Naher Osten: Gemeinsamer Friedensappell der christlichen Hirten

Unterzeichner fordern politische Kursänderung und Wiederaufnahme von Verhandlungen

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JERUSALEM, 16. Januar 2007 (ZENIT.org).- Hochrangige Kirchenvertreter im Nahen Osten haben die politisch Verantwortlichen auf israelischer und palästinensischer Seite dazu aufgefordert, an den Verhandlungstisch zurückzukehren.



Aufgrund ihrer „Sorge über die gegenwärtige Lage in den Palästinensergebieten“ beklagen der Lateinische Patriarch von Jerusalem, Erzbischof Michel Sabbah, und zwölf weitere christliche Hirten die Verschlechterung der Beziehungen zwischen den Führern von Fatah und Hamas und deren Streitkräften. Sie appellieren an die Palästinenser, eine echte Einheit ihres Volkes zu fördern und die Waffen von den Straßen zu entfernen.

Die christlichen Hirten von Jerusalem kritisieren, dass jüngste Ereignisse nur die Gefahr eines Bürgerkriegs immer wahrscheinlicher machten. Die Folgen eines solchen Krieges würden „derart bedrohliche Ausmaße annehmen, dass die wirklichen Prioritäten des gesamten Palästinenserproblems verdunkelt würden“.

Die Unterzeichner der Erklärung, die ZENIT am Freitag zugesandt wurde, unterstreichen die Notwendigkeit einer politischen Kursänderung, insbesondere im Hinblick auf das Schicksal von Kindern und Jugendlichen, die eine bessere Zukunft verdienten.

„Blutvergießen und Gewalt werden keinen Frieden bringen; sie werden nur noch mehr zur Zerstörung des Lebens in der Familie führen und die Wirtschaft unseres Landes weiter gefährden“, betonen sie.

Nun sei die Zeit gekommen, um Gott den Allmächtigen um Frieden anzuflehen sowie um eine konkrete „Möglichkeit der Ruhe“, die es allen betroffenen Politikern ermögliche, „über die verschiedenen Angelegenheiten nachzudenken, die auf dem Spiel stehen“.

Die Hirten fordern die Politiker dazu auf, von gegenseitigen Beschuldigungen abzusehen und stattdessen „für seine Nachbarn im weitesten Sinn zu beten“. Es sei jetzt die Zeit gekommen, um die Einheit zu stärken, fügen sie hinzu. „Die Bekämpfung und Entführung von Gegnern werden weder die Mauern der Trennung einreißen noch die Ausfuhrsperre, die dem palästinensischen Volk auferlegt wurde, beenden.“

Die Patriarchen und Hirten der Kirchen in Jerusalem erklären sich bereit, als Vermittler beziehungsweise in jeder erforderlichen Form zur Entspannung beizutragen. „Es ist unerlässlich, einen echten Sinn für Einheit in die Regierung hineinzutragen, die Sicherheitskräfte zu vereinen, die Waffen aus den Straßen zu entfernen und die israelischen und palästinensischen Führer zu ermutigen, an den Verhandlungstisch zurückzukehren“, bekräftigen sie abschließend.

Zu den Unterzeichnern gehören:

-- Patriarch Theolophilos III., Griechisch-Orthodoxes Patriarchat
-- Patriarch Michel Sabbah, Lateinisches Patriarchat
-- Patriarch Torkom II., Armenisch-Apostolisch-Orthodoxes Patriarchat
-- Pater Pier Battista Pizzaballa OFM, Kustos für das Heilige Land

-- Anba Abraham, Koptisch-Orthodoxes Patriarchat
-- Swerios Malki Mourad, Syrisch-Orthodoxes Patriarchat
-- Abune Grima, Äthiopisch-Orthodoxes Patriarchat
-- Paul Nabil Sayyah, Maronitisches Patriarchal-Exarchat

-- Bischof Riah Abu El-Assal, Episkopalkirche von Jerusalem und dem Mittleren Osten
-- Bischof Mounib Younan, Lutherisch-Evangelische Kirche
-- Pierre Malki, Exarch für die syrischen Katholiken in Jerusalem
-- Bischof George Bakar, Griechisch-Katholisches patriarchales Exarchat
-- Pater Rafael Minassian, Armenisch-Katholisches patriarchales Exarchat