Nachfolgeartikel: Dramatische Vortragsweise bei Messfeier

Gott spricht durch den Mund des Lektors

Rom, (ZENIT.org) Edward McNamara LC | 551 klicks

P. Edward McNamara, Professor für Liturgie am Päpstlichen Athenäum „Regina Apostolorum“ in Rom, beantwortet Leserfragen.

Der Artikel über Lesungen, die auf dramatische Weise vorgetragen werden (12. Juli), hatte zu verschiedenen interessanten Reaktionen geführt, zu denen P. McNamara Stellung nehmen wollte:

P. Edward McNamara: Ein Priester englischer Sprache, der uns aus Belgien schrieb, machte den folgenden wertvollen, auf Erfahrung beruhenden Vorschlag:

„Bei der Ausbildung von Lektoren und Seminaristen habe ich es immer als hilfreich empfunden, sie aufzufordern, sich vorzustellen, ‚über Radio‘ zu sprechen und nicht so sehr, dass sie ‚im Fernsehen erscheinen‘ würden. Das führt dazu, dass sie darüber nachdenken, wie sie ihre Stimme am besten benutzen können, um das Wort des Herrn zu verkünden, ohne sich durch Blicke auf die Gemeinde, Gesichtsausdrücke, Gesten usw. zerstreuen zu lassen. Dieser Ansatz erlaubt es dem Vortragenden, an die Zuhörerschaft zu denken, und dafür zu sorgen, dass den Gegenüberstehenden der Sinn des Textes in dem Augenblick, in dem Gott durch ihren Mund spricht, so klar wie möglich vermittelt wird. Es erlaubt ihnen auch, sich selbst zu vergegenwärtigen, dass ‚das gesprochen Wort‘, das sie vortragen, Gottes lebendiges Wort und daher von allem das Wichtigste ist. Der Versuchung, den Text ‚auf dramatische Weise vorzutragen‘, schiebt es ebenso einen Riegel vor.“

Ein weiterer Priester, der Grüße aus Australien sandte, stellte folgende Frage: „Stellen die Lesungen am Palmsonntag/Passionssonntag und am Karfreitag eine Ausnahme dar? Das für den liturgischen Gebrauch in Australien approbierte Lektionar sieht Abschnitte für verschiedene Lektoren vor. Ist dies keine dramatische Vortragsweise? Ist das zulässig?“

In gewissem Sinne stellt die Lesung der Passion am Palmsonntag und Karfreitag, bei der gewisse dramatische Elemente vorhanden sein dürfen, eine Ausnahme dar, wobei dies aber ganz und gar nicht zu einem Theaterspiel ausartet. Die Lektoren und Kantoren behalten die traditionelle Nüchternheit des Ritus bei und vermeiden besondere Gesichtsausdrücke und Gesten.

Die genannten Lesungen können von drei Lektoren oder Kantoren vorgetragen werden, wobei jeder eine besondere Rolle übernimmt. Ein Lektor übernimmt den Part des Erzählers, ein weiterer, für gewöhnlich der Priester, spricht die Worte unseres Herrn und der dritte übernimmt die Rolle aller anderen, die zu Wort kommen.

Bisweilen kann ein Chor oder sogar die versammelte Gemeinde die Rolle der Menge übernehmen oder sprechen, wenn verschiedene Personen im Evangelium gleichzeitig zu Wort kommen.

Der „dramatische“ und geistige Effekt, der sich bei der versammelten Gemeinde einstellt, wenn sie es ist – und nicht nur ein Lektor –, die ausruft: „Ans Kreuz mit ihm“, kann recht bewegend sein und durchaus die Verantwortung, die jeder Einzelne mit seiner persönlichen Schuld am Leiden unseres Herrn trägt, deutlicher herausstellen.

Die Leidensgeschichte vom Palmsonntag ist im Vatikan nun seit mehreren Jahren in Folge von drei Diakonen und einem Chor auf Italienisch gesungen worden. Die Diakone tragen sie in nüchternem Ton vor, jedoch mit geringen Variationen, die der jeweiligen Person, die dargestellt wird, entsprechen. Der Chor trägt in polyphonischem Stil den Teil vor, der der Menge entspricht.

Am Karfreitag geht man genauso vor, benutzt aber die traditionellen lateinischen Gesänge, wobei der Chor der Sixtinischen Kapelle die feierliche Polyphonie übernimmt. In beiden Fällen dauern die Lesungen etwa 50 Minuten.

Der Vortrag der Lesungen mit verteilten Rollen ist bisweilen auch bei Messfeiern mit Kindern erlaubt, sofern eine solche Vorgehensweise das Verständnis fördert (siehe Nr. 47 des Direktoriums für Kindermessen, Kongregation für den Gottesdienst, 1. November 1973).

Übersetzt von P. Thomas Fox, LC, aus dem englischen Originalartikel Efficacy of the Penitential Rite