Missionarische Kraft: Die Beauftragung von Laien für den Dienst der Verkündigung

Interview mit Dom Walmor Oliveira de Azevedo, Erzbischof von Belo Horizonte (Brasilien)

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BELO HORIZONTE, 25. Mai 2009 (ZENIT.org).- Die katholische Kirche benötige viele Frauen und Männer, die als „Diener des Wortes“ zu beauftragten Mitarbeitern in der Neuevangelisierung geschult werden, so der Erzbischof von Belo Horizonte (Brasilien).

Über die Früchte der Bischofssynode über das Wort Gottes im Leben und in der Sendung der Kirche vom Oktober 2008 hat Dom Walmor Oliveira de Azevedo, Vorsitzender der Brasilianischen Bischofskonferenz (CNBB), im vorliegenden ZENIT-Interview gesprochen.

ZENIT: Auf der Bischofsynode haben Sie sich nachdrücklich für den Dienst am Wort stark gemacht. Was hat Sie dazu motiviert?

--Erzbischof Oliveira de Azevedo: Als ich während der Synode meine Rede hielt, wollte ich unterstreichen, dass die Kirche gerade wegen ihrer missionarischen Sendung zahlreicher Mitarbeiter bedarf, um an allen Orten präsent zu sein und um alle Herzen zu erreichen. Was das Wort Gottes betrifft, gilt gemäß dem Bekenntnis des heiligen Hieronymus, dass es wahre Nahrung und wahrer Trank ist. Deshalb habe ich vorgeschlagen, das Studium und den Dienst am Wort sehr wichtig zu nehmen.

Das gehört schon zur Prioritätenlist der Kirche, und daran wird bereits gearbeitet. Es gibt viele Projekte rund um die Welt, Diener des Wortes einzusetzen. An manchen Orten nennt man sie sogar die Beauftragten des Wortes. Aber wir müssen dafür sorgen, dass diese Beauftragung oder dieser Dienst nicht nur eine Art Vertretung für den Priester bleibt. Wenn dieser nicht anwesend sein kann, geht es um einen Dienst am Wort, nicht um einen Kultus des Wortes.

Ich denke, dass es wichtig ist, dieses Thema zu beleuchten und zu vertiefen, damit es unter den vielen kirchlichen Diensten und ihrer vielen Mitarbeiter auch Diener des Wortes gibt, die sich, offiziell beauftragt, in den Glaubensgemeinschaften, den Gruppen von Menschen in unterschiedlichen Umgebungen präsent machen, damit das Wort Gottes als echte Speise und echter Trank ausgeteilt werden kann, als wahre und unverzichtbare Nahrung.

Daher sehen wir in der Kirche die Notwendigkeit, dem Wort Gottes im Leben jedes katholischen Christen eine zentrale Bedeutung zu geben, damit es zur bleibenden Quelle und Bezugspunkt wird. Ich würde sagen, dass wir nicht einen Tag ohne das Wort Gottes leben können. So wie wir nicht ohne Essen auskommen können, können wir auch nicht einen Tag lang ohne das Wort Gottes leben. Wir müssen deshalb die Verteilung, die Bereitstellung des Verkündigungsdienstes des Wort Gottes vervielfachen.

Wir sehen, wie andere religiöse Gruppen aus der vorhergehenden Verkündigung des Wortes Gottes wachsen. Wir haben diesen Sendungsauftrag, und die Kirche, die Hüterin dieses Wort Gottes ist und Zugang zu diesem unerschöpflichen Schatz hat, darf nicht mehr zögern, das Netzwerk von Dienern und Verkündern des Wortes Gottes zu vergrößern. Ich glaube, dass dieser Ansatz eine neue missionarische Kraft entfalten kann, weil die Erfahrung der persönlichen Begegnung mit Christus, der ja Kern der Mission der Kirche ist, durch das Wort Gottes eine große Wirksamkeit und große Stärke bekommt.

Bei der Anhörung der Berichte der Bischöfe während der Synode haben andere ebenfalls diesen Punkt angesprochen, und für mich wurde dies deshalb immer offensichtlicher. Wir müssen schnellstens einen Weg finden, damit das Wort Gottes noch schneller durch die Spender des Wortes ankommt, die dafür offiziell eingesetzt und beauftragt worden sind. Nur so werden wir in der Lage sein, das zu werden, wozu wir berufen sind: eine Kirche im Zustand der ständigen Mission.

ZENIT: Wie könnte dieser Dienst aussehen?

