Mit dem Krieg ist alles zerstört!

Weihbischof von Jerusalem, Msgr. William Shomali, über die Lage im Heiligen Land

Rom, (ZENIT.org) Britta Dörre | 295 klicks

Der Weihbischof von Jerusalem, Msgr. William Shomali, berichtete ZENIT in einem Interview über die dramatische Lage im Heiligen Land.

Der gewaltsame Konflikt sei, so Msgr. Shomali, das Ergebnis der Ermordung der drei jüdischen Jugendlichen. Die Regierung Netanyahu sehe die Täter in der Hamas und habe deshalb zahlreiche Verhaftungen vornehmen lassen. In Shufat, einem Quartier in Jerusalem, sei ein palästinensischer Jugendlicher von israelischen Bewohnern entführt und lebend verbrannt worden. Dadurch sei eine Welle der Gewalt ausgelöst worden. Das israelische Heer habe Stellungen der Hamas und des Jihad in der Gaza-Zone angegriffen, Hamas und Jihad hingegen hätten Siedlungen in der Nähe von Haifa, Tel Aviv und Jerusalem beschossen.

Hauptgrund für die gewaltsamen Auseinandersetzungen sei aber das Scheitern des Friedensprozesses im April. Monatelange, intensive Bemühungen hätten leider nicht die erwarteten Früchte getragen. Deshalb seien die Palästinenser verzweifelt. Gleichzeitig setzten die Israelis ihre Baumaßnahmen fort, was von palästinensischer Seite als „casus belli“ verstanden werde.

Msgr. Shomali betonte, dass der Besuch des Papstes viele Hoffnungen geweckt habe, die aber nach dem Scheitern der politischen Verhandlungen enttäuscht worden seien. Das von Papst Franziskus anberaumte Gebet in den Vatikanischen Gärten mit dem israelischen und palästinensischen Präsidenten sei ein wichtiger Beitrag, da das Gebet immer helfe. Tief hätten ihn die Worte des Papstes beeindruckt, dass der Friede viel mehr Mut erfordere als der Krieg. Es bedürfe Mut zur Begegnung. Der Papst habe verdeutlicht, dass Verhandlungen allein nicht ausreichten, sondern dass man zu Gott für den Frieden beten müsse.

Leidtragende des Konflikts seien vor allem die Kinder und Jugendlichen, die in einem Klima des Hasses und der Angst aufwüchsen. Beide Parteien gäben einander die Schuld. Deshalb sei es wichtig, den Kindern und Jugendlichen Werte wie Gerechtigkeit, Frieden und Wiedervereinigung zu vermitteln. Außerdem seien konkrete Schritte erforderlich: Würde für die Palästinenser sowie Sicherheit und Anerkennung für die Israelis. Besonders beeindruckt zeigte sich Msgr. Sholami von der Erklärung während der Begegnung der Vertreter verschiedener Glaubensrichtungen im Großrabbinat, dass das Leben ein Geschenk Gottes sei und das Leben der Juden und Palästinenser dieselbe Würde habe.

Dem Teufelskreislauf der Gewalt, dem Erwachsene und Jugendliche gleichermaßen erlägen, müsse ein Ende gesetzt werden, so Msgr. Shomali. 

Palästinensische und israelische Christen erlebten und litten unter der Situation wie alle anderen Bewohner des Gebiets. Sie beteten für den Frieden und befürchteten eine Verschlechterung der Situation, die soziale und wirtschaftliche Probleme nach sich zöge. Unter den Christen sei die Versuchung besonders groß auszuwandern. Es sei schwierig, sie davon zu überzeugen, dass das Leben hier eine Berufung sei.

Msgr. Sholami erklärte, mit dem Gebet und humanitärer Hilfe den Menschen beizustehen. Im Augenblick jedoch könne das lateinische Patriarchat von Jerusalem nichts für die Menschen in Gaza tun außer täglich zu telefonieren und nach den jüngsten Nachrichten zu fragen. Sicher sei, dass weder die israelische noch die palästinensische Regierung eine dritte Intifada wollten. In diesem Fall gäbe es keinen Sieger. Schon jetzt hätten Pilger ihre Reisen storniert. Es werde lang dauern, bis der Touristenstrom wieder einsetze. Bis dahin könne man nur beten.

Auch Papst Franziskus hatte nach dem Angelus erneut zu einem Gebet für den Frieden im Heiligen Land aufgerufen: „Im Lichte der tragischen Entwicklungen der letzten Tage richte ich an euch alle den gramerfüllten Appell, weiterhin inständig für den Frieden im Heiligen Land zu beten. Mein Geist ist noch erfüllt von der lebendigen Erinnerung an die Begegnung mit dem Patriarchen Bartholomäus und den Präsidenten Peres und Abbas vom vergangenen 8. Juni, mit denen ich um das Geschenk des Friedens gebeten und den Aufruf vernommen habe, die Spirale des Hasses und der Gewalt zu durchbrechen. Man könnte denken, dass dieses Zusammentreffen nutzlos gewesen sei. Doch das stimmt nicht! Das Gebet hilft uns dabei, uns nicht vom Bösen zu besiegen zu lassen und uns damit abzufinden, dass die Gewalt und der Hass stärker sind als der Dialog und die Versöhnung. Ich ermahne die beteiligten Parteien und alle politischen Verantwortungsträger auf lokaler und internationaler Ebene, das Gebet und keine Anstrengungen zu vermeiden, um alle Feindseligkeiten zu beseitigen und den erhofften Frieden zum Wohle aller zu erlangen. Ebenso lade ich euch alle dazu ein, euch im Gebet zu vereinen. Lasst uns alle im Stillen beten. (stilles Gebet). Jetzt, Herr, hilf uns du! Schenke uns den Frieden, lehre du uns den Frieden, führe du uns zum Frieden. Öffne unsere Augen und unsere Herzen und schenke uns den Mut zu sagen: 'Nie wieder Krieg!', 'Mit dem Krieg ist alles zerstört!'. Gieße in uns den Mut aus, diese konkreten Gesten zu tun, um den Frieden aufzubauen. Mach uns bereit, den Schrei unserer Mitbürger zu hören, die von uns fordern, unsere Waffen in Werkzeuge des Friedens, unsere Ängste in Vertrauen und unsere Spannungen in Vergebung zu verwandeln! Amen.“