Moratorium zur Abtreibung: Unterstützung aus Indien und Korea

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ROM, 10. Januar 2008 (ZENIT.org).- Der Vorschlag, nach dem UN-Beschluss des Moratoriums zur Todesstrafe ein internationales Moratorium zur Abtreibung in Angriff zu nehmen, beginnt weltweite Wellen zu schlagen, die über die Grenzen der Religionen und Konfessionen hinausgehen.

Zu Beginn dieses Jahres hatte der italienische Journalist und Direktor der Zeitung „Il Foglio“ einen dringenden Appell an die säkulare Welt gerichtet, um den Skandal der Abtreibung ins Gewissen zu rufen, der mittlerweile die Ausmaße eines Völkermordes angenommen hat (vgl. ZENIT vom 8. Januar 2008).

Ferrara ist es gelungen, als säkularer Denker mit seinem nicht konfessionsgebundenden Vorschlag die Ära einer neuen „Bewegung für das Leben“ einzuläuten. Die Absicht des Journalisten, der die politische und kulturelle Welt Italiens aus einem Schlaf geweckt und weit über die nationalen Grenzen hinaus Gehör gefunden hat, besteht nicht darin, religiöse Argumente vorzubringen. Sein Anspruch an die Intellektuellen und die Zivilgesellschaft ist bedeutend größer: Es soll zu einem Nachdenkprozess kommen, der nach dem technoszientistischen Welt- und Menschenbild, in dem das Tunkönnen des Menschen dessen maximale Macht über das Sein zum Ausdruck bringt, zu einem auf der erweiterten Vernünftigkeit des Menschlichen basierenden erneuerten Bewusstsein von der Welt und der Stellung des Menschen in ihr führt.

Die grundlegend neue Idee des internationalen Abtreibungsmoratoriums und der Erweiterung der Allgemeinen Menschenrechtserklärung, deren 60. Jahrestag 2008 begangen wird, besteht in ihrer vernunftgegründeten Annehmbarkeit. Ferrara geht es nicht darum, undifferenziert Abtreibungsgesetzgebungen anzugreifen oder deren einfache „Abschaffung“ einzufordern.

Er beabsichtigt vielmehr eine „Kulturrevolution“: Abtreibung soll für das allgemeine kulturelle Bewusstsein ihren Status eines (vermeintlichen) „Rechts“ der Frau und des positiven Ergebnisses der Frauenbewegung der letzten Jahrzehnte als eines der Elemente der „verantwortlichen Fortpflanzung“ verlieren und im öffentlichen zivilen Bewusstsein wieder zu dem werden, was sie von jeher ist: eine unannehmbare Tötung von Menschenleben.

Die Frage des Lebens und die Anerkennung seiner Schutzwürdigkeit, weil es einfachhin menschliches Leben ist, das als solches einen für den einzelnen und die Gemeinschaft sakralen Charakter besitzt, soll zu einer der Grundlagen der Neubesinnung der kulturellen Identität der Menschheit werden.

Die Welt soll geschlossen gegen die Abtreibung stehen: Dies ist nach der Kirche in Indien auch die Forderung der Kirche in Korea. Im Namen der Koreanischen Bischofskonferenz wandte sich der Sekretär der koreanischen „Bewegung für das Leben“, P. Casimiro Song, an die Nachrichtenagentur „Asia News“ des Päpstlichen Instituts für die Ostmissionen.

In seinem Schreiben bringt Song die Freude der koreanischen Kirche über das internationale Moratorium zur Todesstrafe zum Ausdruck und stellt fest, dass diesem logischerweise ein Abtreibungsmoratorium folgen müsse. Es sei eine Tatsache und keine Meinung, dass das menschliche Leben mit der Empfängnis beginnt und deshalb von diesem Augenblick an geschützt werden muss.

P. Song weist darauf hin, dass in ein derartiges Moratorium auch die Stammzellenmanipulation und Stammzellenforschung, die künstliche Fortpflanzung und die Zerstörung von deformierten Föten mit aufgenommen werden müssen. Es handle sich dabei um Phänomene, die den asiatischen Kontinent besonders stark betreffen. Es sei daran zu erinnern, dass jedes Leben vollkommen ist, weil es von Gott geschaffen wurde.

P. Song erinnert auch an das Dokument der Kirche in Korea „Unterweg zu einer Kultur des Lebens“ (15. März 2007), in dem die Ablehnung der Abtreibung und der Stammzellenmanipulation bekräftigt wird. „Als Christen sind wir dazu aufgerufen, hier und jetzt eine Kampagne gegen die Abtreibung zu unterstützen“, betont er.

Primäre Aufgabe sei es nun, die Schaffung einer Kultur des Lebens zu fördern, was nur mit vereinten Kräften möglich sei. „Die Abtreibung tötet unschuldige Embryonen und Föten, die wehrlos, ohne Stimme und verwundbar sind. Sie tötet Menschen.“

Von Armin Schwibach