Museumschristen, die das von Christus geschenkte Salz verloren haben

Papst Franziskus: "Salz des Glaubens, der Hoffnung und der Barmherzigkeit" nicht für sich selbst behalten

Vatikanstadt, (ZENIT.org) | 779 klicks

Nach seiner Warnung vor einem Dasein als “Salonchristen” wies Papst Franziskus im Rahmen der gestrigen hl. Messe auf eine andere Gefahr für die Jünger Christi hin: davor, „Museumschristen“ zu werden, „schale“ Christen, denen das vom Herrn geschenkte „Salz des Glaubens, der Hoffnung und der Barmherzigkeit“ abhandengekommen ist.

Wie an jedem Morgen richtete der Papst in seiner Predigt während der hl. Messe im päpstlichen Gästehaus gleichsam die Ermahnung an das Volk Gottes, nicht die empfangenen Gnaden zu vergessen. Am Gottesdienst von gestern, dem 23. Mai 2013, nahm eine Gruppe von Priestern und Laienmitarbeitern der Kongregation für die Orientalischen Kirchen unter der Leitung von Präfekt Kardinal Leonardo Sandri. Dieser konzelebrierte gemeinsam mit Kardinal Angelo Sodano und dem Erzbischof von La Paz, Edmundo Abastoflor Montero.

Das „Salz“ stand daher im Zentrum der morgendlichen Betrachtung von Papst Franziskus. Ebenso wie eine Suppe, die trotz der verschiedenen Zutaten ohne Salz geschmacklos bleibe, verleihe das jedem Christen von Christus empfangene „Salz“ dem eigenen Leben und jenem der anderen einen zusätzlichen Wert. Dieses Salz sei laut dem Papst der „Glaube“; die Sicherheit der von Jesus Christi durch seinen Tod und seine Auferstehung für die Rettung der Menschheit geoffenbarten Liebe.

Aus diesem Grund gelte es, dafür zu sorgen, dass dieses Salz nicht schal werde und seine Kraft verliere. Diese Gabe sei nicht dazu da, „verwahrt zu werden“, denn der Sinn des Salzes bestehe gerade darin, ausgeteilt zu werden, um den Dingen Geschmack zu verleihen.

Der Papst fand dazu folgende Worte: „Wenn Salz in einem Fläschchen aufbewahrt wird und keine Verwendung findet, ist es nicht dienlich. Das uns gegebene Salz ist für den Gebrauch bestimmt; es soll zum Würzen verwendet und angeboten werden. Ansonsten wird es schal und nutzlos.“ Dem Papst zufolge besitzt Salz außerdem eine weitere Eigenschaft: „Wenn Salz gut verwendet wird, hat es selbst keinen Geschmack, sondern bringt den Eigengeschmack jeder Speise zur Geltung! Salz trägt dazu bei, den Geschmack eines Gerichtes zu verbessern, es zu konservieren und es besser und schmackhafter zu machen.“

Diese „christliche Originalität” solle laut dem Papst nicht durch “Uniformität” ersetzt werden. Er führte aus: „Im Gegenteil, wenn wir den Glauben verkündigen, nehmen alle Empfänger die Verkündigung dank dieses Salzes ebenso wie die Speisen entsprechend ihrer persönlichen Beschaffenheit auf.“ Laut dem Heiligen Vater nehme die christliche Originalität daher jeden so an, wie er sei, konkret: „mit seiner Persönlichkeit, seinen Eigenschaften, seiner Kultur, und lässt ihn so sein, denn das ist ein Reichtum. Sie gibt ihm aber noch mehr: den Geschmack!“

Dabei handle es sich nach Papst Franziskus um einen sehr schönen Gedanken. Wenn die Menschen hingegen auf Uniformität abzielten und wollten, „dass alle gleich gesalzen sind“, verhalte es sich so „wie mit einer Frau, die zu viel salzt, so dass man nur den Geschmack des Salzes schmeckt und nicht den Geschmack des mit dem Salz gewürzten Gerichts. Die christliche Originalität besteht gerade darin: jeder ist, wie er ist, mit den Gaben, die ihm der Herr verliehen hat.“ Im Besonderen bedeute dies „ein Hinausgehen mit der Botschaft, mit diesem Reichtum des Salzes, den wir haben, und ihn den anderen zu geben.“ Der Papst sprach von zweierlei Formen des Ausgehens: zunächst werde das Salz „in den Dienst der Speisen, der anderen, der Menschen“ gestellt. Die zweite Form sei die „Transzendenz zum Urheber des Salzes, dem Schöpfer.“ So sei das Salz nicht nur in der Predigt zu verabreichen, sondern bedürfe auch „des Gebetes und der Anbetung.“

Der Papst erläuterte in diesem Zusammenhang: „In der Anbetung des Herrn gelange ich über mich selbst hinaus und zum Herrn. Mit der Verkündigung des Evangeliums trete ich aus mir aus, um die Botschaft weiterzugeben. Wenn wir diese beiden Dinge, diese beiden Arten des Über-uns-Hinausgehens, hingegen nicht pflegen, wird das Salz im Fläschchen bleiben, und wir werden zu Museumschristen.“

Der Papst wies darauf hin, wie schön es sei, das Salz zu zeigen und sagen zu können: „Das ist mein Salz. Dieses Salz habe ich bei der Taufe empfangen. Dieses Salz wurde mir bei der Firmung geschenkt. Dieses Salz habe ich bei der Katechese bekommen.“ Am Ende erbat der Heilige Vater folgende Gnade vom Herrn: „Bewahre uns davor, Christen zu werden, deren Salz schal und verschlossen in einem Fläschchen ist. Lass uns keine ‚Museumschristen‘ werden, die zwar ein Salz zeigen, aber ein geschmackloses, das nichts bewirkt…“