Musik-Highlights in Rom: Wenn göttliche Musik in göttlichem Raum erklingt

Interview mit dem Gründer der Fondazione pro Musica e Arte Sacra

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Von Jan Bentz

ROM, 13. November 2012 (ZENIT.org). – Dieses Jahr erlebt das „Festival Internazionale di Musica e Arte Sacra“ (Internationales Festival für Musik und Sakrale Kunst) in der ewigen Stadt seine elfte Edition, ausgerichtet von der „Fondazione pro Musica e Arte Sacra“ (Stiftung für Musik und Sakrale Kunst). Diese hat sich zum Ziel gesetzt, „die große Bedeutung der sakralen Kunst wieder ins Bewusstsein zu bringen“ und fähige Männer und Frauen zu gewinnen, die andere zur konkreten Umsetzung dieser Tradition durch ihr Mäzenatentum bewegen, damit „Kunst die Kunst retten“ kann: Die Stiftung kümmert sich unter anderem um die Restaurierungsarbeiten der vier päpstlichen Basiliken Roms [ZENIT berichtete].

Gründer dieser Initiative zur Rettung von unschätzbar wertvollen Kunstwerken ist Sen. Dr. h.c. mult. Hans-Albert Courtial, unter anderem Inhaber zweier berühmter Reiseagenturen in Rom. Sein fast vierzigjähriges Wirken in der ewigen Stadt brachte ihn in Kontakt mit den zahllosen religiösen Stätten in Rom und in ganz Italien. Aus dem Wunsch, über das Medium der sakralen Kunst den Glauben und seine Schönheit zu vermitteln, erwuchs seine Initiative zur Gründung der „Fondazione pro Musica e Arte Sacra“: Jedes Jahr finden im Rahmen eines Internationalen Musikfestivals als nunmehr fester Bestandteil und Glanzpunkt der römischen Kulturszene Konzerte in den Basiliken Roms statt. ZENIT hatte die Möglichkeit, den Gründer persönlich über die Stiftung zu befragen.

ZENIT: Sie sind der Gründer der „Fondazione pro Musica e Arte Sacra“ Wie entstand diese Idee, diese Mission? Warum Restaurierung römischer Kunstwerke?

Sen. Dr. Hans-Albert Courtial: Ich bin seit ungefähr vierzig Jahren hier in Rom und beschäftige mich mit meinen Touristik- und Hotelunternehmen mit Pilgerreisen und Chorreisen nach Rom. Dabei hatte ich immer wieder erlebt, wie die Zuhörer, aber auch die Chöre und Künstler selber, die nach Rom kommen und in den Päpstlichen Basiliken singen, die Messen gestalten oder ein Konzert geben, berührt wurden. Zunächst von den sakralen Räumen, von deren Kunst und dann von dem Ganzen als Rahmen für die Musik. Im Heiligen Jahr 2000 überlegte ich mir also, die Wiener Philharmoniker einzuladen und im Petersdom mit Zustimmung des Heiligen Vaters die Krönungsmesse während einer Messe aufzuführen.

Als wir dann abends mit den Musikern und Professoren allein im Petersdom waren und Riccardo Muti den Auftakt gab, sah ich, wie den Menschen die Tränen die Wangen herunterflossen. Da sagte ich mir: „Siehst du, diese Menschen sind genauso gerührt wie du es bist, wenn du diese Musik hörst.“ Wir hatten anschließend ein Abendessen mit dem Vorstand der Wiener Philharmoniker, bei dem ich meinen Plan unterbreitete, eine Stiftung zu gründen, und gefragt habe, ob sie da mitmachen würden. Eine Bedingung wäre, dass sie die Rolle eines „Orchestra in residenza“ übernähmen, was bedeutet, dass sie jedes Jahr voll in das Festival integriert wären. Nach einiger Zeit des Abwartens eines einstimmigen Beschlusses erfolgte die Zusage.

