Moratorium zur Abtreibung? Die Kirche hat die Absicht, in jedem Fall zu helfen

Von Armin Schwibach

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ROM/WÜRZBURG, 1. Februar 2008 (Die-Tagespost.de/ ZENIT.org).- Der Vikar der Papstes für die Diözese Rom im Fernsehen? Vielen Laizisten im ansonsten katholischen Italien stößt es bei der Idee immer leicht auf. Einer auf falschen Zahlen basierenden These nach nähme die Kirche in den Medien des Landes rund 30% der Zeit der Nachrichtensendungen ein. Dass dem nicht so ist, kann jeder kontrollieren, die die Zahl der Einschaltquoten und der damit verbundenen Themenverteilung der großen nationalen Nachrichtensendungen zur Hand nimmt.



Und doch kam es dann am vergangenen Montag zu einer Neuheit: Kardinal Camillo Ruini nahm an der Talk- und Informationssendung „Halb Neun“ teil, die vom nunmehr aufgrund seiner Forderung nach einem internationalen Moratorium für Abtreibung über die italienischen Grenzen hinaus bekannten Journalisten Giuliano Ferrara moderiert wird. Und um die von Ferrara auf neue Weise ins Rollen gebrachte Debatte um die Abtreibung, den Wert des Lebens, die Versklavung der Kleinen durch die willkürliche Macht der Großen ging es auch hauptsächlich in der Sendung.

Auf die Frage Ferraras, ob der Kardinal mit dem internationalen Moratorium für Abtreibung einverstanden wäre, antwortete Ruini eindeutig: „Hinsichtlich dieses Punktes können wir ganz einer Meinung sein.“ Und er fügte hinzu, dass in Italien – wie in den meisten anderen Ländern – die Abtreibung nicht per Gesetz auferlegt werden kann.

Die Debatte um das italienische Abtreibungsgesetz (das Gesetz 194 aus dem Jahr 1978) sieht Ruini in Verbindung mit der Forderung nach einem internationalen Moratorium. In erster Linie jedoch gehe es dabei um eine Revision des Gesetzes entsprechend der neuen Standards der medizinischen Wissenschaft sowie um eine Anwendung des Gesetzes in den Aspekten, in denen es den Schutz des ungeborenen Lebens betrifft.

Das Gesetz sei „in seinem Innern schlecht (intrinsece malum)“ wie jedes Gesetz, das die Tötung unschuldigen Lebens ermöglicht, so Ruini. Dennoch aber gehe es der Kirche Italiens nicht darum, zu einer Revolte gegen das Abtreibungsgesetz aufzurufen. Die Kirche betone, so Ruini, die Notwendigkeit, dass das Gesetz in dem Teil angewandt wird, der den Lebensschutz betrifft, dass „alles getan wird, um den Frauen zu helfen, ihr Kind anzunehmen“. Abtreibung ist für Kardinal Ruini „ein Drama: für die Frau, für den Mann, für die ganze Familie“. Die Kirche habe nicht die Absicht, zu Verfolgungen aufzurufen, sondern in jedem Fall zu helfen. Für den Sekretär der italienischen Bischofskonferenz Bischof Giuseppe Betori muss das Moratorium zur Abtreibung auf verschiedenen Ebenen betrachtet werden. An erster Stelle bedeute dies, dass der Schutz des ungeborenen Lebens in die allgemeine Menschenrechtserklärung eingefügt werden muss. So müsse in allen internationalen Institutionen für ein Nein zur Abtreibung gekämpft werden. Dies gelte vor allem für die Länder, in denen die Abtreibung als ein Mittel der Familienplanung eingesetzt werde.

[© Die Tagespost vom 31. Januar 2008]