Muhammed Sammak: Alle hätten sich gewünscht, dass der Papstbesuch länger dauern würde

Politiker sollen von der offensichtlichen Einheit der Religionsführer lernen

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ROM, 18. September 2012 (ZENIT.org). - „Der Besuch von Papst Benedikt XVI. im Libanon hat der Welt gezeigt, dass die Bürger des Libanon, Christen und Muslime, auf derselben Seite stehen, während sich Parteien und Fraktionen spalten und Konflikte heraufbeschwören. Es bleibt zu hoffen, dass auch die Politiker des Landes etwas von der offensichtlichen Einheit lernen, die in den Tagen des Papstbesuchs zu sehen waren“, so der politische Berater des Großmuftis im Libanon und Generalsekretär des libanesischen Ausschusses für den muslimisch-politischen Dialog, Muhammad Sammak gegenüber dem Fidesdienst.

„Die Fernsehsender haben sich einige Tage lang auf den Papstbesuch konzentriert, und die Politiker und ihre Streitigkeiten verschwanden für einige Tage von den Bildschirmen. Alle waren froh darüber und hätten sich gewünscht, dass der Papstbesuch noch länger dauern würde“, so Sammak anschaulich über die Eindrücke zum Besuch von Papst Benedikt XVI. im politisch zerrissenen Land der Zedern.

Sammak ist Autor der Ansprache des Großmuftis Mohammed Rashid Gabbani an Papst Benedikt XVI.: „Ich wollte in der Botschaft vor allem zum Ausdruck bringen, dass jedes Leid, dass einem Christen zugefügt wird, auch ein Leid ist, das man allen Muslimen zufügt, und dass jeder Übergriff auf eine Kirche auch ein Angriff auf eine Moschee ist. Eine Botschaft, die wir auch in den Lehren des Propheten Mohammed finden.“ Der Berater des Großmuftis bezeichnet den Geist, mit dem allen Komponenten der muslimischen Glaubensgemeinschaft am Papstbesuch teilnahmen, als „phänomenal“: „Die Beziehungen zwischen Sunniten und Schiiten sind derzeit im Libanon nicht sehr gut, aber alle nahmen gemeinsam an den offiziellen Treffen, dem Gottesdienst und den Begrüßungs- und Abschiedszeremonien teil.“

Sammak begrüßt den von Papst Benedikt XVI. in seinen Ansprachen zum Ausdruck gebrachten Ansatz im Hinblick auf die Beziehungen zwischen Christen und Muslimen. „Der Papst hob die Religionsfreiheit als Quelle aller Rechte hervor. Und ich bin beeindruckt davon, wenn er sagt, dass das Gegenmittel gegen extremistische Strömungen nicht die Toleranz ist. Wir wollen keine islamisch-muslimischen Beziehungen, die auf Toleranz basieren, vielmehr müssen sie auf den gemeinsamen Rechten der Staatsbürgerschaft und auf gegenseitigem Vertrauen und gegenseitiger Liebe basieren. Toleranz allein reicht nicht.“

Was die Haltung zum Konflikt in Syrien anbelangt, würdigte Sammak die Absicht des Papstes, sich nicht auf das Terrain der politischen Kontroversen zu begeben: „Der Papst wollte sich nicht direkt zu politischen und geopolitischen Fragen äußern, sondern er erinnerte an die Prinzipien der Menschenwürde und des Anspruchs der Völker darauf, selbst über ihre eigene Zukunft zu entscheiden. Jeder Versuch der Instrumentalisierung seiner Worte ist damit zum Scheitern verurteilt. Benedikt XVI. ist ein kirchliches Oberhaupt der Kirche und kein politischer Staatsmann. Aus diesem Grund geht er nicht direkt auf die politische Agenda ein. Daher können seine Worte von allen wertgeschätzt werden“.

Muhammad Sammak nahm als Gast an der Synode der Bischöfe über den Nahen Osten teil. Er freute sich darüber, dass seine Ansprache in der Synodenaula in vielen arabischen Ländern, darunter auch Saudi Arabien, verbreitet wurde und überall auf Zustimmung stieß. Bei dieser Gelegenheit hatte er betont, dass die Gefahr eines Schwindens der christlichen Präsenz im Nahen Osten, „nicht nur Christen und Muslimen in der Region Sorge bereitet, sondern den Muslimen in aller Welt.“