Mit Papst Franziskus ist jeder Tag eine Überraschung

Der Stil und die Art des neuen Papstes führen zu gesunder Unruhe im Vatikan

Rom, (ZENIT.org) Antonio Gaspari | 1517 klicks

Heute schien der Pressesaal des Vatikans leer. Der Großteil der TV-Stationen und der Journalisten aus aller Welt hat Rom wieder verlassen. Nach mehr als einem Monat voller Überraschungen nach dem Verzicht Benedikts XVI. bis zur Wahl des neuen Papstes Franziskus scheint die Sehnsucht nach Normalität zu überwiegen.

Papst Franziskus ist äußerst dynamisch, und schon von Anfang an führt er das Pontifikatsamt, das mit solchen täglichen Veränderungen beginnt, dass es dauerhaft in Erstaunen versetzt.

Gestern bat der Heilige Vater, den Raum des päpstlichen Appartments zu verkleinern, da es zu groß für seine Bedürfnisse sei. „Hier finden 300 Personen Platz“, habe er gesagt.

Die Linie der Einfachheit und der Dienst als „Diener der Diener“ wird sein Pontifikat auszeichnen. Die Vertreter der anderen Kirchen empfing er auf einem einfachen Stuhl sitzend, seitdem er den Thron entfernen ließ.

Er trägt weiterhin schwarze Schuhe, die nach Aussagen einiger ein Geschenk einer Witwe seien als Erinnerung an den verstorbenen Ehemann. Für die Zeremonie am Gründonnerstag, an dem die Fußwaschung durch den Papst vorgesehen ist, wird Franziskus die Messe im Jugendgefängnis von Casal di Marmo abhalten. Der Nachfolger Petri wird also die Füße junger Gefängnis-Insassen waschen; es handelt sich um eine Handlung, die er bereits als Kardinal am Gründonnerstag jedes Jahr in Buenos Aires vollzog.

Die ganze Welt fragt sich, wer wirklich Papst Franziskus ist. Sein menschliches und spirituelles Zeugnis sind beeindruckend, ein wahrer Apostel Christi.

In diesem Zusammenhang ist es interessant zu sehen, welches die Lieblingsfilme, -bücher und –kunstwerke des neuen Papstes sind. Außer den schon bekannten Leidenschaften für den Fußball und den Tango zählt der Heilige Vater zu einem seiner Lieblingsfilme „Babettes Fest“, 1987 als bester ausländischer Film mit einem Oskar ausgezeichnet.

Der Film, mit Drehbuch und Regie von Gabriel Axel, basiert auf der gleichnamigen Erzählung Karen Blixens und wurde besonders von der ökumenischen Jury beim 40. Festival von Cannes erwähnt.

Was die Literatur betrifft, scheint Papst Franziskus von der„Göttlichen Komödie“ begeistert, und Dante Alighieri ist sein Lieblingsdichter, und zwar so, dass er, als er Literatur unterrichete, intensive Vorlesungen über die „Göttliche Komödie“ abhielt. Ein weiteres sehr von ihm bevorzugtes Buch ist „Die Verlobten“ von Alessandro Manzoni. Angesichts seiner italienischen Herkunft scheint der Papst gut die Geschichte und italienische Literatur zu kennen.

Unter den Dichtern bevorzugt der Papst besonders Johann Christian Friedrich Hölderlin, einen deutschen Dichter, der als einer der bedeutendsten der Weltliteratur betrachtet wird. Bei verschiedenen Gelegenheiten drückte Bergoglio auch seine Begeisterung für Fedor Dostojewski, John Ronald Reuel Tolkien und Jorge Luis Borges aus.

Der Papst ist außerdem ein großer Musikliebhaber, nicht nur der klassischen Musik. Sein Lieblingskomponist scheint Ludwig van Beethoven. Was die Kunst betrifft, ist das von Papst Franziskus bevorzugte Bild die „Weiße Kreuzigung“ von Marc Chagall (ZENIT berichtete). In dem Bild trägt Christus eine Tunika in den Farben Israels, und es ist offensichtlich ein Hinweis auf die Judenverfolgung.