Msgr. Slawomir Oder: Kein Verkauf von Reliquien Johannes Pauls II.

Interview mit dem Postulator des Seligsprechungsprozesses

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ROM, 26. September 2007 (ZENIT.org).- Die Berichte über einen angeblichen Internet-Verkauf von Reliquien des „großen Papstes“ Johannes Paul II. sind falsch. Das betont Msgr. Slawomir Oder, Postulator des Selig- und Heiligsprechungsprozesses des Vorgängers von Benedikt XVI.



Im Interview mit ZENIT weist der polnische Priester darauf hin, dass die Reliquien kostenlos abgegeben werden und dass ihr Verkauf ein Sakrileg ist. Außerdem erläutert er, welche Bedeutung Reliquien generell haben.

ZENIT: Monsignore Oder, stimmt es, dass Reliquien von Papst Johannes Paul II. verkauft werden?

Msgr. Oder: Ich möchte zunächst klarstellen, dass das Verteilen von Gegenständen, die sich im Besitz von Kandidaten einer Selig- oder Heiligsprechung befunden haben, eine sehr alte Praxis der Kirche ist, dass sie das gesamte Verfahren begleitet und dass sie mit der Verbreitung der Erkenntnisse über die Spiritualität und das Leben des Kandidaten einhergeht.

Verteilt werden Heiligenbildchen, auf denen steht, wie man auf die Fürsprache der betroffenen Person um einen Gnadenerweis beten kann. Genau dasselbe geschieht auch im Fall des Seligsprechungsprozesses des Dieners Gottes Johannes Paul II. Diese Bildchen mit Gebeten und Fasern seiner Sutane werden vom Postulator verteilt, aber da sprechen wir natürlich von einer Verteildung, die nichts kostet.

ZENIT: Warum ist der Verkauf von Reliquien ein Sakrileg?

Msgr. Oder: Er ist wirklich ein Sakrileg; er richtet sich gegen die Tradition der Kirche und gegen die Logik. Erinnern wir uns daran, was Jesus sagt: „Umsonst habt ihr empfangen, umsonst sollt ihr geben.“ Der Verkauf von Reliquien würde Gott, den jeweiligen Heiligen oder Seligen beziehungsweise den Kandidaten zur Selig- oder Heiligsprechung beleidigen.

ZENIT: Was ist eine Reliquie?

Msgr. Oder: Die Reliquien gehören zur Logik der Inkarnation, der konkreten Geschichte. Sie sind Zeichen der Gegenwart eines Heiligen in der Geschichte.

Mir gefällt der Ausdruck, den Msgr. Marco Frisina, der Leiter des Liturgischen Amtes des Vikariats Rom, in einem Artikel gebraucht, den wir in unserem Mitteilungsblatt „Totus Tuus“ veröffentlicht haben und in dem wir die Bedeutung der Reliquien verdeutlichen wollten: Wenn wir den Leib eines Heiligen berühren, dann berühren wir den Tempel des Heiligen Geistes; wenn wir einen Gegenstand berühren, der einem Heiligen gehört hat, berühren wir ein Denkmal der Gegenwart der Gnade und Barmherzigkeit Gottes im Leben dieser Person.

So müssen wir die Dinge sehen, die Reliquien genannt werden: die Erinnerungsstücke und eben jene Dinge, die uns aus dem Leben des Heiligen erhalten geblieben sind. Das alles sind Wirklichkeiten, die uns an das Werk der Gnade im Leben des Heiligen erinnern.

ZENIT: Somit dementieren Sie also die Berichte über den Verkauf von Gegenständen beziehungsweise von Bruchstücken aus dem Besitz Johannes Pauls II.?

Msgr. Oder: Ich finde es traurig und verstehe nicht, warum man das berichtet hat. Es ist falsch. Noch einmal: Der Verkauf von Reliquien wäre ein Sakrileg.

Wir verteilen die Heiligenbilder mit Fasern der Gewänder des Heiligen Vaters Johannes Paul II. nun schon seit einiger Zeit. Menschen aus allen Teilen der Welt haben Hunderte von diesen Bildchen angefordert.

Es handelt sich hierbei um eine Geste, die das Verfahren begleitet und die große Andacht zu Johannes Paul II. auf der ganzen Welt zum Ausdruck bringt. Es ist ein großer Ruhm der Heiligkeit, der dieses Verfahren begleitet.