinden. Der Missbrauch Skandal der irischen Kirche und die klärende Initiative der deutschen Provinz der Gesellschaft Jesu angesichts von Missbrauch in ihren eigenen Reihen haben dies klar gezeigt.
Aber das Schlimmste an diesen schrecklichen Vorgängen sind die bleibenden Verletzungen und Narben in der Biographie und Seelen der Opfer. Sie sollten stets im Zentrum von Aufarbeitung und Aufklärung stehen.
Unsere Redaktion erreichte in diesen Tagen viele Stimmen, nicht nur zu diesen jüngsten Enthüllungen, sondern insbesondere zu dem massiven Missbrauchskandal der irischen Kirche.Der Standpunkt des Papstes angesichts von Missbrauch ist klar. Den irischen Bischöfen gegenüber fielen Wörter wie „abscheulich“ und „verwerflich“ (ZENIT berichtete). Am vergangenen Montag hat der Bischof von Rom wieder einmal unmissverständlich an die biblische Lesart für ein Vorgehen seitens der Kirche erinnert: "Wer einem von diesen Kleinen, die an mich glauben, zum Bösen verführt, für den wäre es besser, wenn er mit einem Mühlstein um den Hals im tiefen Meer versenkt würde."(Mt 18,6) (ZENIT berichtete)
Das Hauptproblem von Verantwortlichen in der der Kirche ist aber der Umgang mit solch einem kranken Verhalten, das Menschen unwürdig, unethisch und eindeutig gesetzeswidrig ist. Verharmlosung oder ein Vertuschen dürfe es nicht geben, erklärte der Trierer Bischof Ackermann gestern. „Die Vorgänge seien erschütternd und verheerend für das Ansehen und die Glaubwürdigkeit der Kirche, so der Bischof.
Es ist ein Verdienst der Jesuiten durch den Druck der Leidenden unter den Opfern, endlich das Schweigen über diese schrecklichen Vorgänge in aller Öffentlichkeit gebrochen zu haben. Sie haben in sichtbarer Geschlossenheit gezeigt, dass sie aus dem Zeitalter von Strukturen eines kirchlichen Schattenreichs ins Licht konsequenter Aufklärung treten wollen. Sie haben bewusst und entschieden, trotz Scham vor Öffentlichkeit seitens der Opfer und blockierender kirchlicher Sachzwänge, diese Vergehen von Ordensmitgliedern, die teilweise den Orden verlassen haben, in das Rampenlicht von Kirche, Gesellschaft und öffentlicher Medien gestellt.
Damit hat die Gesellschaft Jesu anders als manch andere Einrichtung, nicht nur der katholischen Kirche, den endgültigen Bruch mit verschleierndem Schweigen, vermeintlichem Gehorsam ‚höheren verantwortlichen Instanzen' gegenüber gewagt und sich den Vergehen aus den eigenen Reihen, aber auch den eigenen Unterlassungssünden gestellt.
Das ist ein Schritt der Anständigkeit, der Gerechtigkeit mit den Opfern und den Tätern, die sich ihren Vergehen nie öffentlich stellen mussten. Es zeugt auch von tiefem Glauben. Wer sich Gesellschaft Jesu nennt, weiß, dass alles, was in unserer Öffentlichkeit „Imageverlust“ genannt wird, zu einer Kategorie gehört, die angesichts der Seligpreisungen für Christen an sich kein Wert ist. Deshalb muss eine gläubige Kirche auch nicht aus Sorge um eine Beschädigung ihres Rufes, Mittäter im Verschweigen und Verdecken und Verdrängen werden. Sie darf sich auch nicht zwangsweise, oft unbewusst, in den Seilschaften und Gefolgschaften des Kranken und Perversen verfangen.
Deshalb sollte sich eigentlich gerade Kirche ohne Angst schonungslose Aufklärung mit Verurteilung abscheulichen Verhaltens leisten können, aber unter Wahrung der Würde der Täter.
