Mitglieder der Fokolar-Bewegung wählen Nachfolgerin von Chiara Lubich

Generalversammlung in Rocca di Papa bei Rom

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ROM, 1. Juli 2008 (ZENIT.org).- Die Fokolar-Bewegung wird im Rahmen ihrer Generalversammlung vom 1. bis zum 31. Juli die Nachfolgerin von Chiara Lubich bestimmen, die im März dieses Jahres im Alter von 88 Jahren gestorben ist. Lubich hatte die Bewegung seit der Gründung 1943 geleitet – 65 Jahre lang.



„Mit dem Tod von Chiara Lubich müssen wichtige Leitungsfunktionen in der Fokolar-Bewegung neu besetzt werden. Dazu findet vom 1. bis 31. Juli 2008 eine Generalversammlung statt. Sie setzt sich zusammen aus den noch amtierenden Mitgliedern des Generalrats der Bewegung, den Verantwortlichen der verschiedenen Zweige und Gruppierungen, den jeweils zwei Verantwortlichen aus den Regionen der Fokolar-Bewegung in aller Welt und einer gewissen Anzahl an regional zu wählenden Wahlmännern und Wahlfrauen. Angehörige der Fokolar-Bewegung aus verschiedenen nicht-katholischen Kirchen, aus anderen Religionen und ohne religiösen Bezug sind als Beobachterinnen und Beobachter zur Teilnahme an der Generalversammlung geladen“, heißt es in einer entsprechen Presseerklärung.

Die Versammlung werde die Präsidentin, den Ko-Präsidenten und die mindestens 30 Beraterinnen und Berater im Generalrat wählen. „Dass an der Spitze der Fokolar-Bewegung immer eine Frau steht, hat Papst Johannes Paul II. in einer Audienz für Chiara Lubich 1985 ausdrücklich gutgeheißen. Er wies damals darauf hin, dass sich nach dem Theologen Hans Urs von Balthasar bereits in der Urkirche vier Profile feststellen lassen: das petrinische, das johanneische, das paulinische und das marianische. In der Fokolar-Bewegung sah er – nicht zuletzt durch eine weibliche Präsidentschaft - das marianische Profil der Kirche in besonderer Weise lebendig.“

Die Amtszeit der Präsidentin, des Ko-Präsidenten und der Beraterinnen und Berater beträgt maximal zwei Perioden, also höchstens zwölf Jahre. Mit der Wahl einer neuen Präsidentin erlöschen alle von ihr per Ernennung zu besetzenden Leitungsfunktionen. So sind insbesondere alle Verantwortlichen in den Regionen neu zu bestimmen.

Die Fokolar-Bewegung umfasst weltweit mehr als zwei Millionen Freunde, davon 141.400 in festen Gruppen. In Deutschland sind es 37.000 Freunde, von denen knapp 5.000 zum Mitarbeiterkreis zählen.

Chiara Lubich wurde am 22. Januar 1920 in Trient geboren. Ihren Taufnamen Silvia hat sie 1943 durch Chiara ersetzt, als sie das Gelübde für ein geweihtes Leben im dritten Orden der Franziskaner ablegte. Schon in ihrer Familie wurde Chiara mit der Auseinandersetzung zwischen Christentum und Marxismus konfrontiert: Ihre Mutter war überzeugte Christin, ihr Vater Sozialist, ihr Bruder Redakteur bei der kommunistischen Zeitung L'Unità und zur Zeit des italienischen Faschismus Partisan.

Chiara Lubich wurde zunächst 1938 Volksschullehrerin. Sie unterrichtete anschließend in verschiedenen Trentiner Dörfern und begann an der Universität Venedig das Studium der Philosophie. Eine Beendigung des Studiums war aufgrund des Kriegswirren nicht möglich.

Geprägt durch die Erlebnisse des Krieges und ihr stark ausgeprägtes christliches und gesellschaftliches Verantwortungsbewusstsein, gründete sie 1943 die Fokolar-Bewegung, deren Präsidentin sie bis zu ihrem Tod war. Sie erwarb große Anerkennung durch ihre Bemühungen um die Ökumene und den interreligiösen Dialog. Für ihr Werk wurden ihr eine Vielzahl von internationalen Preisen und Ehrendoktoraten verliehen, unter anderem der Unesco-Preis für Friedenserziehung 1996 oder der Menschenrechtspreis des Europarates 1998.

Papst Benedikt XVI. schrieb in seinem Telegramm zum Tod von Chiara Lubich: „Ich danke dem Herrn für das Zeugnis ihres Lebens, das sie im Hinhören auf die Bedürfnisse des modernen Menschen vebracht hat, in vollkommener Treue zur Kirche und zum Papst. Und während ich ihre Seele der göttlichen Güte anheimstelle, damit sie im Schoß des Vaters willkommen geheißen werde, hoffe ich, dass diejenigen, die sie kennen gelernt haben und ihr begegnet sind, im Staunen über die Wunder, die Gott durch ihren missionarischen Eifer gewirkt hat, in ihre Fußspuren treten mögen und ihr Charisma am Leben erhalten.“

Von Dominik Hartig