Monatlich 50.000 Vertriebene mehr: UNHCR will Hilfe für Irak-Flüchtlinge deutlich aufstocken

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GENF/WIEN, 8. Januar 2007 (ZENIT.org).- Das UN-Flüchtlingshochkommissariat UNHCR hat heute einen dringenden Finanzierungsaufruf für ein neues Hilfsprogramm von 60 Millionen US-Dollar an die Geberstaaten gerichtet. Diese Sondermittel sollen Hunderttausenden von Vertriebenen des Irak-Konflikts in Syrien, Jordanien, Ägypten, im Libanon und in der Türkei zugute kommen sowie Vertriebenen im Irak selber, darunter auch vielen Palästinensern.



UNHCR geht aufgrund der anhaltenden Gewalt von weiteren massiven Fluchtbewegungen aus – mit Folgen für die ganze Region. Der aktuelle Exodus stelle die größte längerfristige Fluchtbewegung im Nahen Osten seit der Vertreibung der Palästinenser nach der Gründung Israels 1948 dar, heißt es in dem Aufruf. Jeder achte Iraker sei derzeit auf der Flucht; immer mehr Menschen müssten fliehen. Im vergangenen Jahr, so schätzt UNHCR, sind 500.000 Iraker im eigenen Land geflohen, jeden Monat kommen bis zu 50.000 dazu.

„Je länger dieser Konflikt dauert, desto schwieriger wird die Lage der Hunderttausenden Vertriebenen und der Gemeinden, die ihnen innerhalb und außerhalb des Irak versuchen zu helfen“, sagte UN-Flüchtlingshochkommissar António Guterres. „Die Belastung für Aufnahmeländer und Regierungen in der Region ist gewaltig. Es kommt jetzt darauf an, dass die internationale Gemeinschaft die humanitären Bemühungen unterstützt und so den am stärksten Betroffenen hilft.“

Ein bedeutender Anteil der vertriebenen Iraker, so betont der UNHCR-Aufruf, ist so stark betroffen, dass sie beziehungsweise ihre Aufnahmegemeinden bereits oder demnächst mittellos sind. Zudem häuften sich Berichte über Zwangsprostitution und Probleme mit Kinderarbeit. UNHCR will daher besonders gefährdete Personengruppen registrieren und gezielt unterstützen. Die Regierungen mancher Aufnahmeländer sind nicht in der Lage, den Irakern die grundlegenden soziale Dienste zu bieten. In Syrien etwa gehen 30 Prozent der irakischen Kinder nicht in die Schule. Trotz der Gefahren für humanitäre Helfer im Irak ruft UNHCR auch dazu auf, die am ärgsten Betroffenen der im Land Vertriebenen durch lokale Organisationen gezielt zu unterstützen.

1,7 Millionen Iraker dürften derzeit in ihrer Heimat (Gesamtbevölkerung von 26 Millionen Menschen) entwurzelt sein. Bis Ende 2007 rechnet UNHCR mit 2,3 Millionen Binnenvertriebenen. Nach Schätzungen leben in Syrien bereits bis zu einer Million Irak-Flüchtlinge, in Jordanien 700.000, bis zu 80.000 in Ägypten sowie bis zu 40.000 im Libanon.

Benedikt XVI. hatte in seiner Weihnachtsbotschaft 2006 einen Appell an diejenigen gerichtet, „die das Schicksal des Irak in Händen haben“. Er rief sie dazu auf, sich mit allen Mitteln dafür einzusetzen, „dass die grausame Gewalt, die das Land mit Blut überzieht, ein Ende nehme und einem jeden Bewohner ein normales Leben gewährleistet werde“.

Am Neujahrstag erneuerte der Heilige seine „Bitte um Frieden an die Regierenden und die Verantwortlichen der Nationen und der internationalen Einrichtungen sowie an alle Männer und Frauen guten Willens“. In seiner Ansprache zum Angelus-Gebet verwies er damals auf seine Botschaft zum Weltfriedenstag 2007, die sich dem Thema „Der Mensch, Herz des Friedens“ widmet. Nach Worten des Heiligen Vaters berührt dieses Dokument „einen wesentlichen Punkt: die Würde der menschlichen Person, die den Stützpfeiler des gesamten Gebäudes des Friedens darstellt. Gegenwärtig wird viel von Menschenrechten gesprochen, aber häufig vergisst man, dass sie ein stabiles Fundament brauchen, das nicht relativ oder diskutierbar ist. Und das kann nur die Würde der Person sein. Der Respekt vor dieser Würde beginnt bei der Anerkennung und beim Schutz des Menschenrechts, zu leben und in Freiheit die eigene Religion zu bekennen.“