"Nacht der Heiligen" ausverkauft in Rom

Interview mit Francesco D'Orazio, Mitglied des Organisationskommittees von "La Notte dei Santi"

Rom, (ZENIT.org) Federico Cenci | 410 klicks

An einem Ort des römischen Viertels Appio Latino“ werden sich in dieser Nacht etwa 1000 junge Menschen einfinden. Es handelt sich dabei nicht um eine Diskothek oder Halloween-Feier, sondern um etwas völlig anderes. Der Treffpunkt dieser vielen Menschen ist das von der Allerheiligenkirche einen kurzen Spaziergang entfernte Theater „Orione“. Dieser Umstand ist keineswegs zufällig.

In Anlehnung an den Festtag Allerheiligen lautet das Thema der Begegnung La Notte dei Santi“ (Die Nacht der Heiligen). Die mit diesem Namen bezeichnete Veranstaltung gilt bereits seit einigen Tagen als „ausverkauft“. ZENIT hatte dazu ein Gespräch mit Francesco d’Orazi, Mitglied des Organisationskommittees.

Francesco, zu welchem Zeitpunkt und aus welchem Grund entstand die Idee zur „Nacht der Heiligen“?

Francesco d’Orazio: Die Idee zu einer Veranstaltung, bei der junge Menschen im Rahmen einer so besonderen Nacht wie jener des Allerheiligenfestes den Herrn Jesus preisen, geht auf das Jahr 2010 zurück. Damals unterbreiteten wir dem Bischof von Palestrina Msgr. Domenico Sigalini den Vorschlag der ersten Gebetswache mit der Bezeichnung „La Notte dello Spirito“. Es war vollkommen klar, dass die von Halloween verbreitete Kultur der Dunkelheit und des Todes Fuß fassen würde. Unseres Erachtens konnte die katholische Kirche nicht so tun, als ob es sich um eine flüchtige Modeerscheinung handle, sondern musste vielmehr mit der Botschaft des Lebens und des Lichtes reagieren, der Botschaft des Evangeliums Jesu Christi.

Mit Hilfe der Diözese von Palestrina und einigen weiteren katholischen Realitäten wie der Gemeinschaft Nuovi Orizzonti“ (Neue Horizonte)  von Chiara Amirante und der Gemeinschaft Nuovi Apostoli“ (Neue Apostel) bildeten wir die erste 17-köpfige „rock band“. So entstand 2013die mit einem ähnlichen Titel versehene Wache La Notte dei Santi“. Sie umfasst Konzerte, Zeugnisse und Anbetung, ein von den Teilnehmern sehr geschätzter Aufbau.

Zunächst wurde der interessante Name „Tiramisù Cristiano“ als Titel der Veranstaltung gewählt…

Francesco D’Orazio: Diese im Jahr 2010 von uns gewählte Bezeichnung sollte ein Wortspiel für die bekannte Süßspeise, die dank der Zusammensetzung der Zutaten die Energien erneut wachruft und die Botschaft, wonach ein Christ nie den Mut verlieren und sich von den Schwierigkeiten des Lebens schwächen lassen soll. In dritter Hinsicht soll auch an jenen Schrei erinnert werden, den der Leidende an einen bekennenden Gläubigen richtet. Es handelt sich gleichsam um den lautstarken Ausruf: „Ziehe mich hoch, (du als) Christ!“ Der einzige Grund, warum wir ihn änderten, ist unser Ansinnen, mit größerer Unmittelbarkeit erkennbar zu machen, dass der 31. Oktober nicht die Halloweennacht, sondern eben die Nacht der Heiligen ist.

In den vergangenen Wochen habt ihr zur Bekanntmachung des Ereignisses eine Reihe von „flash mobs“ und Videos in Eigenproduktion vorbereitet. Kannst du uns darüber berichten?

