München nimmt von Johannes Paul II. Abschied

Weihbischof Siebler: Der Papst mutet den Jugendlichen zu, Heilige des neuen Jahrtausends zu werden

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MÜNCHEN, 3. April 2005 (ZENIT.org).- Langsam füllt sich an diesem Sonntag der Münchner Frauendom. Erstaunlich viele junge Familien sind unter den zahlreichen Gläubigen. Neben dem Hauptaltar bei der Marienstatue ist ein von Blumen umrahmtes großes Bild aufgestellt worden. Darauf winkt der in der Nacht zum Barmherzigkeitssonntag verstorbene Papst Johannes Paul II. den Menschen zu, als wolle er sich verabschieden.



Der Chor eröffnet die Messe mit Psalm 136: "Danket Gott, denn er ist gut, groß ist alles, was er tut. Seine Huld währt alle Zeit, waltet bis in Ewigkeit.“ Der Gottesdienst ist feierlich und würdevoll. “Die Welt hält den Atem an“, so drückt Weihbischof Siebler die Stimmung aus. Und er lässt daran denken, dass sich in diesem Augenblick auf der ganzen Welt Menschen zum Gebet sammeln für den “Pontifex Maximus“, den obersten Brückenbauer, der im interreligiösen Dialog ebenso wie in der Politik so viel Brücken geschlagen habe. Voller Dankbarkeit lädt er dazu ein, des Papstes zu gedenken, der durch seine Verdienste für den Fall der Berliner Mauer den Grundstein für ein neues Europa gelegt habe. In allem sei sein Leben von einer Maxime geprägt gewesen: Alles für Christus und dabei immer ganz bei Maria – "Totus Tuus".

Johannes Paul II. habe sich das Wort Jesu an Petrus "Duc in altum!" zu Herzen genommen, sagte der Weihbischof in seiner Predigt. Und zu Beginn des neuen Jahrtausends habe er dieses Wort der ganzen Welt vor Augen gestellt, in seinem Apostolischen Schreiben "Novo millennio ineunte". Der Heilige Vater sei stets die Zukunft der Kirche bemüht gewesen. Daher habe er sich auch ganz besonders der Jugend in aller Welt zugewandt. Seit 1985 rufe er sie zu den Weltjugendtagen zusammen. Weihbischof Siebler, der selbst an vier Weltjugendtagen teilgenommen hat, drückt sein Erstauen über die enorme Anziehungskraft des Papstes mit folgenden Worten aus: Die Jugendlichen "spürten, dass er sich – anders als viele Stars der Medienwelt – nicht von persönlichem Ehrgeiz oder Karrieredenken leitet ließ, sondern dass er sich ganz in den Dienst der Verkündigung der Frohbotschaft Jesu Christi stellte." So habe er trotz der ernormen Herausforderungen, vor der er sie stellte, von der Jugend immer großen Applaus geerntet.

Als der Heilige Vater 1997 in Paris der Menge spontan zurief: “Wollt ihr die Heiligen des neuen Jahrtausends werden?“, habe man einen Herzschlag lang spüren können, wie sich die jungen Leute erschreckt hätten, so der Weihbischof. Aber dann hätten sie jubelnd ihre Kerzen in die Höhe gerissen.

Während der Gebetswache im Heiligen Jahr 2000 beim Tor Vergata in Rom, habe der Papst die Jugend "Wächter des Morgens“ genannt. Denn sie seien dazu berufen, den Morgen des neuen Jahrtausends bewusst und wachend zu erwarten und mitzugestalten und ihre Lebenskraft ins neue Jahrtausend zu investieren. Das Lichtermeer der Millionen von Kerzen habe damals die Nacht in Rom erhellt, in der Papst Johannes Paul II. – wie so oft – den Jugendlichen zugemutet habe, zu Vorbildern eines geglückten Lebens zu werden.

In Toronto 2002 habe der schon schwer von seiner Krankheit gezeichnete Heilige Vater die Teilnehmer des damaligen Weltjugendtages zu Jubelstürmen hingerissen, als er es ablehnte, den bereitgestellten Aufzug zu benutzen. Zitternd sei er am Stock die Treppe vom Flugzeug hinunter geschritten. Gerade für alte und kranke Menschen sei er so ein Zeichen der Solidarität im Leid geworden. Eine gesunde Gesellschaft zeige sich gerade in der Art, wie sie mit alten und schwerkranken Menschen umspringe, sagte Weihbischof Siebler.

“Mit dieser Botschaft hat sich der Papst nun von uns verabschiedet. Dieses Zeugnis bleibt uns als sein Vermächtnis“, fuhr er fort. Das neue Jahrtausend solle also eine Zeit sein, in der der Wert des menschlichen Lebens geachtet werde, nicht nur eine Zeit der “Menschenmacher“. Die Auferstehung Jesu halte uns immer wieder vor Augen: "Das Leben, das Gott schenkt, wird nicht mehr zerstört. Johannes Paul II. weiß mehr davon, als er uns je sagen konnte“, so der Weihbischof.

Mit den österlichen Worten "Halleluja! Auferstanden ist die Freude dieser Zeit, denn aus Leiden Schmerz und Bangen geht hervor die Herrlichkeit. Was im Tode scheint verloren, wird in Christus neu geboren. Halleluja, Jesus lebt, Jesus lebt. Halleluja, Jesus lebt!“ geht der Gottesdienst in München für Papst Johannes Paul II. zu Ende.

"Wo ist Mama?“, hört man einen jungen Mann fragen. "Sie zündet noch eine Kerze an." Viele Menschen bleiben noch und scharen sich in stiller Ehrfurcht um das Bild des Papstes. Nicht nur ihnen fällt es schwer, von ihm Abschied zu nehmen.