Mutterrolle im Wandel

Besonders viele außereheliche Geburten in Schweden und Island

| 2646 klicks

ROM, 27. Mai 2009 (ZENIT.org).- In nordeuropäischen Staaten gibt es die meisten außerehelichen Kinder. Doch auch in den USA ist die Zahl unehelicher Geburten im Steigen begriffen. Das ist jüngst veröffentlichten Berichten des „U.S. Centers for Diesease Control and Prevention" (CDC) zu entnehmen.

Im Jahr 2007 gab es laut CDC 1,7 Millionen uneheliche Geburten in den USA - um 26 Prozent mehr als 2002. Insgesamt stammten in diesem Jahr somit vier von zehn Geburten von unverheirateten Frauen.

Entgegen verbreiteten Ängsten um jugendliche Single-Mütter fand 2007 eine besonders starke Zunahme bei Frauen zwischen 20 und 30 Jahren statt. Bei Müttern von 20 bis 24 Jahren stammten 60 Prozent aller Kinder aus nichtehelichen Verhältnissen; immerhin ein Drittel war es bei Frauen im Alter von 25 bis 29 Jahren. Insgesamt waren 45 Prozent aller Frauen in ihren 20ern, die im Jahr 2007 Kinder zur Welt brachten, unverheiratet.

Auch wenn 86 Prozent aller Kinder von Jugendlichen in unehelichen Verhältnissen geboren wurden, nimmt der Trend zu unverheirateten Müttern gerade bei älteren Frauen zu. Insgesamt gingen nur 23 Prozent aller unehelichen Geburten im Jahr 2007 auf das Konto von Teenagern - 1970 hatten sie noch 50 Prozent ausgemacht. Während hingegen 2007 ein Sechstel aller Frauen über 30, die Kinder zur Welt brachten, unverheiratet war, so traf das 1970 gerade einmal auf eine von zwölf Frauen zu. Die höchste Rate an unehelichen Geburten weisen laut CDC-Report Frauen in ihren frühen 20ern auf.

Eine im Vergleich zu den USA geringere Rate außerehelicher Geburten gibt es mit weniger als 30 Prozent in Deutschland, Spanien, Kanada, Italien und Japan. In anderen europäischen Ländern sind die Zahlen laut Eurostat, dem offiziellen Statistikorgan der Europäischen Union, deutlich höher. Die Zahl außerehelicher Geburten betrug im Jahr 2007 in Dänemark 46,1 Prozent, in Frankreich 51,7 Prozent, in Schweden 54,8 Prozent und in Island sogar 63,8 Prozent.

Der Päpstliche Rat für die Familie widmete sich bereits im Jahr 2000 im Schreiben Ehe, Familie und faktischer Lebensgemeinschaften der Zunahme eheloser Lebensgemeinschaften, die „nicht Ergebnis einer vereinzelten und spontanen kulturellen Bewegung" sei, „sondern den geschichtlichen Wandlungen" entspreche: „Die Verkleinerung des Agrarsektors, die Entwicklung des Dienstleistungssektors in der Wirtschaft, die steigende durchschnittliche Lebenserwartung, die Unbeständigkeit des Arbeitsverhältnisses und der persönlichen Beziehungen, die sinkende Zahl der Familienangehörigen, die unter einem Dach leben, die weltweite Ausdehnung der sozialen und wirtschaftlichen Phänomene haben offenkundig zu einer steigenden Unbeständigkeit der Stellung der Familie geführt und das Ideal einer kleineren Familie gefördert."

Mit rein wirtschaftlichen Ursachen allein könnten solche Lebensentscheidungen aber nicht begründet werden: „Nur allzu oft liegen die eigentlichen Gründe viel tiefer. Nicht selten verbirgt sich hinter diesen Vorwänden eine Einstellung, die der Sexualität nicht den richtigen Wert beimisst. Diese Mentalität ist von Pragmatismus, Hedonismus und von einem Liebesbegriff geprägt, der nicht die Übernahme von Verantwortung einschließt. Dadurch entgeht man der Verpflichtung zur Beständigkeit, der Übernahme von Verantwortung, Rechten, Pflichten, die mit echter ehelicher Liebe verbunden sind."

Die Kirche sehe in der Familie und ehelichen Liebe „ein Geschenk der Gemeinschaft des Gottes der Barmherzigkeit mit der Menschheit, ein wertvoller Schatz der Heiligkeit und der Gnade, die in der Welt aufleuchtet", heißt es in dem Dokument. Aus diesem Grund lade die Kirche alle Menschen ein, „die für die Sache des Menschen kämpfen, sich ihren Bemühungen zur Förderung der Familie und ihrer innigsten Lebensquelle, welche die Ehegemeinschaft ist, anzuschließen."

Es sei entscheidend, den wesentlichen Unterschied zwischen Ehe und Lebensgemeinschaft richtig zu verstehen: „Die Familie entspringt dem Ehebund der Eheleute. Dieser Bund der ehelichen Liebe begründet die Ehe. Die Ehe ist damit keine Einrichtung der öffentlichen Gewalt, sondern eine natürliche und ursprüngliche Institution, die ihr vorangeht. In den faktischen Lebensgemeinschaften verleiht man zwar der gegenseitigen Zuneigung Ausdruck, doch es fehlt das die Familie begründende Eheband mit seinem ursprünglichen und öffentlichen Charakter. Familie und Leben bilden eine wesentliche Einheit, die durch die Gesellschaft geschützt werden muss, geht es doch hier um den lebendigen Kern der menschlichen Genealogie."



Von P. John Flynn LC und Stefan Beig