Nazi-Opfer Pater Girotti wird in den Kreis der Seligen aufgenommen

Seligsprechungsfeier des 1945 in Dachau verstorbenen Helfers verfolgter Juden wird am 26. April stattfinden

Rom, (ZENIT.org) Federico Cenci | 220 klicks

Während der kommende 27. April, der Tag der Seligsprechung der Päpste Johannes XXIII. und Johannes Paul II., einen Fixpunkt im Kalender eines jeden Katholiken darstellt, wissen nur wenige von der am Vortag, dem 26. April, stattfindenden Seligsprechung des erinnerungswürdigen Paters Giuseppe Girotti, der sich in den Wirren des zweiten Weltkriegs mit großem Mut dem pastoralen Dienst widmete.

Die Feier wird im piemontesischen Alba, der Geburtsstadt des Dominikanerpaters, begangen werden. Als Kind einer Bauernfamilie wurde er zunächst mit der Bodenbebauung vertraut gemacht, bevor ihn seine Eltern zum Studium in ein Kloster des vom hl. Dominikus Guzman gegründeten Ordens sandten, wo seine geistliche Laufbahn begann.

Nach seiner Priesterweihe am 3. August 1930 entwickelte er sich unter anderem dank eines Studienaufenthaltes in Jerusalem zu einem kundigen Bibelforscher. In Turin erhielt er einen Lehrauftrag für Exegese am theologischen Seminar Santa Maria delle Rose. Seine vordergründig berufliche Tätigkeit verband er mit  dem demütigen Dienst an den bedürftigen Armen in dem gegenüber seinem Kloster gelegenen Hospiz „Poveri Vecchi“ (arme Alte).

In diesen Jahren erfassten die von den Kriegsereignissen ausgelösten Schrecken und Verfolgungen nahezu alle Teile Italiens. Vor diesem Hintergrund entschloss sich Pater Girotti zum Aufbau eines Kontaktnetzwerks zur Unterstützung der Juden. Vor allem ab dem schicksalshaften 8. September 1943 begann der Ordensmann mit der Unterstützung einiger außerhalb des Klosters lebender Freunde mit immer größerer Entschlossenheit zu handeln.

Aus diesem Grund geriet er in Verruf oder erfuhr jenes ängstliche Misstrauen, das die Mehrheit jenen gegenüber empfindet, die sich für die Hingabe an den Nächsten Gefahren aussetzen. Aufgrund seines Einsatzes zugunsten der Verfolgten setzte er sich in der Tat einem sehr hohen Risiko aus. Einigen noch lebenden älteren Turiner Priestern zufolge galt er aufgrund dieser Eigenschaft als „einer, der riskiert“.

Diese Stimmen sind mit dem 29. August 1944 verstummt. An diesem Tag wurde er aufgrund eines Verrats an die Gestapo ausgeliefert und in die Gefängnisse „Carceri Nuovi“ (Turin), „San Vittore (Mailand) und nach Bozen gebracht, bis er das Konzentrationslager Dachau erreichte und dort interniert wurde. Auf seiner Häftlingsjacke wurde ein rotes Dreieck als Zeichen für seine Verhaftung aus politischen Gründen angebracht.

Bruder Girotti war jedoch in sehr geringem Maße politisch. Vielmehr erfüllte ihn eine dem Evangelium gemäße Liebe für das Leben. Er verbrachte die Zeit seiner Gefangenschaft mit der Produktion umfangreichen literarischen Materials, das jedoch abhandenkam.

Nach wie vor erhalten ist noch eine Predigt, die er in der improvisierten Kapelle der inhaftierten Priester und Ordensleute aus der Baracke 26 des KZ Dachau vorgetragen hat. Der in lateinischer Sprache verfasste Text thematisiert die Einheit der Christen. Da es sich um sein geistliches Testament handelt, wird er im Rahmen der in der Kathedrale von Alba abgehaltenen Seligsprechungsfeier ungekürzt verlesen werden. Im Geiste hinterließ der zukünftige Selige dieses Vermächtnis im April 1945. Sein Tod ist vermutlich am ersten Tag dieses Monats infolge einer Injektion eingetreten.

Pater Massimo Rossi, der derzeitige Prior der früher von Girotti geleiteten Gemeinde in Turin, gedenkt seiner mit den Worten: „Das von Pater Girotti gegebene Zeugnis der Nächstenliebe darf nicht in Vergessenheit geraten! Es gilt, das Gedächtnis eines dominikanischen Märtyrers wiederzuerlangen, der den Kreuzweg des Lagers mit dem Mut des Glaubens gegangen ist“.

Als Antwort auf diese Ermahnung Massimo Rossis produzierten die Brüdern der italienischen Provinz San Domenico einen dem künftigen Seligen gewidmeten Dokumentarfilm mit dem Titel „Il triangolo rosso“ (Das rote Dreieck) in Zusammenarbeit mit dem Fernseh- und Multimedia-Produktionszentrum der Kapuzinerbrüder „Nova-T“.