Mutter Teresa von Kalkutta

Eher trösten als Trost zu suchen; lieben, bis es weh tut

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Von Jan Bentz

ROM, 6. September 2012 (ZENIT.org). - Auf die Frage, was sich in der Kirche heute ändern müsse, antwortete sie: „Sie und ich." Die selige Mutter Teresa von Kalkutta, deren liturgischer Gedenktag am 5. September begangen wird, gehört zweifellos zu den wichtigsten zeitgenössischen Frauengestalten der katholischen Kirche. Heroin der Nächstenliebe, furchtlose Zeugin des Glaubens, Kämpferin für die Ungeborenen, tiefe Verwurzelung in der Anbetung durch die Liebe zum eucharistischen Herren, all dies lebte sie mit beispiellosem Eifer und wurde dadurch besonders auch zum Vorbild für die Jugend. Beten, auch in „dunkler Nacht der Seele“,  und tätige Nächstenliebe unter den Ärmsten, dies machte ihr Leben aus. „Wer den Armen den Rücken zuwendet, wendet Christus den Rücken zu", ermahnte sie ihre Zuhörer bei der Verleihung des Friedensnobelpreises.

Mutter Teresa wurde mit dem Namen Anjezë (Agnes) Gonxhe Bojaxhiu am 26. August 2010 in Üsküb, dem Gebiet des heutigen Mazedonien, geboren und starb am 5. September 1997 in Kalkutta. Gonxha wuchs in einer katholischen Familie auf. Bereits im Alter von zwölf Jahren entschied sie sich für ein Leben als Ordensfrau und trat mit 18 Jahren bei den Loreto Schwestern ein. Die „Sisters oft he Blessed Virgin Mary“ waren besonders im Schulwesen in Bengalen/Indien tätig. Nach kurzer Zeit in Irland konnte sie ihre Arbeit in Indien beginnen, wo sie als Lehrerin und Schulleiterin tätig war.

Am 10. September 1946 verspürte sie die göttliche Berufung, ausschließlich den Ärmsten zu helfen. In ihrem Tagebuch schildert sie dieses Erlebnis als mystische Begegnung mit Jesus, der sie dazu aufgefordert habe, alles aufzugeben und ihm in die Slums zu folgen, um ihm in den Ärmsten der Armen zu dienen. Sie wurde von ihrem Orden exklaustriert und wirkte zunächst als „Heilige der Gosse“, wie sie genannt wurde, allein in Kalkutta. Sie sammelte Sterbende und Todkranke, besonders die ausgestoßenen Leprakranken. Später schlossen sich ihr zwölf ehemalige Mitschwestern an. 1950 gründete sie den Orden „Missionarinnen der Nächstenliebe“. Er kümmert sich besonders um Sterbende, Waisen und Kranke, sein spezielles Engagement liegt jedoch in der Betreuung der Leprakranken.

Mutter Theresa scheute sich nicht, auch auf unbequeme Weise öffentlich zu drängenden Problemen Stellung zu nehmen, zum Beispiel zu der vom seligen Papst Johannes Paul II. so genannten „Kultur des Todes". In der Abtreibungspolitik vieler Länder, die sie als die in Wirklichkeit ärmsten bezeichnete, sah Mutter Teresa die „größte Bedrohung für den Weltfrieden“.  

Die Verleihung des Friedensnobelpreises 1979 nutzte sie für folgenden Appell: „Der größte Zerstörer des Friedens ist heute der Schrei des unschuldigen, ungeborenen Kindes. Wenn eine Mutter ihr eigenes Kind in ihrem eigenen Schoß ermorden kann, was für ein schlimmeres Verbrechen gibt es dann noch, als wenn wir uns gegenseitig umbringen? In den Zeitungen lesen wir dieses und jenes, aber niemand spricht von den Millionen von Kleinen, die empfangen wurden mit der gleichen Liebe wie Sie und ich, mit dem Leben Gottes. Und wir sagen nichts, wir sind stumm. Für mich sind die Nationen, die Abtreibung legalisiert haben, die ärmsten Länder. Sie fürchten die Kleinen, sie fürchten das ungeborene Kind. Und das Kind muss sterben, weil sie dies eine Kind nicht mehr haben wollen - nicht ein Kind mehr - und das Kind muss sterben. Und ich bitte Sie hier im Namen der Kleinen: Rettet das ungeborene Kind, erkennt die Gegenwart Jesu in ihm!"

Als in Irland darüber abgestimmt werden sollte, ob die Ehescheidung legalisiert werden sollte, rief sie die Iren dazu auf, mit Nein zu votieren.

Mutter Teresa starb am 5. September 1997. Am 13. September 1997 wurde sie in Kalkutta mit einem Staatsbegräbnis beerdigt und unter großer Anteilnahme der Weltöffentlichkeit auf eigenen Wunsch hin in dem von ihr selbst gegründeten Kloster beigesetzt.

Bereits 1999 wurde der Seligsprechungsprozess mit besonderer Erlaubnis des damaligen Papstes Johannes Paul II. eingeleitet. Die Seligsprechung erfolgte nach vierjähriger Dauer des Verfahrens am 19. Oktober 2003.

Heute gehören über 3.000 Ordensschwestern und über 500 Ordensbrüder in 710 Häusern in 133 Ländern der Erde dem Orden von Mutter Teresa an. Sie wurde für ihr Wirken mehrfach ausgezeichnet und zur Ehrenbürgerin der Vereinigten Staaten von Amerika ernannt. Die bedeutendsten Preise waren 1978 der Balzan-Preis für Humanität, Frieden und Brüderlichkeit unter den Völkern und 1979 der Friedensnobelpreis. 1985 erhielt sie die „Freiheitsmedaille“, die höchst zivile Auszeichnung der USA.

In Albanien wird der Tag der Seligsprechung von Mutter Teresa als Nationalfeiertag begangen, an dem Behörden und Schulen geschlossen bleiben.  Der Flughafen Tirana trägt seit 2003, dem Jahr ihrer Seligsprechung,  ihren Namen. Im Kosovo wurde im Jahr 2010 an ihrem 13. Todestag eine nach ihr benannte Kathedrale in Pristina eingeweiht.

Ihr Leben wurde auf vielen Filmdokumenten festgehalten, so zum Beispiel hier.

Buchtipp:
Leo Maasburg
Mutter Teresa: Die wunderbaren Geschichten
Pattloch Verlag, München 2010

240 Seiten

Gebet der Seligen bei der Verleihung des Friedensnobelpreises am 10. Dezember 1979 in Oslo mit dem Auditorium:

Mach uns würdig, Herr, unseren Mitmenschen in der ganzen Welt zu dienen,
die in Armut und Hunger leben und sterben.
Gib Ihnen durch unsere Hände heute ihr tägliches Brot,
durch unsere verstehende Liebe Frieden und Freude.
Herr, mach mich zu einem Boten Deines Friedens,
dass ich dort, wo Hass ist, Liebe bringe;
wo Unrecht herrscht, den Geist des Verzeihens;
wo Uneinigkeit ist, Einigkeit;
wo Verzweiflung ist, Hoffnung;
wo Schatten sind, Licht; wo Traurigkeit ist, Freude.
Herr, gewähre, dass ich suche, eher zu trösten als getröstet zu werden;
zu verstehen als verstanden zu werden;
zu lieben als geliebt zu werden;
denn durch Selbstvergessen findet man;
durch Verzeihen erlangt man Verzeihung;
durch Sterben erwacht man zum ewigen Leben.
Amen."