Msgr. Gänswein über Benedikt XVI. und den 11. Februar

Joseph Ratzinger hat den Jahrestag seines Rücktritts unbeschwert verbracht

Rom, (ZENIT.org) Maike Sternberg-Schmitz | 551 klicks

Wie Msgr. Georg Gänswein, Sekretär des emeritierten Papstes und Präfekt des Päpstlichen Hauses, in einem Interview mit Radio Vatikan verlauten ließ, habe Benedikt XVI. den ersten Jahrestag seines Rücktritts unbeschwert verbracht. Der Tag habe wie alle anderen auch mit einer Messe begonnen; darauf sei das Brevier gefolgt, dann das Frühstück und dann habe man den Tag fortgesetzt. Selbstverständlich sei auch über den 11. Februar vor einem Jahr gesprochen worden, ein historischer Tag, der für alle Beteiligten unvergesslich sei. Man habe an den Tag gedacht, habe über ihn gesprochen, aber er habe nicht den 11. Februar dieses Jahres maßgeblich beeinflusst.

Gänswein betonte, dass der Grund für den Rücktritt von Benedikt XVI. derjenige gewesen sei, den er selbst angegeben habe, es gebe keine anderen Gründe. Wer nach solchen suche, spekuliere über Dinge, die nichts mit der Wirklichkeit zu tun hätten. Benedikt XVI. habe nicht mehr die Kraft gehabt, die ein Papst zur Führung der Kirche Christi brauche. Seine Entscheidung sei eine Entscheidung aus Liebe gewesen, eine mutige Tat, aber auch eine Tat, die von einer großen Demut zeuge gegenüber der Liebe des Herrn und derjenigen der Kirche. Nicht alle, er eingeschlossen, hätten dies sofort verstanden, doch ein Jahr später sei klar, dass die Entscheidung mutig, revolutionär, demütig und zukunftsorientiert gewesen sei.

Über die Lebensweise des emeritierten Papstes sagte Gänswein, die Worte von Federico Lombardi würden diese sehr gut beschreiben: Benedikt XVI. lebe verborgen, diskret, aber nicht isoliert. Er lebe im Kloster Mater Ecclesiae, er habe seine Kontakte, seinen täglichen Rhythmus: Es gebe Besuche, die Korrespondenz, viele Kontakte nach außen. Benedikt XVI. habe diesen Weg gewählt, um für die Kirche und seinen Nachfolger zu beten, und so fühle er sich wohl.

Bezüglich des Zusammenlebens des emeritierten und des amtierenden Papstes sagte Gänswein, es sei harmonisch und brüderlich. Wer Benedikt XVI. kenne, habe keine Zweifel daran gehabt, dass dieser sich nie in die Amtshandlungen seines Nachfolgers einmischen werde. Papst Franziskus habe direkt nach seiner Wahl den Kontakt zu Benedikt XVI. gesucht. Dies sei der Beginn einer guten und schönen Freundschaft gewesen, die jeden Tag wachse.

Gänswein sagte, die vielen Briefe und Gesuche um Treffen, sowie Zuneigungsbekundungen, die Benedikt XVI. täglich erhalte, seien für ihn ein großer Trost, der sein Herz mit Freude erfülle, aber auch mit Dankbarkeit gegenüber den Menschen, die ihn mögen und gegenüber dem Herrn. Leider könne Benedikt XVI. nicht alle Bitten um ein Treffen positiv beantworten, dafür seien es zu viele. Jedoch sei er für diese Zeichen der Nähe, der Liebe und der Zuneigung zutiefst dankbar.