"Mulieris dignitatem" - Die Würde der Frau

Vom 10. bis zum 12. Oktober findet im Vatikan ein Kongress zur Rolle der Frau statt

Rom, (ZENIT.org) Maike Sternberg-Schmitz | 455 klicks

Der Kongress mit dem Titel „Mulieris dignitatem“ – Die Würde der Frau – begann gestern im Vatikan anlässlich des 25. Jahrestages des Apostolischen Schreibens von Johannes Paul II. mit dem Titel „Mulieris dignitatem“. Der Kongress wurde vom päpstlichen Laienrat organisiert. Aus mehr als 25 Ländern sind Fachleute der Theologie, Philosophie, Erziehungs- und Geschichtswissenschaft, des Journalismus und der Medizin angereist, um über die Rolle der Frau nicht nur in der katholischen Kirche zu debattieren. Die Themen der Tagung sind vielschichtig. Unter anderem wird sicherlich die von Papst Franziskus gegenüber Journalisten auf seiner Rückreise vom Weltjugendtag in Rio de Janeiro geäußerte Notwendigkeit einer „neuen Theologie der Frau“ gesprochen werden.

Die Leiterin der Abteilung „Frau“ des päpstlichen Laienrates, die Kolumbianerin Ana Cristina Villa Betancourt, äußerte sich Radio Vatikan gegenüber, „Mulieris dignitatem“ sei nicht nur das erste Dokument des päpstlichen Lehrrates, das sich ausschließlich der Frau widme, sondern gehe auch auf die Anthropologie des Menschen ein und stelle diese auf nachvollziehbare Weise dar. Es gebe noch viel zu tun, um die Analysen des Dokumentes umzusetzen. Dabei ging sie auf die Äußerungen von Papst Franziskus ein, der an die Kirche mehrmals als „Mutter“ dargestellt habe und zu Maria Himmelfahrt seiner Hoffnung Ausdruck gegeben habe, die Kirche möge die wichtige Rolle der Frau besser verstehen lernen.

In seinem Schreiben habe Johannes Paul II. festgehalten, dass Gott den Menschen in besonderer Weise der Frau anvertraue, und zwar wegen ihrer besonderen Fähigkeiten zur Liebe und wegen ihrer Mütterlichkeit, einer weibliche Dimension, die in allen Tätigkeitsfeldern von Frauen zum Ausdruck kommen solle. Betancourt sagte, es sei begrüßenswert, dass heute die Präsenz von Frauen in allen Dimensionen der Gesellschaft zugenommen habe, jedoch müsse mehr darauf gedrängt werden, die Frauen in ihrer spezifischen Rolle als Frau zu akzeptieren. Die Gesellschaft habe den Frauen abverlangt, auf ihre Weiblichkeit zu verzichten, um sich besser an eine bestimmte Wettbewerbsmentalität anpassen zu können.

Papst Franziskus hatte in einem Interview mit der Jesuitenzeitschrift „Civiltà Cattolica“ gesagt, wo wichtige Entscheidungen in der Kirche getroffen werden würden, sei mehr weiblicher Genius nötig: „Die Räume für eine wirkungsvollere weibliche Präsenz in der Kirche müssen weiter werden. Ich fürchte mich aber vor einem ‚Machismo im Rock‘, denn Frauen sind anders strukturiert als Männer. Die Reden, die ich über die Rolle der Frau in der Kirche höre, sind oft von einer Männlichkeits-Ideologie inspiriert. Die Frauen stellen tiefe Fragen, denen wir uns stellen müssen. Die Kirche kann nicht sie selbst sein ohne Frauen und deren Rolle. Die Frau ist für die Kirche unabdingbar. Maria — eine Frau — ist wichtiger als die Bischöfe. Ich sage das, denn man darf Funktion und Würde nicht verwechseln. Man muss daher die Vorstellung der Frau in der Kirche vertiefen. Man muss noch mehr über eine gründliche Theologie der Frau arbeiten. Nur wenn man diesen Weg geht, kann man besser über die Funktion der Frau im Inneren der Kirche nachdenken. Der weibliche Genius ist nötig an den Stellen, wo wichtige Entscheidungen getroffen werden. Die Herausforderung heute ist: reflektieren über den spezifischen Platz der Frau gerade auch dort, wo in den verschiedenen Bereichen der Kirche Autorität ausgeübt wird.“

Betancourt sagte, dass solche Äußerungen für Unruhe sorgten, doch fehle es an Dialog an den Stellen, an denen Entscheidungen fallen. So fehle auch Dialog zwischen Männern und Frauen, obgleich dieser in den Dokumenten der Kirche immer wieder angeregt werde. So betone Johannes Paul II. in „Mulieris dignitatem“ die Gleichheit der Würde von Mann und Frau aus christlicher Sicht und vertiefe eine anthropologische Grundwahrheit: Der Mensch existiere immer nur als Frau oder als Mann. Die heute aufkommende Gender-Mentalität stelle dies in Frage, da aus ihrer Sicht das Mannsein oder Frausein ein gesellschaftliches Konstrukt sei. Neben diesem Thema wird es auf dem Kongress auch um das Selbstbild und Fremdbild von Frauen 45 Jahre nach der „Sexuellen Revolution“ gehen.

Der letzte Kongress über die Rolle der Frau im Vatikan liegt fünf Jahre zurück, am 20. Jahrestag von „Mulieris dignitatem“. Damals zeigten sich einige Teilnehmerinnen über den Grundton der Veranstaltung enttäuscht, so dass auch sie auf einen Neuaufbruch mit Papst Franziskus hoffen. Am Samstag wird der Pontifex sie in einer Audienz empfangen.