Müde bin ich, geh zur Ruh

Das heutige Mittwochsgebet stammt von Luise Hensel

Rom, (ZENIT.org) Maike Sternberg-Schmitz | 610 klicks

Luise Maria Hensel war eine religiöse Dichterin und wurde am 30. März 1798 in Linum, Brandenburg, als Pfarrerstochter geboren. Am 7. Dezember 1818 konvertierte sie vom lutherischen zum katholischen Glauben. Aus Glaubensgründen konnte sie die Liebe Clemens Brentanos ihr gegenüber nicht erwidern, war jedoch wesentlich an seiner inneren Wandlung beteiligt. 1817 schrieb er an seinen Bruder, nachdem er 20 Lieder von Luise erhalten hatte, die Lieder haben „die Rinde über dem Herzen gebrochen“, er sei durch sie in Tränen ausgebrochen und seien in ihrer Wahrheit und Einfalt das Heiligste geworden, was ihm „im Leben aus menschlichen Quellen zuströmt.“ Die unerfüllte Liebe Wilhelm Müllers hingegen fand in den beiden Liederzyklen Franz Schuberts „Die schöne Müllerin“ und „Winterreise“ ihren Niederschlag. Wegen der Umstände verließ Luise Hensel Berlin, wo sie mit ihrer Mutter nach dem Tod des Vaters hingezogen war, und hielt sich in Münster und Düsseldorf auf. Am 6. März 1820 lag sie das Gelübde der Jungfräulichkeit ab. Bis zu ihrem Tod 1825 führte sie in Wiedenbrück ein stilles und mildtätiges Wesen. Der Kontakt zu Clemens Bretano brach Zeit ihres Lebens nicht ab, und er porträtierte sie mit einer befreundeten Nonne. Der Schriftsteller übertrug ihr die Sichtung seines literarischen Nachlasses und die Aufgabe, sein Werk nach seinem Tod an die Öffentlichkeit zu bringen.

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Müde bin ich, geh zur Ruh,

schließe beide Augen zu.

Vater, lass die Augen dein

über meinem Bette sein!

Hab ich Unrecht heut getan,

sieh es, lieber Gott, nicht an!

Deine Gnad‘ und Jesu Blut

macht ja allen Schaden gut.

Alle, die mir sind verwandt, Gott,

lass ruhn in deiner Hand.

Alle Menschen groß und klein,

sollen dir befohlen sein.

Kranken Herzen sende Ruh,

nasse Augen schließe zu.

Lass den Mond am Himmel stehn

und die stille Welt besehn.