Msgr. Konrad Krajewski: im Dienst von drei Päpsten (Zweiter Teil)

Zeremoniar unter Johannes Paul II. und Benedikt XVI., Almosenier unter Papst Franziskus, Helfer für die Armen

Vatikanstadt, (ZENIT.org) Wlodzimierz Redzioch | 697 klicks

[Der erste Teil erschien gestern, am Donnerstag, dem 20. Februar]

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Als Msgr. Krajewski im März vergangenen Jahres an den Vorbereitungen für das Konklave teilnahm, konnte er nicht wissen, dass der Nachfolger Benedikts XVI. ein Papst sein sollte, der sich als ein „Priester der Straße“ bezeichnet und auch als Kardinal noch oft abends auf die Straße ging, um die Armen aufzusuchen, mit ihnen zu Abend zu essen, ihr Dasein zu teilen.

Auch Papst Franziskus wusste anfangs nicht, dass einer seiner Zeremoniare in Rom dasselbe tat, was er daheim in Buenos Aires getan hatte; doch als er es erfuhr, zögerte er nicht lange, ihn zu seinem Almosenier zu ernennen. Am 3. August letzten Jahres gab er diesen Entschluss bekannt.

Die Bischofsweihe Pater Konrads erfolgte am 17. September 2013 im Petersdom. Die Messe feierte Kardinal Giuseppe Bertello; unter den Konzelebranten befand sich auch Msgr.Ziółek, der inzwischen emeritierte Erzbischof von Łódź, der vor 25 Jahren dem jungen Konrad Krajewski die Priesterweihe gespendet hatte. Auch der Heilige Vater nahm an der Messe teil, obwohl dies nicht geplant gewesen war.

Später traf Papst Franziskus Msgr. Konrad und seine Familie. Zu den Angehörigen seines neuen Almoseniers sagte er: „Seht meine Arme; sie sind beschränkt. Wenn wir sie mit denen von Konrad verlängern können wir alle Armen Italiens erreichen.“

Im Verlauf der Feier bat Msgr. Krajewski darum, auch jetzt wo er Erzbischof ist weiterhin „don Konrad“ genannt zu werden.

Eines Tages riet der Papst ihm scherzhaft: „Wenn jemand ‚Exzellenz‘ zu dir sagt, verlange fünf Euro Strafe von ihm und verwende den Ertrag für die Armen. Auch mir ist es herausgerutscht, dich so anzusprechen; aber leider habe ich gerade keine fünf Euro bei mir!“

In jenen Tagen ereignete sich ein schweres Unglück auf See, vor der Küste der Insel Lampedusa, auf der die Flüchtlinge aus Nordafrika landen: Ein Flüchtlingsboot mit Hunderten von Insassen versank im Meer.

Der Papst schickte sofort seinen Almosenier auf die Insel, um den überlebenden Flüchtlingen seine Nähe zu zeigen. Msgr. Konrad brachte ihnen 1600 Telefonkarten mit, damit sie ihre Familien verständigen konnten, und dankte den Helfern im Namen des Papstes, denn die Taucher hatten pausenlos gearbeitet, um die furchtbare Aufgabe zu erfüllen, die Leichen der Ertrunkenen zu bergen.

Papst Franziskus hat seinem Almosenier klare Anweisungen gegeben, wie er seine Aufgabe zu erfüllen habe: „Der Schreibtisch ist nichts für dich; du kannst ihn auch verkaufen. Warte nicht, dass die Leute bei dir anklopfen; du musst die Armen suchen gehen!“

So hat sich Msgr. Krajewski auf den Weg gemacht. Er fährt in einem weißen Fiat Qubo, denn ein vatikanischer Staatswagen könnte einschüchternd wirken. Der Papst wünscht, dass sein Almosenier die Menschen dort aufsucht, wo sie leben: in der Armenmensen, in den Altersheimen, in den Krankenhäusern. Die „Franziskus-Methode“.

Msgr. Krajewski erzählt, zum Beispiel: „Wenn jemand um Hilfe bittet, um seine Stromrechnung zu bezahlen, ist es am besten, wenn ich persönlich zu ihm nach Hause fahre und ihm das Geld überbringe, damit er spürt, dass der Papst ihm durch seinen Almosenier nahe ist; wenn jemand um Hilfe ruft, weil er einsam und verlassen ist, muss ich zu ihm eilen und ihn umarmen, damit er die Liebe des Papstes und der Kirche Christi spürt.“

Für seine nächtlichen Besuche bei notleidenden Menschen lässt Msgr. Krajewski sich von der Schweizergarde begleiten, die diese Arbeit ehrenamtlich nach Feierabend erfüllt. Diese Hilfe ist kostbar, denn nicht selten sind bei diesen Einsätzen körperliche Kraft und Sprachkenntnisse gefragt.