2002 wurde also die „Fondazione“ gegründet und vereinte die besten Orchester und Chöre aus der ganzen Welt bei Veranstaltungen zunächst in den vier Päpstlichen Basiliken und heute auch in weiteren berühmten Kirchen Roms. Wir haben Menschen auf der ganzen Welt dafür sensibilisiert, nach Rom zu kommen und das zu erleben, wovon ich gerade gesprochen habe, und uns zu unterstützen. So können wir zum einen die Menschen über die Musik und die sakrale Kunst zu Gott führen. Das ist ganz entscheidend. Zum Schönen zu führen, ist gerade in unserer heutigen Zeit, wo alles so drunter und drüber geht, unbedingt notwendig. Das kann man mit einem Konzert der Musica Sacra erreichen, allerdings vor allem auch, weil es an einem sakralen Ort stattfindet. Am Samstagabend haben wir versuchsweise die „Petite messe solennelle“ von Rossini in der Konzerthalle der Santa Cecilia aufgeführt. Das war zwar künstlerisch hervorragend, ging aber nicht ans Herz. Man braucht das Zusammenwirken des sakralen Orts und der sakralen Kunst.

Zum anderen ist die Konsequenz daraus, dass wir durch die Unterstützung der Menschen in der Lage sind, Restaurierungsarbeiten vorzunehmen.

ZENIT: Wie werden die Restaurierungsprojekte ausgewählt? Kommen Vorschläge von den Mäzenen selber, oder gibt es dringende Projekte, für die dann Geld gesammelt wird?

Sen. Courtial: Die Projekte stellen wir vor; dann wird entschieden, ob die Mäzene mitmachen oder nicht. Danach können wir zu einem Übereinkommen gelangen. Wir haben bereits über 40 Projekte umgesetzt. Was wir zurzeit machen, ist die Restaurierung des Petersdoms. Wir sind jetzt im vierten Bauabschnitt, es folgen noch der fünfte und sechste. Wir planen, mit der Kuppel im Jahr 2015 alles fertig zu haben.

ZENIT: Musik und Glaube gehören zusammen; Musik ist Verkündigung und Verherrlichung Gottes, haben Sie erklärt. Die Konzerte, die der Öffentlichkeit kostenlos zugänglich sind, wollen allgemein zur Glaubensverkündigung beitragen und stehen diesmal im Zeichen des von Papst Benedikt ausgerufenen Jahrs des Glaubens… Wie wird die Auswahl der Musikstücke getroffen? Dieses Jahr war mit der Messe von Georg Ratzinger ja ein ganz besonderes Kleinod dabei…

Sen. Courtial: Die Auswahlkriterien sind manchmal schon etwas problematisch. Die Künstler kommen zu uns, sie kommen, ohne dafür bezahlt zu werden, weil sie es so wunderbar finden. Dann bringen sie etwas mit, was sie einstudiert haben. Wir haben einen schönen Abend, müssen dafür nichts bezahlen und können das Geld für Restaurierungsarbeiten ausgeben. So ist das Ganze manchmal etwas breit gefächert und hat wenig Ordnung. Mir wäre etwas mehr Struktur im Ganzen lieber, aber wenn man sieht, dass die Leute ein Produkt anbieten wie gestern Abend die „Vespera della Beata Vergine“ von Monteverdi, dann muss man es einfach annehmen.

ZENIT: Nach verhältnismäßig kurzer Zeit hat diese Stiftung bisher Unglaubliches geleistet. Werden Ihrer Einschätzung nach Auswirkungen der Wirtschaftskrise spürbar sein, oder kann man eher hoffnungsvoll in die Zukunft blicken?

Sen. Courtial: Wir denken, dass wir in der Zukunft in die sakrale Musik und Kunst sogar noch mehr investieren werden. Derzeitig haben wir die Zusammenarbeit mit der „Capella Sistina“ begonnen. Wir werden durch sie jetzt die römische Polyphonie und den Chor des Papstes weltweit bekannt machen, indem wir den Chor nicht nur hier in Rom lassen, nicht nur im Petersdom. Damit wird der Chor Botschafter des Papstes, des Heiligen Stuhls und damit natürlich auch der „Fondazione Pro Musica e Arte Sacra“.