Moskauer Patriarch Alexeij II. würdigt die Arbeit von Papst Benedikt XVI.

Der Bischof von Rom ist „Vermittler zwischen der jahrhundertealten Tradition und den Erfordernissen der Moderne“

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ROM, 14. Januar 2008 (ZENIT.org).- Der Patriarch von Moskau und ganz Russland Alexeij II. würdigte in einem Interview mit der italienischen Ausgabe der Zeitschrift „30 Giorni“ das Wirken Papst Benedikts XVI. als eines „Vermittlers zwischen der jahrhundertealten Tradition und den Erfordernissen der Moderne“.



Besondere Aufmerksamkeit widmete der Patriarch der Entscheidung Benedikts XVI., mit dem Motu proprio „Summorum Pontificum“ (7. Juli 2007) der alten Form der römischen Liturgie mehr Raum zu geben. „Ich sehe darin einen der grundlegendsten Aspekte des Wirkens des aktuellen römischen Papstes Benedikt XVI.“, erklärte Alexeij II. „Ich denken, dass die Frage der liturgischen Sprache und der verschiedenen liturgischen Elemente der römisch-katholischen Kirche eine interne Angelegenheit sind. Für uns, die wir eine Kirche sind, für die der Begriff der Tradition von großer Bedeutung ist, ist die Spannung, neue wirksame Formen der Harmonisierung zwischen der jahrhundertealten religiösen Erfahrung und den objektiven Wirklichkeiten und zeitgenössischen Notwendigkeiten zu finden, von großer Bedeutung.“

Zu den Beziehungen zwischen der orthodoxen Kirche und der katholischen Kirche sprach sich der Patriarch für jeden Versuch aus, der darauf abzielt, die bestehenden Spaltungen „so weit wie möglich“ zu überwinden. Eine andere Frage sei allerdings die Frage nach ihrem Wesen, insofern jeder Situation besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden müsse.

„Bei aller Achtung und der Wahrung der Unterschiede ist die Suche nach dem, was eint, und nicht nach dem, was trennt, in den meisten Fällen wirkungsvoll. Ohne einem exzessiven Optimismus zu verfallen möchte ich sagen, dass ich gerade darin eine besondere Perspektive für die Beziehungen zwischen Orthodoxen und Katholiken sehe.“

Alexeij II. betonte, dass die russisch-orthodoxe Kirche immer zu einem ebenbürtigen und respektvollen interreligiösen und interkulturellen Dialog eingeladen habe; auf regionaler Ebene genauso wie auf nationaler und internationaler Ebene. „Es ist besonders wichtig, unsere Kräfte zu vereinen, um bei der Entwicklung des internationalen Rechts beizutragen, an der Überwindung von Konfliktsituationen mitzuwirken und ein vorurteilsfreies Verständnis für die verschiedenen Modelle der Interaktion zwischen Religion, Staat und Gesellschaft zu begünstigen.“ Für den Wiederaufbau der Einheit seien allerdings viel Zeit und ein ernsthaftes Engagement vonnöten.

Alexeij II. zeigte sich davon überzeugt, dass die Vertreter der traditionellen Religionen auf eine große Anzahl von Herausforderungen und brennenden Problemen eine gemeinsame Antwort finden und ihre Gläubigen zu Frieden und Eintracht auffordern sollten.

Den Religionen komme eine besondere Aufgabe zu: die Bekämpfung des Terrorismus. Hier gehe es vor allem darum, ihm seinen Nährboden zu entziehen. Dieser Nährboden sei heute die „religiöse und moralische Ignoranz“, die im mangelnden Verständnis der eigenen religiösen Wurzeln und der damit verbundenen Moral sichtbar werde. Die Folgen seien die Verletzung der religiösen Gefühle, die Profanierung der heiligen Gegenstände sowie die Förderung des Egoismus und der allgemeinen Willkür. „All dies zusammen bringt Fanatismus hervor“, so der Patriarch.

Alexeij II. stellte in diesem Zusammenhang fest, dass nach dem 11. September zahlreiche Maßnahmen gegen den Terrorismus getroffen worden seien. Gleichzeitig aber müsse gefragt werden, ob auch die Aufmerksamkeit gegenüber den religiösen Überzeugungen der Menschen und ihren religiösen Traditionen zugenommen habe.