Monsengwo: die Wahrheit an den Wahlurnen sichern

Der Erzbischof von Kinshasa fechtet die Ergebnisse der Präsidentschaftswahl am 28. November dieses Jahres an

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ROM, 16. Dezember 2011 (ZENIT.org). - In einer öffentlichen Erklärung vom 12. Dezember auf der Internetseite seiner Diözese zweifelte der Kardinal Erzbischof von Kinshasa, Laurent Monsenwo Pasinya, die Ergebnisse der Präsidentschaftswahlen an, die am 28. November dieses Jahres in der Demokratischen Republik Kongo (RDC, ehemals Zaire) stattfanden und bei der der bisherige Präsident, Joseph Kabila, zum Sieger erklärt worden war.  

Der Sohn des ehemaligen Rebellen und Präsidenten der RDC, Laurent-Désiré Kabila, der im Januar 2001 umgebracht wurde –, hat den vom CENI (Unabhängige Wahlkommission) verbreiteten Daten zufolge 48,95 Prozent der Stimmen (also 8.830.994) erlangt und schlug so mit einem weiten Vorsprung seinen Hauptgegenkandidaten, Etienne Tshisekedi, der nicht mehr als 32,33 Prozent (5.864.775) der Stimmen für sich erzielen konnte.

In Bezug auf die Schlussfolgerungen des Beobachtungskomitees des Wahlprozesses, der sich aus Delegierten der kongolesischen Kirche und nationalen und internationalen Beobachtern zusammensetzt, erklärte der Erzbischof der Hauptstadt, dass „es viele Hinweise gibt, die die Glaubwürdigkeit dieser Wahl ernsthaft in Frage stellen, wie es an zentraler Stelle durch einen Bericht nachgewiesen werden konnte“.

„Die Analyse der von CENI veröffentlichten Wahlergebnisse vom 9. Dezember 2011 zeigt eindeutig, dass es Gründe gibt annehmen zu können, dass sie weder mit der Wahrheit übereinstimmen noch gerecht sind“, erklärte der kongolesische Kardinal, der zur Überprüfung die Teilergebnisse mit den Gesamtergebnissen verglichen hatte.

„Wie lässt sich erklären, dass Herr Tshisekedi im Zeitraum zwischen dem 6. und 9. Dezember zuerst 5.927.728 von 17.329.137 abgegebenen Stimmen und später 5.863.745 von 18.144.154 abgegebenen Stimmen erhielt?", bemerkte der Kardinal. „Er verlor folglich 64.000 Stimmen, während die Stimmen weiterer 34.000 Wahllokale hinzukamen."

Trotz der erkennbaren Hinweise auf Wahlbetrug ermahnte Monsengwo die Opposition, sich nicht zu Gewalttaten hinreißen zu lassen. „Da die Ergebnisse zunächst vorläufig sind und noch vom obersten Gerichtshof geprüft werden müssen, bitten wir die Protestierenden, Berufung einzulegen und dem Rechtsweg zu folgen und sich nicht der Gewalt zu verschreiben. 18 Tote sind für die Wahlen zu viel!“

„In diesem Zusammenhang“, so Monsegno, „ist die Kirche moralisch dazu angehalten, ihre Hilfe zugunsten der Gerechtigkeit zu erheben und die Wahrheit an den Wahlurnen, wo ihre Beobachter anwesend waren, zu verteidigen. „Möge der Oberste Gerichtshof sich vom ganzen kongolesischen Volk im Namen des Gewissens angerufen fühlen“, schloss der Kardinal seine Erklärung.

In einem darauf folgenden Aufruf vom 3. Dezember dieses Jahres, forderte das permanente Komitee der Nationalen Bischofskonferenz des Kongo (CENCO) „das kongolesische Volk, die politischen Akteure und das CENI dazu auf, der Wahrheit an den Wahlurnen Respekt zu zollen“. In ihrem Aufruf baten die Bischöfe die Gewinner der Wahlen, sich außerdem „jeder Form des siegessicheren Gehabes zu enthalten“.

In der Erklärung sandte der CENCO dem kongolesischen Volk einen Aufruf „noch einmal Ruhe und Frieden zu wahren und jeden Rückfall in Gewalt zu vermeiden“.

Die Bischöfe wandten sich außerdem an das Heer und die nationale Polizei des RDC und ermahnten die Sicherheitskräfte „ihren unpolitischen und republikanischen Charakter zu bewahren“.

[Übersetzung aus dem Italienischen von Anna Finkbeiner]