Nein zur „Wegwerf-Kultur“: Erzbischof von Buenos Aires verteidigt die Würde der Kinder und älteren Menschen

Aufruf zu engagiertem sozialen Einsatz

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BUENOS AIRES, 4. Oktober 2007 (ZENIT.org).- Kardinal Jorge Bergoglio, Erzbischof von Buenos Aires, kritisierte am Dienstag die in Argentinien um sich greifende „Wegwerf-Kultur“, wenn es um Kinder und ältere Menschen geht.



Bei der Vorstellung des Schlussdokuments der Vollversammlung der Bischöfe Lateinamerikas und der Karibik, die im Mai 2007 im größten brasilianischen Marienwallfahrtsort Aparecida stattgefunden hatte, erklärte der Kardinal, dass eine solche Kultur die Anwendung der „Todesstrafe“ Abtreibung und eine verschleierten Euthanasie propagiere – alte Menschen würden aufgegeben und misshandelt. Die „Wegwerf-Kultur“ trete in einem „a-historischen und wurzellosen Prozess“ sowie in einem „demographischen Terrorismus“ offen zutage.

Vor 200 Priestern, Ordensleuten und Laien wies Kardinal Bergoglio in diesem Zusammenhang darauf hin, dass das im Schlussdokument von Aparecida am häufigsten vorkommende Wort das Wort „Leben“ ist. Dadurch werde ersichtlich, dass sich die Kirche der Tatsache bewusst sei, dass der Wert des Lebens in Lateinamerika am wenigsten geschätzt werde. Man habe es mit einer „Wegwerf-Kultur“ zu tun, die alles mit einschließe, was nicht zweckdienlich sei.

Kardinal Bergoglio betonte, dass es in Argentinien eine verdeckte Euthanasie stehe, insofern der Sozialstaat nur bis zu einem bestimmten Punkt zahle. Die „Wegwerf-Kultur“ beeinflusse auch die Stellenwert, den die Kinder in der Gesellschaft hätten: „Sie werden misshandelt. Sie werden weder erzogen noch ernährt. Viele sehen sich dazu gezwungen, sich zu prostituieren oder ausgebeutet zu werden.“

Der Kardinal forderte die Priester dazu auf, keine Puritaner zu sein und in ihren Predigten nicht nur auf moralische Aspekte einzugehen; sie sollten sich vielmehr auf die Verkündigung Christi konzentrieren.

„Wir sprechen von Moral, weil das leichter ist. Darüber hinaus – und das ist einfach nur geschmacklos – werden die Themen, die mit der Ehemoral und dem sechsten Gebot in Zusammenhang stehen, deshalb behandelt, weil sie bunter und anziehender sind. Auf diese Weise geben wir ein äußerst trauriges Bild von der Kirche ab.“

Die Katholiken, die sich im Sozialbereich engagieren, forderte Kardinal Bergoglio schließlich dazu auf, sich mit aller Kraft einzusetzen – „ohne Angst, sich die Hände schmutzig zu machen. Wenn Sie sich nicht die Hände schmutzig machen wollen, können sie ja in ein Yoga-Zentrum gehen.“