Nahost: Nuntius warnt vor falschen Erwartungen

Papstschreiben kein politisches Programm

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MÜNCHEN, 12. Juli 2012 (ZENIT.org/KIN). - Der scheidende Apostolische Nuntius im Heiligen Land, Erzbischof Antonio Franco, hat mit Blick auf das Nachsynodale Apostolische Schreiben über den Nahen Osten vor falschen Erwartungen gewarnt. „Diejenigen, die sich vom Heiligen Vater ein politisches Programm für die Lösung des Nahostkonfliktes erwarten, werden enttäuscht werden“, betonte der Nuntius gegenüber dem internationalen katholischen Hilfswerk „Kirche in Not“.

Das Nachsynodale Apostolische Schreiben greift die Ergebnisse der Nahostsynode von 2010 in Rom auf. Es wird Mitte September während der Libanonreise von Papst Benedikt XVI. veröffentlicht.

„Der Heilige Vater wird die Christen im Heiligen Land sicher darin bestärken, an einer Atmosphäre der Versöhnung zu arbeiten, in der dann auch politische Lösungen gefunden werden können“, sagte der Erzbischof weiter. Zudem werde er die Prinzipien der katholischen Kirche in Bezug auf die Rechte der menschlichen Person und der Völker bekräftigen.

Außerdem betonte der Nuntius, dass die Hauptstoßrichtung der päpstlichen Verkündigung die der Synode selbst sein werde. Diese habe ja vor allem das Thema „Gemeinschaft“ beraten. In diesem Sinne werde der Heilige Vater zu einer Vertiefung der Gemeinschaft innerhalb der verschiedenen Riten der katholischen Kirche aufrufen wie auch zur Vertiefung der ökumenischen Gemeinschaft zwischen den Kirchen im Heiligen Land. „Auf diese Weise kann diese christliche Communio dann positiv auf das Heilige Land und seine Probleme insgesamt zurückwirken“, so der Nuntius.

Auf die Frage, was gegen die anhaltende Abwanderung von Christen aus der Region getan werden könne, antwortete Erzbischof Franco, die Christen würden nicht aus religiösen, sondern aus politischen und ökonomischen Gründen auswandern. Sie wollten für sich und ihre Kinder eine Zukunft in Frieden, Freiheit und Wohlstand. Der Nuntius wörtlich: „Hier sehen sie keine Zukunft. Solange es keine Lösung des israelisch-arabischen Konflikts gibt, wird der Exodus der Christen, die ja überwiegend Araber sind, auch nicht aufhören.“

Erzbischof Franco ist seit 2006 Apostolischer Nuntius in Israel sowie Apostolischer Delegat für Jerusalem und die palästinensischen Gebiete. Außerdem vertritt er den Heiligen Stuhl auf Zypern mit Sitz in Nikosia. Ende des Monats wird er in seine Heimat Italien zurückkehren. Bereits im März hatte er die Altersgrenze für Bischöfe erreicht.

In seine Amtszeit fielen die Besuche des Papstes im Heiligen Land 2009 sowie auf Zypern 2010. Erzbischof Franco war zudem maßgeblich an den Verhandlungen zwischen Israel und dem Heiligen Stuhl über ein Wirtschaftsabkommen beteiligt. Ein Nachfolger ist noch nicht ernannt worden.