Motuproprio: Weiteres Vorgehen gegen Geldgeschäfte im Vatikan

Präzisierungen bei Finanzaufsicht

Rom, (ZENIT.org) Maike Sternberg-Schmitz | 407 klicks

Gestern wurde im Vatikan ein sogenannter Motuproprio veröffentlicht, der erneut die Normen zu Transparenz und Aufsicht verändert und damit das Vorgehen gegen illegale Geldgeschäfte im Vatikan verstärkt. Die Normen regeln die Arbeit der Finanzaufsichtsbehörde des Vatikans, die AIF. In Zukunft wird genauer zwischen dem Präsidenten, dem Aufsichtsrat und dem Direktorat der Aufsichtsbehörde unterschieden werden. Mit der neuen Struktur soll erreicht werden, dass die Behörde unabhängig arbeiten kann. Überdies wurde bekannt gegeben, dass ein Büro für die im Banksektor international übliche „prudentielle Aufsicht“ eingerichtet werden soll.

Papst Franziskus hatte die von Benedikt XVI. im Dezember 2010 erlassenen Regeln am 8. August präzisiert und genauere Vorschriften erlassen. Wie der Vatikan verkünden ließ, werden die neuen Regeln am 21. November dieses Jahres in Kraft treten.

Auch in Bezug auf die Geldwäsche ist das Vorgehen des Vatikans auf einem guten Weg, wie der Chef der vatikanischen Finanzaufsicht, Rene Brülhart in einem Interview mit der Neuen Zürcher Zeitung verlauten ließ. Der aus Freiburg in der Schweiz stammende Jurist Brülhart leitete acht Jahre lang die Geldwäsche-Meldestelle „Financial Intelligence Unit“ (FIU) in Liechtenstein. Benedikt XVI. berief ihn an die Spitze der vatikanischen Finanzaufsicht „Autorità di Informazione Finanziaria“. Die ihm unterstellte Behörde werde bis Ende 2013 „bedeutend mehr“ Verdachtsfälle der Geldwäsche an den vatikanischen Staatsanwalt gemeldet haben als noch im vergangenen Jahr, in dem sechs Fälle vorgefallen waren, sagte Brülhart. Dies zeige, dass das „Meldesystem funktioniert“.

Brülhart wies Medienberichte zurück, nach denen die Vatikanbank IOR in den vergangenen Monaten rund 900 Konten von Privatkunden geschlossen habe, die ein Einlagenvolumen von circa 300 Millionen Euro gehabt hätten. Wie viele Konten tatsächlich geschlossen werden, werde sich in den nächsten Wochen und Monaten zeigen, so Brülhart. Er räumte ein, dass Kunden ihr Kapital im Zuge der Bemühungen um mehr Transparenz abgezogen hätten, jedoch sei die Anzahl „überschaubar“. Bezüglich des von der italienischen Justiz wegen Geldwäsche verhafteten Prälaten des Vatikans Nunzio Scarano sagte Brülhart, er könne nicht ausschließen, dass dies der letzte Fall der Art gewesen sei; weiteren Fälle würden analysiert werden. Die Kurie stehe hinter dem Kurs, mit den entsprechenden Instrumenten die Aufarbeitung voranzutreiben.