Nach Priestermord auf Sansibar warnt Bischof Shao vor Eskalation

Die Regierung müsse handeln, Islamistische Gruppen schürten Hass, Christen lebten in Angst

Rom, (ZENIT.orgKIN) | 1446 klicks

Nach dem Mord an einem katholischen Priester auf Sansibar am 17. Februar hat der Bischof von Sansibar, Augustine Ndeliakyama Shao, vor wachsender, religiös motivierter Gewalt auf der zu Tansania gehörenden teilautonomen Insel gewarnt. Im Gespräch mit dem internationalen katholischen Hilfswerk „Kirche in Not“ betonte der Bischof von Sansibar: „Die Ideologie, die einige wenige Islamisten auf Sansibar verbreiten, besagt, dass die islamische Mehrheit keine anderen Religionen dulden dürfe.“

Nach den Worten von Bischof Shao haben die Spannungen auf der westafrikanischen Insel in den letzten Monaten Stück für Stück zugenommen. Priester und Bischöfe wurden bedroht. „Wir sind für diese Fundamentalisten ein Ziel geworden. Bereits Weihnachten war ein Priester angeschossen worden, jetzt wurde ein anderer meiner Priester erschossen. Ein Scheich, der zur Mäßigung aufgerufen hatte, wurde mit Säure attackiert und liegt nun im Krankenhaus“, so Bischof Shao. Der getötete Priester Evarist Mushi wurde am 20. Februar unter großer Anteilnahme der Bevölkerung beigesetzt. In allen Diözesen des Landes wurden Messen für den Verstorbenen gelesen und für den Frieden gebetet. Bischof Shao rief die Regierung Tansanias zu entschlossenen Handeln auf: „Die Regierung muss die Sicherheit der Bevölkerung garantieren, insbesondere die der Minderheiten. Zu lange hat sie geschwiegen und zugelassen, dass Propaganda und Hass gegen Andersgläubige verbreitet werden. Wir hoffen, dass die internationale Gemeinschaft die Regierungen von Sansibar und Tanganjika drängt, die Gewalt zu stoppen.“

Von einer heiklen Entwicklung auf Sansibar, deren Bevölkerung mehrheitlich muslimischen Glaubens ist, spricht auch Pater Andrzej Halemba, Referent von „Kirche in Not“. 2012 waren mehrere christliche Kirchen verschiedener Konfessionen in Brand gesteckt worden. Auslöser der Gewalt war offenbar die Festnahme von Mitgliedern einer extremistischen Vereinigung, die auf Sansibar einen islamischen Staat sowie die Scharia einführen will. Pater Halemba: „Die Entwicklung bereitet uns große Sorge. Hier sind offenkundig extreme Kräfte am Werk, die das Land gezielt destabilisieren wollen. Gerade deshalb fördert ‚Kirche in Not‘ aber auch den Dialog zwischen Christen und Muslimen. Die Bischöfe Tansanias wollen ein friedliches Miteinander sichern.“