Mission heute: Internationaler Kongress über das Konzilsdekret "Ad gentes" an der Universität Urbaniana in Rom

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ROM, 28. März 2006 (ZENIT.org).- Anlässlich einer Fachtagung zum 40. Jahrestag des Konzilsdekrets "Ad gentes" über die Missionstätigkeit der Kirche an der Päpstlichen Universität Urbaniana in Rom hat Kardinal George Pell, Erzbischof von Sydney (Australien), betont, dass dieses Dokument nichts an Aktualität eingebüßt habe – im Gegenteil.



"'Ad gentes' ist heute möglicherweise noch wichtiger als vor 40 Jahren, denn vor allem in unserer modernen westlichen Welt wird manchen Menschen wieder neu bewusst, wie notwendig es doch ist, den anderen von Christus zu erzählen und ihnen seine Botschaft weiterzugeben", sagte der 65-jährige Kardinal während des Kongresses, der von der Kongregation für die Evangelisierung der Völker organisiert worden war. Die Missionstätigkeit "stellt die Mitte unseres katholischen Lebens dar", fuhr er fort. "Wir besitzen etwas Wunderschönes, was wahr ist, und es gehört zur katholischen Tradition, diesen Schatz auch verbreiten zu wollen. Das ist nämlich der zentrale Inhalt dieses Dokuments über die Mission."

Während der internationalen Begegnung wurden positive genauso wie negative Entwicklungen der missionarischen Tätigkeit angesprochen. Festgestellt wurde auch eine generelle Wandlung: Während es in der Vergangenheit die Europäer gewesen waren, die nach Afrika, Amerika und Ozeanien gingen, seien es heute vor allem die Christen aus den ehemaligen Missionsgebieten, die die Europäer an ihre christlichen Wurzeln erinnerten.

"Vor etwa einem Jahrhundert kamen alle Männer und Frauen, die in Afrika als Missionare tätig waren, aus anderen Kontinenten", erklärte Erzbischof Antoine Ntalou aus Garoua in Kamerun (Afrika). Heute sei das ganz anders. "Die Missionare, die von auswärts kommen, werden immer weniger, und tatsächlich kehren immer mehr ausländische Missionare, die lange Zeit in Afrika verbracht haben, aus verschiedenen Gründen in ihre Heimatdiözesen zurück."

Deshalb sei für die Kirche in Afrika "nun die Stunde der Wahrheit gekommen", fuhr Erzbischof Ntalou fort. "Sie ist jetzt in der Lage, sich um die eigenen Belange zu kümmern und an der Evangelisation anderer Kontinente teilzunehmen."

Die australische Bevölkerung müsse dagegen von jenen, denen sie einst das Evangelium gebracht hatte, heute selbst missioniert werden, berichtete Kardinal George Pell. "Eine ständig wachsende Zahl dieser Missionare kommt aus Asien – beispielsweise aus Sri Lanka und Indien. Und viele von ihnen haben in Australien Verwandte." Einen lebendigen Glauben zeigten vor allem die "Gruppen von Katholiken aus den Philippinen. Und im Augenblick gibt es bei uns drei australische Koreaner, die sich in Sydney auf das Priesteramt vorbereiten."

Das Ausbreitung des Evangeliums in den ehemaligen Hauptmissionsländern ist auch mit Problemen verbunden, wie die Bischöfe aus Afrika zu berichten wissen. Viele von ihnen zeigten sich über die Qualität der Ausbildung ihrer Priesteramtskandidaten besorgt. "Natürlich ist eine gründliche Vorbereitung lebenswichtig, besonders da die heutige Generation heiligere Priester braucht", sagte diesbezüglich der 65-jährige Erzbischof Ntalou. "Unsere Kirche in Afrika ist noch sehr jung. Es gibt viel Enthusiasmus, aber wir fühlen auch, dass die Wurzeln unseres Glaubens noch wachsen müssen. Deshalb ist es dringend notwendig, den Glauben durch gute Katechesen zu vertiefen."

Kardinal Pell schlug als konkrete Lösungsmöglichkeit die Errichtung von Bildungszentren vor Ort beziehungsweise die Entsendung von Priestern und Ordenleuten zum Universitätsstudium ins Ausland vor. An der Päpstlichen Universität Urbaniana studierten drei Priesteramtskandidaten aus Papua-Neuguinea, bemerkte er.

Wachsende Gemeinden, wie sie in Afrika und Asien vorkommen, stehen des Weiteren vor dem Problem der Armut. Viele Gemeinden verfügen nicht über genügend Eigenmittel, und der Großteil ihrer Ressourcen wird für die Grundbildung sowie für die medizinische Grundversorgung der Bevölkerung benötigt.

Große Hoffnungen setzten die Tagungsteilnehmer aber auf den missionarischen Eifer der jungen Menschen. Joachim Kardinal Meisner, Erzbischof von Köln, erklärte in diesem Zusammenhang, dass der Weltjugendtag 2005 die Jugend in Deutschland aufgerüttelt habe. Und der "Glaube der ungleichen Gruppe", die in Köln versammelt war, fordere auch weiterhin jeden Pilger heraus und sei für ihn eine Stärkung.

Kardinal Pell hofft, dass eine solche Verbundenheit von Pilgern aus aller Welt und die intensive Glaubenserfahrung auch beim Weltjugendtag 2008 in Sydney erreicht werden könne. "Ich habe bereits einige Jugendgruppen in Europa besucht und sie zu diesem Ereignis eingeladen", berichtete er.

Kardinal Pell kündigte außerdem an, dass eine große Jugendgruppe aus Sydney nach Rom kommen werde, "um am Palmsonntag das Weltjugendtagskreuz entgegenzunehmen". Dieses Kreuz wird dann seine Missionsreise durch Afrika und Asien antreten, um den missionarischen Eifer, zu dem im Konzilsdekret "Ad gentes" aufgerufen wird, von neuem zu entfachen.