Nachfeier des 80. Geburtstags von Kardinal Kasper in der Deutschen Botschaft in Rom

Denn unsers Lebens Summe sind siebzig Jahr, und sind wir rüstig, können es achtzig sein (Ps 89, 10)

Rom, (ZENIT.org) Jan Bentz | 614 klicks

Hochrangige Kirchenvertreter, prominente Persönlichkeiten und führende Publizisten trafen sich am gestrigen Abend zur Nachfeier des 80. Geburtstags von Walter Kardinal Kasper, die von der Deutschen Botschaft am Heiligen Stuhl am gestrigen Abend in ihren Räumlichkeiten in Rom in der Via dei Tre Orologi organisiert worden war.

Zugegen waren unter anderem Walter Kardinal Brandmüller, Erzbischof Gerhard Ludwig Müller, Präfekt der Kongregation für die Glaubenslehre, Abtprimas Dr. Notker Wolf OSB, der Generalabt der Prämonstratenser, Thomas Handgrätinger OPraem, und Dr. Hans-Peter Fischer, Direktor des Campo Santa Teutonico. Aus dem Medienbereich neben den großen deutschen Fernsehsendern auch der Publizist Paul Badde und der Direktor der deutschsprachigen Redaktion von Radio Vatikan, Bernd Hagenkord SJ.

Nach einem herzlichen Willkommensgruß des deutschen Botschafters am Heiligen Stuhl, Dr. Reinhard Schweppe, würdigte Dr. Georg Augustin, Herausgeber der Gesammelten Schriften des Kardinals, in einer Laudatio das Werk und das theologische und ökumenische Wirken des Kardinals. Er stellte kurz die Herausgabe der Gesammelten Schriften vor und kündigte bei dieser Gelegenheit einige Initiativen an, die in der nächsten Zeit geplant sind, darunter auch Kongresse in Deutschland. Interessierten wurden Exemplare der umfangreichen Festschrift zum Thema „Christus bekennen und verkünden“ mit dem Titel „Mein Herr und mein Gott" ausgegeben.

Mit einem Zitat aus Psalm 89 bezeichnete Walter Kardinal Kasper in seiner kurzen Ansprache sein langes Leben als Geschenk Gottes: „Denn unsers Lebens Summe sind siebzig Jahr, und sind wir rüstig, können es achtzig sein“ (Ps 89, 10), wies aber ausdrücklich darauf hin, dass er es auch all denen verdanke, die ihn die Jahre über begleitet hätten. Im kirchlichen Bereich lobte er vor allem die in den vergangenen Jahrzehnten besonders fühlbar gewordenen Anstrengungen in der Kirche um den Frieden mit dem Judentum.

In Anekdoten und persönlichen Erlebnissen während seiner Reisen nach Afrika und Indien schilderte der Kardinal in einem kleinen Rückblick sein Leben, das von Freude statt von Resignation geprägt gewesen sei. Er kündigte an, auch zukünftig neugierig bleiben zu wollen: „Wenn man aufhört, neugierig zu sein, dann ist man wirklich alt geworden", so Kasper.

Herzlich bedankte er sich bei allen Anwesenden für ihr Kommen und ihre Gebete, um die er auch für die folgenden Jahre bat.

Kardinal Kasper wurde am 5. März 80 Jahre alt und war damit dem Kirchenrecht entsprechend als wahlberechtigter Konklave-Teilnehmer ausgeschieden. Da das vergangene Konklave aber zum Zeitpunkt des Geburtstags bereits angekündigt worden war, durfte der Würdenträger trotz seines Alters noch an der Wahl des Nachfolgers von Benedikt XVI. teilnehmen.

Walter Kardinal Kasper gehört zu den maßgeblichen Theologen und Vordenkern der nachkonziliaren Ökumene. Als theologischer Lehrer, Bischof und Verantwortlicher für die Beziehungen der katholischen Kirche zum Judentum und zu den anderen christlichen Kirchen hat er die theologische Diskussion der letzten fünf Jahrzehnte entscheidend mitgeprägt.

Seine Gesammelten Schriften werden in Zusammenarbeit mit dem „Kardinal-Walter-Kasper-Institut für Theologie, Ökumene und Spiritualität“ an der Philosophisch-Theologischen Hochschule in Vallendar herausgegeben. Geplant sind 18 Bände, die Predigten und bisher unveröffentlichte Schriften mit einbeziehen werden. Bisher sind im Herder-Verlag neun Bände verfügbar.

Papst Franziskus hatte beim Angelus-Gebet am Sonntag, dem 17. März, das neuste Buch Kaspers „Barmherzigkeit: Grundbegriff des Evangeliums“ zitiert: „In den letzten Tagen hatte ich Gelegenheit, ein Buch über die Barmherzigkeit zu lesen. Der Verfasser dieses Werkes ist ein Kardinal: Kardinal Kasper, ein sehr fähiger, großartiger Theologe.“

Kardinal Kasper wurde am 4. April 1989 als Nachfolger von Bischof Georg Moser zum Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart ernannt, darauffolgend zum Sekretär des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen. Ab 1970 lehrte er Dogmatik an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen und war 1979/80 in den kirchlichen Streit um Hans Küngs Lehrerlaubnis involviert, wobei er sich für dessen Ausschluss aus der Fakultät aussprach.

Am 21. Februar 2001 kreierte ihn der selige Johannes Paul II. zum Kardinal. Walter Kasper ist Mitglied der Glaubenskongregation, der Kongregation für die orientalischen Kirchen, der Apostolischen Signatur, des Päpstlichen Rates für die Gesetzestexte und des Päpstlichen Rates für die Kultur.

Er trägt 22 Ehrendoktortitel von Universitäten aus der ganzen Welt. Sein Wirken wurde mit 25 Auszeichnungen gewürdigt, darunter das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse (1987), das Großkreuz des Malteserordens (1995) und das Große Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland mit Stern und Schulterband (2004).