Missionarischer Aufbruch in den Gemeinden: Rückblick auf die Österreichische Pastoraltagung 2008

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WIEN, 16. Januar 2008 (ZENIT.org).- Wenn wir Christen den Gott, der uns sein Gesicht gezeigt und sein Herz geöffnet hat: Jesus Christus, „den einzigen für alle gültigen Heilsmittler nennen, der alle angeht und dessen alle letztlich bedürfen, so ist dies keine Verachtung der anderen Religionen und keine hochmütige Absolutsetzung unseres eigenen Denkens, sondern es ist das Ergriffensein von dem, der uns angerührt und uns beschenkt hat, damit wir auch andere beschenken können“.



Mit diesen Worten Benedikts XVI. (vgl. Predigt am 8. September 2007 in Mariazell) ermutigte der Wiener Erzbischof Christoph Kardinal Schönborn in Salzburg die rund 350 Teilnehmer der diesjährigen Österreichischen Pastoraltagung (10. - 12. Januar) zur unerschrockenen Weitergabe des Glaubens. Die größte jährliche Bildungsveranstaltung der katholischen Kirche in Österreich widmete sich dem Thema „Missionarisch Kirche sein“.

Neben den Hauptreferaten, die auf die notwendigen Grundbedingungen und theologischen Grundlagen von Mission eingingen, wiesen die Vorstellungen der Aktion Offener Himmel, der Pfarrmissionen der Gemeinschaft Emmanuel und das Beispiel der Alpha-Kurse konkrete Wege zur Umsetzung des Evangelisierungsauftrags auf.

Der Koordinator des Alpha-Kurses in katholischen Pfarrgemeinden, Johannes Seidel, betonte gegenüber ZENIT, dass es nun darum gehe, in verantwortlicher Weise das theologisch Reflektierte zu einer Lebenshaltung zu machen und besonders auch in den Pfarrgemeinden in die Tat umzusetzen.

Dr. Hadwig Müller aus Aachen hatte am ersten Tag der Veranstaltung das Thema „Mission: Öffnung für die Freundschaft Gottes mit den Menschen“ in den Blick genommen, während Dr. Arnd Bünker aus Münster „Mission als Leidenschaft Gottes und der Kirche für die Welt“ vorstellte. Bischof Dominique Rey aus Grejus-Toulon (Frankreich) hatte im dritten und letzten Vortrag den Weg zur missionarischen Diözese skizziert.

Die beiden Hauptreferenten des zweiten Tages waren Professorin Dr. Regina Polak aus Wien – sie erörterte die Frage nach dem „Missionsland Österreich“ – und Professor Dr. Franz Weber aus Innsbruck, der von missionarischen Initiativen der Kirchen des Süden berichtete, die Vorbildcharakter haben könnten (wie etwa die „small christian communities“, die das Pfarrleben der Kirche in Afrika zu befruchten vermögen).

Bei der von Dr. Wolfgang Müller vorgestellten Aktion „Offener Himmel“ im Erzbistum Salzburg handelt es sich nach Worten von Johannes Seidl um einen „ersten Schritt“ der Konkretisierung von Mission. Es geht dabei vor allem darum, die Grundatmosphäre und den Raum für eine religiöse Auseinandersetzung zu schaffen und das Christsein sichtbar zu machen, und zwar durch verschiedenste punktuelle Aktionen wie künstlerische Darbietungen und Straßenmissionen.

Ziel und Methode der Pfarrmissionen, die Otto Neubauer, Mitglied der Gemeinschaft Emmanuel, näher erläuterte, zielen auf die Umsetzung der Evangelisation im Raum der Pfarrgemeinden ab.

Neubauer, der das Wiener Institut für Evangelisation leitet, erinnerte in seinem Vortrag unter anderem an die Früchte der Wiener Standmission 2003, wo rund 1.500 Missionsveranstaltungen 200.000 persönliche Kontakte ermöglicht hatten. Die 40 Pfarrmissionen, die die Gemeinschaft Emmanuel in den letzten 15 Jahren in Deutschland und Österreich (vgl. Gemeindemission) initiiert und begleitet haben, zielten auf die Glaubenserneuerung aus der persönlichen Begegnung mit Christus ab und die Entwicklung eines missionarischen Gemeindelebens.

„Die Pfarrmissionen sollen den Mitgliedern der Pfarrgemeinde helfen, ihre missionarische Grundberufung als getaufte Christen zu beleben und weiterzuentwickeln“, so Neubauer. Die Pfarreien würden so zu „offenen Orten der Begegnung“ werden, zu „dienenden Gemeinden für die Welt“.

Der Aufbau des eigenen missionarischen Betätigungsfeldes erfolge im Wesentlichen auf der Basis von zwei Grundrichtungen. „Erstens: Die Kirche macht sich auf den Weg zu den Menschen“ (Hausbesuche, Hauskreise, Schulbesuche, Krankenbesuche, Veranstaltungen in Banken, Diskotheken, Geschäften usw.). Zweitens: Die Menschen werden eingeladen“ („Offene Kirche“, Gottesdienste, Orte der Anbetung, Aussprache, Beichte, große Gebetstreffen, Abende der Barmherzigkeit usw.).

In diesem Zusammenhang ist der Alpha-Kurs, wie Johannes Seidel gegenüber ZENIT erklärte, „ein konkretes Instrument, um den Glauben in der Pfarrei weiterzugeben und selbst im Glauben zu wachsen“. Der Alpha-Kurs sei für die Pfarrgemeinde ein dauerhaft offenes Tor für die vielen Menschen, die dem Glauben an Jesus Christus und der Kirche äußerlich oder auch innerlich fern stünden. Für das einladende Team aus der Pfarrei könne der Kurs eine Schule der dienenden Haltung sein und einer Evangelisation, die die Würde und Freiheit des anderen ernst nimmt. „Die Pastoraltagung in Salzburg hat durch das Aufzeigen von theologischen Kriterien meinen Blick auf unser missionarisches Tun geschärft.“

Johannes Seidel und sein Kollege Lorenz Erlbacher, der Leiter der Alpha-Kurse in Österreich, zeigten sich vom Beispiel des Bischofs Dominique Rey aus Grejus-Toulon (Frankreich) herausgefordert, das auch in unsere Kultur umzusetzen sei. Der Hirte berichtete von missionarischen Initiativen und Erfahrungen in einem entchristlichten Umfeld, von Einsätzen in Cafés und Diskotheken aus seiner Zeit als Pariser Pfarrer, und von der Arbeit der rund 40 Geistlichen Gemeinschaften in der Diözese Toulon. Im Gespräch erzählte er von den vielen Pfarren seines Bistums, in denen „Pfarrzellen“ nach dem Modell der Mailänder Pfarrei Sant’ Eustorgio enstanden sind: Zellen oder kleine geistliche Familien, die in das Leben der Pfarrgemeinde eingebunden sind und es tragen.

„Die Pfarrei wird auf Dauer keinen Bestand haben, wenn sie nicht aus kleinen geistlichen Familien besteht“, kommentierte Seidel. „Sie braucht diese kleinen Zellen, in denen man den Glauben persönlich erfährt, in denen man menschlich und geistlich wachsen kann.“ Die Begegnungen in diesen kleinen Gruppen zeichneten sich dadurch aus, „dass man wirklich als Christen zusammenkommt und die Gegenwart Gottes erfährt. Ein Kennzeichen dieser Zellen, wie ich es in Mailand erlebt habe, ist der konkrete Dienst an den Menschen der unmittelbaren Umgebung.“

Von Dominik Hartig