Nächstenliebe verändert die Welt

Carl Anderson beim Meeting der Freundschaft in Rimini

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RIMINI, 3. September 2009 (ZENIT.org).- Einer der prominenten Redner beim eben zu Ende gegangenen Meeting für die Freundschaft unter den Völkern in Rimini (ZENIT berichtete) war Carl Anderson, Leiter der Knights of Columbus. Die Kolumbus-Ritter sind weltweit eine der größten brüderlichen Laienorganisationen der katholischen Kirche. Der Orden wurde im Jahr 1882 in den USA gegründet. Anderson ist der „Höchste Ritter".

„Ich glaube, dass Katholiken und katholische Organisationen und Bewegungen die hervorragende Chance haben, sowohl andere Katholiken, als auch die Welt insgesamt durch Nächstenliebe zu erreichen", betonte Carl Anderson in seinem Vortrag. „Wir sind als Christen von Christus dazu berufen, durch ‚die Art, wie wir einander lieben', erkannt zu werden". Gerade die Kolumbus-Ritter könnten wegen ihrer Verbundenheit mit der Kirche und ihrer Kooperation mit anderen Organisationen ein Modell für katholische Bewegungen sein. „Wir haben großartige und bleibende Beziehungen aufgebaut und konnten dabei das Gute, das wir tun, durch die Zusammenarbeit mit anderen Gruppen exponentiell steigern". Die Special Olympics, die amerikanische Wheelchair Mission („Rollstuhl Mission"), Habitat for Humanity („Lebensraum für die Menschheit") sowie andere katholische Wohltätigkeitsorganisationen nannte Anderson in diesem Zusammenhang. Schon vor vielen Jahren habe mit diesen Einrichtungen eine Kooperation begonnen.

„Ebenso arbeiteten wir von Anfang an auf allen Ebenen eng mit der katholischen Kirche zusammen: innerhalb unserer Pfarren, unseren Diözesen und mit dem Heiligen Vater. Indem wir uns in den Dienst an Kirche und Gemeinschaft stellen und in und mit beiden arbeiten, sind wir besser in der Lage, dem Ruf Christi zur Liebe zu unserem Nächsten zu entsprechen."  Die Zusammenarbeit mit der Kirche und anderen Organisationen, die Gutes anstreben, könne für all jene ein Vorbild sein, „die danach streben, die Welt zu verändern, indem sie Menschen dazu ermutigen, Ja zu Jesus zu sagen".

Anderson betonte, dass das Antlitz der Kirche nirgendwo attraktiver sei „als in der offenen Umarmung unseres Nächsten. Jede Begegnung mit bedürftigen Menschen ist eine Gelegenheit, eine Zivilisation der Liebe zu schaffen", so Anderson. „Manchmal können Statistiken und der schiere Umfang guter Arbeiten die praktischen Auswirkungen nur schwer veranschaulichen. Dass eine Organisation wie die unsere funktioniert - und seit 127 Jahren nicht aufhört zu funktionieren - ist Ergebnis jeder Begegnung zwischen einem unserer Mitglieder und seinem Nächsten. Beide werden verändert, aber die Veränderung für denjenigen, der hilft, ist oft profunder."

Für Carl Anderson sind „Momente, in denen ich die Auswirkungen unserer Arbeit aus erster Hand sehen kann, am bewegendsten; nicht die Millionen von gespendeten Dollars und Stunden, nicht die bloße Anzahl an Projekten. Wie uns Papst Benedikt oft erinnert, geht es überhaupt nicht um Zahlen. Es geht darum, im Dienst an unserem Nächsten Ja zu Jesus Christus zu sagen. Es geht darum, das Antlitz Christi im Gesicht jeder Person zu sehen, die unsere Hilfe braucht."

Als Beispiel nannte Anderson eine Initiative in Mexiko-Stadt, bei der Rollstühle an behinderte Menschen verteilt wurden, die zu arm waren, um sich selbst welche zu kaufen. „Die Erfahrung, einer Person zu Mobilität zu verhelfen, die sich vorher über Beton und Schmutz schleppen musste, ist unbeschreiblich... Einer der Menschen, denen ich einen Rollstuhl gab, war ein junges Mädchen namens Funy. Sie schrieb einen Brief, in dem sie die Ritter als ihre ‚kostbaren Schätze' und ihre ‚Engel' bezeichnete... Das ist die Art von Erfahrung, die unsere Mitglieder Millionen Mal im Jahr haben, wenn sie ihrem Nächsten dienen."

Die Arbeit der Kolumbus-Ritter unterstreiche auch die Worte des Apostolischen Schreiben des Papstes über die Eucharistie: „Die Gemeinschaft besitzt immer und untrennbar eine vertikale und eine horizontale Dimension: Gemeinschaft mit Gott und Gemeinschaft mit den Brüdern und Schwestern. Die beiden Dimensionen begegnen sich geheimnisvoll in der eucharistischen Gabe" (Sacramentum Caritatis, 76). Auch die Nächstenliebe der Kolumbus-Ritter würde daher „in der Andacht zur Eucharistie und zur seligen Jungfrau Maria wurzeln. Bei Christi Aufzählung der Gebote stand unsere Liebe zu Gott an erster Stelle, dann die Liebe zu unserem Nächsten, so wie zu uns selbst."

Zwei Prinzipien nannte der Leiter der Kolumbus-Ritter in diesem Zusammenhang: Einheit - „die Gemeinschaft untereinander, mit der Pfarre, mit der Kirche und auf diese Weise mit Gott selbst" - und Nächstenliebe - „wo wir Christus begegnen, indem wir uns selbst gemeinsam mit unseren Mitbrüdern hingeben". Beide Prinzipien hingen miteinander zusammen: „Nicht nur begegnen wir Christus in jenen, denen wir helfen; darüber hinaus stärken wir unsere Einheit und versorgen unsere Mitglieder durch Werke der Nächstenliebe mit einer starken Bildung. Die Erfahrung unserer Werke der Barmherzigkeit verdeutlicht uns, was der Papst schrieb: ‚Es gibt keine gerechte Staatsordnung, die den Dienst der Liebe überflüssig machen könnte. Wer die Liebe abschaffen will, ist dabei, den Menschen als Menschen abzuschaffen. Immer wird es Leid geben, das Tröstung und Hilfe braucht. Immer wird es Einsamkeit geben. Immer wird es auch die Situationen materieller Not geben, in denen Hilfe im Sinn gelebter Nächstenliebe nötig ist' (Deus caritas est, 28b).

Liebe in Wahrheit sei - im Sinn der letzten Enzyklika des Papstes - ein „authentisches Geschenk von uns selbst". Sie gehe über rein soziale Arbeit, die auch der Staat verrichten könne, hinaus. „Nächstenliebe ist genauso unentbehrlich für jene, die sie weitergeben, wie für jene, die sie empfangen, denn jede barmherzige Tat spricht die wirkliche Sprache von Glaube und Hoffnung, und jedes Mal, wenn diese Sprache gesprochen wird, baut sie eine Zivilisation der Liebe auf."