Nicht nur seit König David, der von seinem perverser Narzissmus bis zum Mord getrieben wurde, überlebt das Volk Gottes unheilvolle Biographien und schreitet Kraft der reinigenden und heilsamen Gnade Gottes in der Zeit voran. Aber König David wurde von Gottes Propheten anhand seiner eigenen theoretischen moralischen Kategorien der Schuld überführt, bekannte sie und zeigte Reue. Erst dadurch wurden seine Gebete authentisch. Für diesen aufklärenden, zuweilen schmerzhaften Weg der Aufarbeitung gibt es keinen Ersatz. Dieser muss auch in Zusammenarbeit mit den zivilen Behörden gegangen werden.
In diesem Sinne ist es zu begrüßen, dass der Provinzial der Deutschen Jesuiten, P. Dartmann SJ, jüngst einen seiner Mitbrüder zur Selbstanzeige bei den Behörden ermahnte. P. Theo Schneider SJ trat am Dienstag als Rektor des Aloisiuskoleg in Bad Godesberg "im Interesse einer lückenlosen Aufklärung" zurück. Landauf und landab sprechen Jesuiten das Thema ernsthaft und betroffen in Gottesdiensten und öffentlichen Verantaltungen an.
„Die katholische Kirche sollte sich endlich eingestehen, dass es einen Zusammenhang zwischen der Pflichtzölibatsforderung und dem Fehlverhalten von Klerikern gibt und sich hinsichtlich des starren Festhaltens am Pflichtzölibat einer Neuregelung dieser dringenden Frage nicht verweigern“, so Paul Haverkamp Autor des Buches, „Kirche im Spannungsfeld“.
Mit diesem vermeintlichen Lösungsvorschlag endeten in den letzten Tagen viele Analysen der jahrzehntelang verdeckt gebliebenen, beklagenswerten Fälle von Missbrauch, sei es in einschlägigen Boulevardmagazinen, wie Bild oder in vermeintlich seriösen Nachrichtenmagazinen wie Stern und Spiegel, die sich im Niveau nicht groß unterschieden.
Missbrauch ist keine Folge von vermeintlich „weltfremden“ zölibatären Lebensformen innerhalb der katholischen Kirche. Diese These greift viel kurz: Die erschütternden Ausmaße von Kindesmissbrauch sind ein gesellschaftliches Problem. Dafür steht das jahrzehntelange Engagement von hochkarätigen Einrichtungen angesichts von über 200.000 Missbrauchsfällen, denen es vorrangig um Hilfe für die Opfer geht und um schonungslose Aufklärung und Prävention.
Experten warnen euopaweit: Die Pädophilen-Lobby sickert zunehmend in die Risse von gefährdeten Familien ein und findet einen fruchtbaren Boden in einer „Fortschrittsmentalität“, die eine sexuelle Neigung für Kinder für normal hält (ZENIT berichtete).
"Es geht darum Mädchen und Jungen zu schützen, für ihre Rechte auf sexuelle und körperliche Unversehrtheit einzutreten, ihnen einen Rahmen zu ermöglichen, in dem sie sich ungehindert entwickeln können, und es geht darum, Erwachsene dafür zu gewinnen, für den Schutz der Mädchen und Jungen in die Verantwortung zu gehen", heißt es in einem Werk der ersten Stunde, das gegen Missbrauch kämpft. Die AMYNA e.V. wurde 1989 gegründet, um der Prävention von sexuellem Missbrauch ein eigenes Gewicht zu verleihen. Er trägt den programmatischen Namen: "Verein zur Abschaffung von sexuellem Missbrauch und sexueller Gewalt".
Die Vision, eine Gesellschaft frei von sexuellem Missbrauch und sexueller Gewalt zu gestalten, trieb den Verein an, der mittlerweile von der Stadt München Förderung für das "Projekt zur Prävention von sexuellem Missbrauch" erhält. Prävention von sexuellem Missbrauch, so die Experten, ist ein buntes und vielfältiges Arbeitsgebiet. Es ist mutlikulturell, geschlechtsrollenöffnend, generationenübergreifend, selbstverständlich sozialraumorientiert. Es gibt also Licht im Dunkel.
Angela Reddemann


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