Myanmar: Der Präsident hat das Militär nicht unter Kontrolle

So erklärte am Samstag der Erzbischof von Rangun, Charles Bo, auf einer Veranstaltung des katholischen Hilfswerks "Kirche in Not" im Wallfahrtsort Vierzehnheiligen

München, (KIN) | 674 klicks

Kritisch sieht der Erzbischof von Rangun, Charles Bo, die Fortschritte des Reformprozesses in Myanmar. Auf einer Veranstaltung des weltweiten katholischen Hilfswerks "Kirche in Not" im Wallfahrtsort Vierzehnheiligen sagte Bo am Samstag, der demokratische Umschwung im Land sei 2011 nicht so plötzlich gekommen, wie es viele Kommentatoren beschrieben hätten. Die Militärregierung hätte die Reformen vielmehr jahrelang vorbereitet, um den drückenden Sanktionen der USA und ihrer Verbündeten zu entgehen. Das Verhalten der Armee während der jüngsten Auseinandersetzung verschiedener Volksgruppen gebe Anlass zur Sorge. "Präsident Thein Sein scheint ein starker Mann zu sein. Allerdings hat er das Militär offensichtlich nicht unter Kontrolle", kritisierte Bo.

Gemeinsam mit dem Erzbischof berichtete der Salesianerpater Charles Saw während eines Podiumsgesprächs über die allgemeine Lage der Menschenrechte in Myanmar, das früher Birma hieß. Insgesamt sei eine gewisse Lockerung zu beobachten – so zum Beispiel im Umgang mit Devisen. "Früher war es so, dass man sieben Jahre ins Gefängnis geworfen werden konnte, wenn man einen Dollar besaß", erzählte Pater Saw. Auch die Redefreiheit werde heute umfassender ernst genommen, wie er augenzwinkernd betonte: "Früher waren wir nur vor einer Rede frei, heute sind wir es auch noch hinterher!" Trotz all dieser Erleichterungen gebe es noch immer "Altlasten" und nicht hinnehmbare Einschränkungen der Menschenrechte im Vielvölkerstaat Myanmar. "Um in hohe Ämter und Machtpositionen zu gelangen, muss man immer noch der Volksgruppe der Birmanen angehören und zusätzlich Buddhist sein", berichtete Erzbischof Bo. Diese Vorgaben schlössen mindestens 30 Prozent der Bevölkerung von der politischen Macht aus. 

Ein weiteres Problem seien nach den Worten Pater Saws die von der Militärdiktatur künstlich geschaffenen Verwaltungsbezirke Myanmars. "Diese wurden ohne Rücksicht auf traditionelle Stammesgrenzen und Volksgruppen gezogen und werden von hochrangigen Militärs geleitet", berichtete er. "Viele unserer Minderheiten leben in rohstoffreichen Gebieten. Diese Menschen fühlen sich von der Bevölkerungsmehrheit der Birmanen ungenügend am Reichtum ihrer Heimat beteiligt." Dieser ethnische Konflikt sei der wahre Hintergrund für die jüngsten, im Westen als "religiös begründet" wahrgenommenen, blutigen Auseinandersetzungen zwischen Buddhisten und Muslimen in Myanmar. "Die Birmanen sind meist Buddhisten, die Minderheiten meist Muslime, Hindus oder Christen", erklärte Pater Saw. Allerdings habe die Religion den ethnischen Konflikt durchaus zusätzlich religiös aufgeladen, ergänzte Erzbischof Bo. "Sowohl in der muslimischen Minderheit als auch in der buddhistischen Mehrheit gibt es einige Fanatiker. Aber wir religiösen Führer von Buddhisten, Muslimen, Christen und Hindus sitzen bereits gemeinsam am Verhandlungstisch, um dieses Problem zu lösen." Abschließend appellierte der Erzbischof an die USA und die Europäische Union, weiterhin ein wachsames Auge auf den Demokratisierungsprozess in Myanmar zu haben. "Wir brauchen die Unterstützung der internationalen Gemeinschaft, um unseren Reformprozess voranzubringen", sagte Bo.

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