Mit acht Jahren verheiratet, mit acht Jahren gestorben

Die grausame Geschichte der kleinen Rawan und vieler anderer zwangsverheirateter Mädchen

Rom, (ZENIT.org) Britta Dörre | 508 klicks

Die Geschichte der achtjährigen Rawan hat die ganze Welt erschüttert. Das kleine Mädchen aus Jemen war von seiner Familie mit einem vierzigjährigen Mann verheiratet worden und nach dem Vollzug der Hochzeitsnacht verstorben. Leider ist die kleine Rawan kein Einzelfall.

Der Bericht des „Human Rights Watch“ aus dem Jahr 2011 teilt mit, dass im Jemen 14 Prozent aller Mädchen unter fünfzehn Jahren und 52 Prozent unter achtzehn Jahren verheiratet werden. Der Ehemann ist in der Regel ein erwachsener Mann; nur in wenigen Fällen handelt es sich ebenfalls um einen Minderjährigen.

Hauptgrund für die Verheiratung minderjähriger Mädchen sind soziale Probleme. Die Familien können mit dem Verkauf ihrer Tochter Schulden begleichen und die Zahl der zu ernährenden Familienmitglieder auf grausame Weise reduzieren, wie Valentina Colombo ausführlich für Zenit berichtete. Keinen ausreichenden Schutz erfahren die Opfer durch die Gesetzgebung; entweder werden die Gesetze nicht angewandt, oder sie sind nicht wirklich durchgreifend.

Die 21jährige Aktivistin Hend Nasiri will deshalb Reformen durchsetzen. Ziel ist es, das Mindestalter von 18 Jahren für die Schließung einer Ehe einzuführen. Bislang sieht der Gesetzestext keine entsprechende Altersbeschränkung vor. Kleine Mädchen können deshalb weiter problemlos verheiratet werden und das Schicksal der kleinen Rawan erleiden. Der Anwalt der „Vereinigung der jemenitischen Frauen“, Nishwan Hammoud al-Barida, veröffentlichte einen Artikel mit dem vielsagenden Titel „Die Ehe der Mädchen in Jemen ist ein Verbrechen, das einer gesetzlichen Regelung bedarf“. Der Autor unterstreicht in seinem Artikel, dass die Verheiratung von Mädchen nicht mit dem Islam vereinbar sei und sich jeder Vater, der zuwider handle, vor dem Gesetz strafbar mache. Als Argument für die Zwangsverheiratung wird von den Befürwortern das Beispiel Mohammeds angeführt, der die erst sechsjährige A’isha geheiratet und die Ehe mit ihr vollzogen habe, als sie neun Jahre alt gewesen sei.

Nishwan Hammoud al-Barida fordert deshalb die Gleichberechtigung der Geschlechter, ein Mindestalter von achtzehn Jahren für die Eheschließung, vor allem für die Frauen, den Schutz der Kinder und einen Monatsbeitrag für Mädchen, die Gefahr laufen, aus sozialen Gründen verheiratet zu werden. Gesetzlich müssten das Recht auf Bildung und eine Schulausbildung garantiert werden, um die Kultur und die Tradition der grausamen Praxis auszuhebeln. Die Aktivistin Nasiri erzählt, dass sich in einer der letzten Aktionen gegen Gewalt, Vergewaltigung, sexuelle Übergriffe und Gewalttaten sich Männer und Frauen versammelt und Plakate mit sich geführt hätten, mit denen sie eine gesetzliche Regelung gegen die Verheiratung von Mädchen gefordert hätten. „Die Ehe mit kleinen Mädchen ist legalisierter sexueller Missbrauch“, so Nasiri.

Die Aktivisten ließen sich mit ihren Plakaten fotografieren. „Solche Initiativen sind wichtig, verdienen Unterstützung und einen Friedensnobelpreis“, bekräftigt Nasiri, die weiter mit vielen anderen für Gleichheit und Gerechtigkeit kämpft, damit eines Tages jemenitische, afghanische und viele andere Mädchen in einem Staat leben können, in dem die Menschenrechte respektiert werden. Ihr Kampf ist gleichzeitig ein Denkmal für all die kleinen Leben, denen grausam ihre Kindheit und ihr Leben entrissen wurden.