Francesco D’Orazio: Der Gedanken der Produktion von Mikrofilmen unter dem Motto des Abends Accendi la tua luce“ (Entzünde dein Licht) basiert auf dem Wunsch, der Fantasie der Jugendlichen Raum zu geben. Es war uns sehr wichtig, das Fest vor dem 31. Oktober zu beginnen. Die Idee der Einbindung der jungen Menschen aller italienischen Städte in einem kollektiven Schrei, der die so oft erlebt Apathie durchbricht, war gleichsam eine natürliche Folge. Entzünde dein Licht“ steht für die Aufforderung, das eigene Leben wieder in die Hand zu nehmen und im Licht jener großen Freude erstrahlen zu lassen, die der Gegenwart Jesu Christi entspringt. Eine Vielzahl von Videos erreichte uns, darunter waren einige aus Frankreich, den Vereinigten Staaten … Der im Anschluss daran entstandene flash mob“ war eine wunderbare Erfahrung. Diese wurde mit vielen jungen Menschen gemeinsam erlebt, die sich mit unserem Ausruf dieses Motos in der „Piazza di Spagna“ vereinten.

Im Laufe des Abends wird auch eine Musikgruppe namens „The Sun“ auftreten. Hat diese „rock band“ tatsächlich einen besonderen Weg hinter sich?

Francesco D’Orazio: Ja, sie erlebten internationale Erfolge, erkannten jedoch irgendwann, dass ihren Leben etwas fehlte.

Üblicherweise führt innere Unruhe zu erheblichen Missverständnissen, die mit „Zerstörung und Trennung“ einhergehen. Es trug sich jedoch zu, dass der Herr sich dieser jungen Menschen annahm und über einen Weg der persönlichen Umkehr zunächst an Francesco und dann an die anderen einen Aufruf richtete und alles in seine Hände nahm. So entstand „The Sun“. Die Gruppe begann damit, eine Botschaft der Liebe, der Schönheit der Wiedergeburt und der persönlichen Rückeroberung musikalisch umzusetzen. Tausende von junge Menschen konnten sich in dieser Botschaft wiederfinden und näherten sich Jesus an.

Das Ereignis verzeichnet einen derart großen Zustrom, dass bereits seit einigen Tagen alle Plätze ausverkauft sind. Wie lässt sich diese Begeisterung erklären?

Francesco D’Orazio: Vor allem möchte ich betonen, wie schön es ist, eine so große Anteilnahme zu erleben. Wir erhielten zumindest 100 Anfragen pro Tag und tatsächlich hatten wir nach zehn Tagen die Plätze ausverkauft. Allerdings stelle ich mir folgende Frage, ohne dabei jedoch polemisieren zu wollen: Was erwarteten wir uns als katholische Kirche? Wir haben noch 250 Anfragen, die wir nicht erfüllen können, und wer weiß, wie viele noch kommen werden. Die Jugendlichen rufen hier und müssen unter sich sein und zwar in der Kirche, denn sie haben Fragen und verlangen nach Antworten. Wenn wir sie nicht anhören, wenn wir ihnen nicht die Möglichkeit des Zusammenseins bieten, der Begegnung mit Christi über die Anbetung geben ….

Dennoch mangelt es italienweit nicht an ähnlichen Initiativen…

Francesco D’Orazio: Ich glaube, dass sich die Diözesen Italiens in diesem Jahr mehr als je zuvor mobilisierten, um ähnlich wie unsere Initiative Augenblicke des Gebetes und des Zusammenseins ins Leben zu rufen. Dies begrüßen wir insofern, als die Initiative „Entzünde dein Licht“ zur Einrichtung von Gebetswachen auch dem eigenen Priester oder Bischof vorgeschlagen werden kann. So entzünden wir das Licht in unserer Wirklichkeit!

Aus welchem Grund endet die Veranstaltung mit einer Anbetung?

Francesco D’Orazio: Wir glauben, dass dies die schönste Art des Abschlusses ist. Wir kehren nach der Zeit mit Jesus gleichsam nach Hause zurück und sprechen im Vertrauen mit ihm. Wenn wir vor dem Allerheiligsten seufzen, so ist dies ein enormes Geschenk, mit dem Jesus sich in unserem Herzen spürbar macht.