Nahrungsmittelkrise: Priesterseminar in Nigeria steht vor dem Aus

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KÖNIGSTEIN, 6. Juni 2008 (ZENIT.org).- Das katholische Priesterseminar in Makurdi im Zentrum Nigerias steht aufgrund der weltweiten Nahrungsmittelkrise vor dem Aus. Dies teilte der Rektor des Seminars, Monsignore Kenneth Enang, am 4. Juni dem internationalen katholischen Hilfswerk Kirche in Not mit. Das Großseminar, in dem sich zur Zeit fast 520 Seminaristen aus 15 Diözesen des Landes auf das Priestertum vorbereiten, habe die Lebensmittel aufgrund der „astronomischen Preise“ bereits rationiert. Dennoch sei das Seminar nicht in der Lage, die finanziellen Mittel aufzubringen, um auch nur die  Kosten für die minimale Grundversorgung zu decken.



Die Preise für Grundnahrungsmittel hätten sich teilweise verdoppelt. Ein weiteres Problem sei die Elektrizität, denn da die Stromversorgung des Seminars von einem Generator abhinge, müsse Diesel erworben werden. Innerhalb einer einzigen Woche sei der Preis für Diesel jedoch um ein Drittel gestiegen.

Seit dem Ausbruch der Lebensmittelkrise im April diesen Jahres habe das Seminar bereits Kredite aufnehmen müssen, um überhaupt noch funktionieren zu können. Der Rektor erklärte, er sehe sich dazu gezwungen, das Seminar in Kürze zu schließen, bevor es zu einer Unterernährung der Studenten und weiteren Schulden komme.

Noch vor kurzem habe man davon geträumt, das Seminar zu vergrößern, da der Platz für die vielen Seminaristen nicht mehr ausgereicht habe. Vor nicht langer Zeit seien es noch 400 Studenten gewesen, nun seien es bereits 520. Für einen derartigen Anstieg seien die Räumlichkeiten nicht geeignet.

Damals hatte Enang gegenüber „Kirche in Not“ erklärt, er freue sich über die „guten Berufungen“ und über das qualifizierte Lehrpersonal.  Das Seminar bilde gewissermaßen eine „Brücke“ zwischen dem Norden und dem Süden Nigerias. Es sei eine „wunderbare Erfahrung“, das Zusammenleben der jungen Männer aus allen Teilen des Landes zu erleben. Es zeige sich darin, „wie Nigeria aussehen sollte“.

Den Zuwachs der katholischen Kirche in Nigeria bezeichnete der Geistliche als „phänomenal“. Vor allem die Anhänger traditioneller afrikanischer Religionen würden häufig vom Christentum angezogen. Oft sagten sie dann: „Hier finden wir, was wir wirklich brauchen!“ Jedoch gebe es trotz der vielen Berufungen noch immer zu wenige Priester, vor allem in den ländlichen Gebieten.

Im Seminar von Makurdi sei der Versuch unternommen worden, die Bedürfnisse der Moderne und die der traditionellen Lebensweise zu verbinden, so dass die Studenten in ihrem späteren Leben als Priester mit den unterschiedlichsten Situationen fertig würden, betonte der Rektor. Nun drohe zum 20. Juni die Schließung. Die Heimatdiözesen der Seminaristen seien aufgrund der Teuerungen ebenfalls kaum in der Lage, etwas zum Unterhalt der Seminaristen beizutragen, so dass von dieser Seite keine Hilfe zu erwarten sei.

Pater Andrzej Halemba, Afrika-Referent von „Kirche in Not“, erklärte, die weltweite Nahrungsmittelkrise werde zu einem immer größeren Problem für Priesterseminare in der Dritten Welt. In Zukunft würden noch viele andere Seminare in ihrer Existenz bedroht. Ihnen müsse dringend geholfen werden. Die Ernährung der Seminaristen mache beispielsweise in Afrika den Hauptanteil an den Kosten der Priesterseminare aus. Hier seien noch weitere drastische Teuerungen zu erwarten.

„Kirche in Not“ unterstützt seit mehreren Jahrzehnten die Priesterausbildung in aller Welt. Im vergangenen Jahr konnte mehr als 15.700 Seminaristen geholfen werden. Auch das Seminar von Makurdi wurde bereits seit Jahren von dem Hilfswerk unterstützt.