--Erzbischof Oliveira de Azevedo: Dass es zu einer offiziellen Beauftragung kommt, hat die Voraussetzung, so hieß es während der Synode, dass eine Studie seitens der Dikasterien des Heiligen Stuhls angefertigt wird. Einbezogen sind die Kongregation für die Glaubenslehre, die Kongregation für das Katholische Bildungswesen, für die Liturgie und die Sakramentenordnung. Diese Studie muss ein klares Verständnis der theologischen Grundlage und der ministeriellen Ebene liefern. Das bedeutet auch, dass für eine angemessene Vorbereitung gesorgt werden muss. Wir brauchen eine gute Grundausbildung, die konsistent und gründlich ist, was die Dimension der Lehre betrifft. Dazu kommt eine Erweiterung des Verständnisses vom Wort Gottes.

Es geht um eine Befähigung, die den Beauftragten der Wortverkündigung dazu treibt, diese Quelle anzuzapfen, Wasser aus einer Quelle zu schöpfen, die letztlich unerschöpflich ist. Dazu gehört auch eine sehr typische Vorbereitung für die Weitergabe des Wortes. Während der Synode gab es einen Moment, wo sich die Gespräche darauf konzentrierten. Deshalb hat man dem Heiligen Vater schließlich den Vorschlag gemacht, dass Richtlinien für die Vorbereitung der Weitergabe des Gotteswortes aufgestellt werden - für diejenigen, die die Prediger sein werden, und für die Predigt selbst. Dieser Aspekt der Kommunikation ist der Schlüssel. Andernfalls werden wir nicht mit einer Stimme sprechen, wenn es doch heute darum geht, den Menschen Wege zu eröffnen, die sie verstehen können, die sie anfragen und berühren.

Ich denke, das sind zwei wichtige Aspekte: die theologische, pastorale, kanonische Klärung dieses Verkündigungsdienstes, die darauf abzielt, ihm mehr offizielle Bedeutung zu geben; und gleichzeitig können wir diese Arbeit nun auch mit unseren Priestern und denjenigen tun, die schon Diener des Wortes sind und diesen Dienst fortführen. Eine Vorbereitung, so dass wir mehr Kraft in der Weitergabe durch eine Sprache erzielen, die, wie der Heilige Vater es formulierte, mit performativer Kraft wirkt, das heißt, so zu kommunizieren, dass wir die Herzen der Menschen mit der Kraft des Wortes Gottes ganz tief berühren.

ZENIT: Was wären die Auswirkungen dieses Vorschlags?

--Erzbischof Oliveira de Azevedo: Die ersten Auswirkungen werden wir dann erleben, wenn das Postsynodale Apostolische Schreiben erscheint, das ja selbst ein Werk des Heiligen Vaters Benedikt XVI. ist. Wir erwarten, das es wie wie üblich in etwa ein Jahr nach der der Synode erscheinen wird. Diese nachsynodale Exhortation wird uns zeigen, welche Zielvorstellungen und Beiträge der Heilige Vater in dieser Hinsicht liefern wird. Wir haben große Erwartungen, was diese Exhortation angeht. Wir hoffen, dass sie bald erscheint. Wir sind sicher, dass dies viele interessante Perspektiven eröffnen wird.

ZENIT: Der Verkündigungsdienst wäre auch eine konkrete und positive Art und Weise, um dem Wachstum von Sekten zu begegnen?

--Erzbischof Oliveira de Azevedo: Genau darum geht es. Viele Christen, die aus der katholischen Kirche ausgetreten und nun in anderen religiösen Gruppen beheimatet sind, sagen: Jetzt habe ich festgestellt, dass Jesus in meinem Leben eine Bedeutung hat. Wir sind zuversichtlich, dass diese Zeugnisse, die ernst zu nehmen sind, was ihre Konsistenz und Authentizität angeht, dafür Zeugnis ablegen, was der direkte und ständige Kontakt mit dem Wort Gottes vermag. Und deshalb sind die Menschen so tief berührt. Denn der Kontakt mit dem Wort Gottes führt zur Erfahrung der Gnade, denn sie berührt ja die Herzen der Menschen. Wir müssen das Wort Gottes in einer weitaus offeneren, stärkeren und beständigeren Weise so verbreiten, dass viele Menschen motiviert werden und zur persönlichen Begegnung mit Christus gelangen.

Unsere Kirche ist Sakrament. Sie ist eine Kirche, die aus der Eucharistie geboren wurde und aus ihr lebt - so wie die Kirche auch aus dem Wort Gottes geboren wird und lebt. Eucharistie und Wort tragen uns, und für uns gehören sie zusammen.

[Das Interview führte Alexandre Ribeiro. Aus dem Portugiesischen übersetzt von Angela Reddemann]