Die karitative Arbeit des Almoseniers finanziert sich im wesentlichen durch Spenden und durch den Verkauf der berühmten Segensurkunden: Für die Apostolische Almosenverwaltung arbeiten 17 Kalligrafen und 11 weitere Angestellte („Zu wenige“, kommentiert Pater Konrad, angesichts der Menge an Arbeit und zu beantwortender Briefe).

Im Jahr 2012 verteilte die Apostolische Almosenverwaltung etwa 6500 Hilfen im Gesamtwert von etwa einer Million Euro. Natürlich handelt es sich im Einzelnen um kleine Summen von 200, 500 oder 1000 Euro, denn für größere Hilfeleistungen sind andere karitative Einrichtungen zuständig.

Im letzten Jahr haben die Einnahmen der Almosenverwaltung erheblich zugenommen (was sicher mit dem „Franziskus-Effekt“ zusammenhängt). Aber es wird immer alles gleich für die Armen ausgegeben, denn die Anweisung des Papstes an Msgr. Konrad lautet: „Der Kontostand ist dann gut, wenn das Konto leer ist. Lege nichts an, mach keine Geschäfte: Gib alles für die Armen aus.“

Selbstverständlich werden die Hilfeleistungen mit Vorsicht vergeben: Jede Bitte muss zumindest den Stempel eines Pfarramtes tragen, um als authentisch zu gelten. Viele Bittgesuche werden direkt vom Papst eingereicht, nicht selten mit dem eigenhändig vom Heiligen Vater geschriebenen Vermerk: „Du weißt schon, was zu tun ist.“

Am 28. November verbreitete sich eine Nachricht, die angeblich auf eine Indiskretion von Msgr. Krajewski zurückging: Es hieß, Papst Franziskus sei einige Male persönlich mit seinem Almosenier aus dem Vatikan gegangen, um den Armen Hilfe und Trost zu bringen. Selbstverständlich stimmte diese Nachricht nicht.

Da ich auch einen Teil der Schuld an der Entstehung dieser Zeitungsente trage, möchte ich kurz berichten, was an jenem Donnerstag Ende November wirklich geschah.

Einen Monat zuvor hatte ich einen Anruf von einem Freund bekommen, der an der Päpstlichen Universität vom Heiligen Kreuz Kurse für Journalisten organisiert, zu denen als Gastsprecher auch Persönlichkeiten der Kurie kommen. Er bat mich, ich solle doch Msgr. Krajewski einladen, im November als Gastsprecher zu den Kursen zu kommen.

Üblicherweise handelt es sich bei diesen Kursen um Treffen in kleiner Runde, vor einer Tasse Kaffee, ohne Interviews und ganz ungezwungen. Zu diesen Bedingungen hatte Msgr. Krajewski die Einladung angenommen. Wir legten den Termin auf den 28. November fest. Ich konnte nicht ahnen, dass die Nachricht vom „ungezwungen Treffen“ mit dem päpstlichen Almosenier in Journalistenkreisen schnell die Runde machte, und dass an jenem Tag nicht weniger als 30 Vatikanisten zu dem Treffen kamen!

Alle registrierten die mehr als einstündige Erzählung von Msgr. Krajewski; doch mit der Zeit fingen sie an, ihn immer öfter durch Zwischenfragen zu unterbrechen. Als er, auf den Papst bezogen, sagte: „Wenn ich ihm sage, dass ich am Abend aus dem Vatikan gehen werde, um einem Armen eine Hilfe zu bringen, besteht nicht selten Gefahr, dass er mitkommen möchte“, fragte einer der Journalisten, ob das schon vorgekommen sei.

Statt zu antworten, winkte Msgr. Konrad ab: „Lassen wir diese Frage.“ Doch fügte er noch hinzu: „Wir haben gleich gemerkt, dass das zu Sicherheitsproblemen führen kann: So einfach ist das nicht. Doch der Heilige Vater ist halt so, er denkt an diese Art von Schwierigkeiten nicht.“

Der Journalist hat diese Antwort so interpretiert, dass Papst Franziskus einige Male mitgegangen sei. Später hat er sich gerechtfertigt, indem er sich darauf berief, dass Msgr. Krajewski nicht ausdrücklich nein gesagt habe. Daher habe es einen Freiraum für Interpretationen gegeben.

Das Missverständnis wurde schon am nächsten Tag geklärt, als der Vizedirektor des vatikanischen Presseamtes, Pater Ciro Benedettini die Nachricht dementierte und Msgr. Konrad selbst erklärte: „Selbstverständlich würde der Heilige Vater gerne mitgehen und die Armen persönlich treffen, aber vorgekommen ist es noch nie.“

Aber dass er gerne mitgehen würde, ist sicher. Denn zu seinem Almosenier hat er mehr als einmal gesagt: „Deine Arbeit ist die schönste!“ Über diese Worte sollten wir alle nachdenken.