Mit seiner ersten Enzyklika möchte der Papst dem Wort \"Liebe\" seine wahre Bedeutung zurückgeben

Ansprache bei einem Kongress zum Thema \"Caritas\" im Vatikan

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ROM, 23. Januar 2006 (ZENIT.org).- Die erste Enzyklika Benedikts XVI. ist der Versuch, der wahren Bedeutung des Wortes \"Liebe\" neuen Glanz zu verleihen.



Anlässlich der zweitägigen internationalen Tagung zum Thema \"Doch am größten unter ihnen ist die Liebe\" (1 Kor 13,13), die heute, Montag, im Vatikan begonnen hat, sprach der Heilige Vater ausführlich über den Inhalt seiner Enzyklika \"Deus caritas est\", die am Mittwoch offiziell vorgestellt wird.

\"Das Wort \'Liebe\' ist heute so verschlissen, abgenutzt und missbraucht worden, dass man fast Angst hat, es in den Mund zu nehmen. Und dennoch ist dieses Wort von grundlegender Bedeutung, Ausdruck einer höchst wichtigen Wirklichkeit\", betonte der Heilige Vater vor rund 200 Kongressteilnehmern aus aller Welt. Er fuhr fort, dass man dieses Wort nicht einfach aufgeben dürfe, sondern es vielmehr \"aufgreifen, reinigen und ihm seinen ursprünglichen Glanz zurückgeben\" müsse. Dann könne es das Leben des Menschen erleuchten und ihm helfen, \"ein rechtes Leben zu führen. Dieses Bewusstsein hat mich dazu veranlasst, die Liebe zum Thema meiner ersten Enzyklika zu machen.\"

In seiner Ansprache ging Benedikt XVI. auf die zentralen Aussagen seines mit Spannung erwarteten programmatischen Lehrschreibens ein, in dem \"Gott\", \"Christus\" und \"Liebe\" die bestimmenden Themen sind. Anhand dieser drei \"Hauptleitfäden des christlichen Glaubens\" möchte der Papst \"die zentrale Bedeutung des Glaubens an Gott hervorheben – diesen Gott, der ein menschliches Gesicht und ein menschliches Herz angenommen hat. Der Glaube ist nicht eine Theorie, die man sich aneignen oder die man vernachlässigen könnte; er ist vielmehr etwas ganz Konkretes: Er ist das Kriterium, das über unseren Lebenswandel entscheidet.\"

In der heutigen Zeit, in der Feindseligkeit und Habgier zu den vorrangigen Triebfedern geworden sind und in der man erleben müsse, \"wie die Religion so sehr missbraucht wird, dass aus ihr sogar die Apotheose des Hasses wird; in einer solchen Zeit ist die Rationalität aus sich selbst heraus nicht imstande, uns zu schützen. Wir brauchen den lebendigen Gott, der uns bis zum Tod geliebt hat.\"

Das päpstliche Rundschreiben, das mit rund 50 Seiten kürzer sein wird als die Enzykliken Johannes Pauls II., analysiert zunächst den \"Eros\", jene Dimension der Liebe, die sich aus der gegenseitigen Anziehungskraft von Mann und Frau ergibt und ihren Ursprung in der Güte des allmächtigen Schöpfers hat. Dieser \"Eros\" müsse nach und nach zur \"Agape\" umgeformt werden, betonte der Papst – \"zu dieser Liebe zum anderen, in der man nicht mehr sich selbst sucht; zur Liebe, die zur Sorge um das Wohl des anderen wird und zur Bereitschaft, sich für den anderen hinzugeben; zur Liebe, die sich gegenüber dem Geschenk neuen menschlichen Lebens öffnet.

Die christliche \'Agape\', die Liebe zum Nächsten in der Nachfolge Christi, ist nicht etwas Fremdes, das den \'Eros\' beiseite schieben würde oder gar gegen ihn gerichtet wäre, im Gegenteil: mit seiner Selbsthingabe aus Liebe zum Menschen hat uns Christus eine neue Dimension erschlossen – eine Dimension, die sich in der Geschichte der karitativen Hingabe der Christen an die armen und leidenden Menschen immer mehr entfaltet hat.\"

Jede karitative Einrichtung sollte daher \"den lebendigen Gott sichtbar machen\". Und man brauche keine falsche Scheu haben, sondern könne Begriffe wie \"Gott\" und \"Christus\" als etwas völlig Selbstverständliches durchaus öfter in den Mund nehmen, \"denn in Wirklichkeit verweisen sie ja auf die Quelle, aus der die kirchliche Caritas hervorgeht. Die Wirksamkeit der \'Caritas\' hängt von der Glaubenskraft all ihrer Mitglieder und Mitarbeiter ab.\"

Abschließend stellte Benedikt XVI. klar, dass der karitative Einsatz des Christen einen Sinn hat, \"der weit über die bloße Philanthropie hinausgeht. Gott selbst ist es, der uns in unserm Inneren dazu antreibt, das Elend in der Welt zu lindern. Und auf diese Weise bringen wir ihn, Gott selbst, in die Welt. Je bewusster und klarer wir ihn als Geschenk bringen, desto wirkungsvoller wird unsere Liebe die Welt verwandeln und in ihr Hoffnung erwecken: eine Hoffnung, die über den Tod hinausgeht.\"