„Netzwerk des Gebetes“: Predigt von Bischof Schwarz bei der Priesterweihe in Klagenfurt

Verwandlung der nicht gottverbundenen Welt in das göttliche Leben

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KLAGENFURT, 5. Juli 2008 (ZENIT.org).- Alle Gläubige bilden gemeinsam ein „Netzwerk des Gebetes“, aus dem Menschen hervorgehen können, um Jesus Christus nachzufolgen.

Bei der Priesterweihe von Mag. Maciej Kedziora, Mag. Josef Michael Scheriau und Mag. Markus Schlichthärle OFM im Klagenfurter Dom bekräftigte Diözesanbischof Dr. Alois Schwarz am 22. Juli, wie wichtig die Gemeinschaft und das gegenseitige Sich-Stützen unter Gläubigen sei. Gott habe für uns einen Heilsraum der Gnade geschaffen. Nur ihm solle man vertrauen.

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Liebe Mitbrüder im priesterlichen Dienst! Liebe Brüder des Franziskanerordens! Liebe Diakone! Liebe geistliche Schwestern! Liebe Schwestern und Brüder!

Dreimal hat es im Evangelium geheißen: „Fürchte dich nicht“ – also für jeden Weihekandidaten ein „Fürchte dich nicht“, oder für einen gleich drei.

„Fürchte dich nicht“ vor den Menschen: Dieses Wort der Angst nehmenden Zusage der Nähe unseres Herrn ist hilfreich in dieser Stunde, wo die Männer die zu Diakonen geweiht wurden, jetzt hereingenommen werden in dieser Weihe in die Kraft des Heiligen Geistes und die durch den Geist Gottes jetzt zu Priestern geweiht werden. Dazu berühren einander die Freiheit Gottes und die Freiheit des Menschen und der Geist Gottes schafft hier die Verbindung. Wir bauen da ein eigenartiges Dreieck auf in dieser Feier: einerseits das Knien der Weihekandidaten, andererseits die Stille des Volkes und drittens die Handauflegung durch den Bischof. Wir bauen mit Handauflegung, Stille und Knien ein Kraftfeld auf, in das hinein der Geist Gottes die Männer zu Priestern weiht.

Da hinein wird ihnen der Geist Gottes zugesprochen, der Paraklet, der Beistand oder wie es lateinisch heißt der advocatus, der Anwalt, der ihnen hilft, für das Evangelium in der Welt an der Seite der Menschen zu sein. Der Geist Gottes hilft, eine Verwandlung der nicht gottverbundenen Welt in das göttliche Leben hinein zu vollziehen. Er schenkt ein Vertrautmachen mit dem göttlichen Leben.

Leben schenkt sich an Leben weiter. Das gilt auch im Umgang mit Gott und seinem Geheimnis der trinitarischen Liebe in Fülle. Im Römerbrief haben wir gehört, dass es seit Adam eine Unheilsgeschichte gibt. Wir haben aber auch gehört, dass der Mensch nicht isoliert ist, sondern in Beziehungen lebt und alles, was er tut, hat Wirkungen auf andere hin. Die Sünde Adams hat Folgen für die Menschen. Aus dem Raum der Übereinstimmung mit Gott ist der Mensch herausgefallen.

Wir haben gehört im Römerbrief, dass durch die Gnade Gottes, durch die Auferstehung der Mensch hineingenommen ist in den Lebensraum Gottes. Gott hat in der Welt eine Atmosphäre des Geistes und der Heiligkeit hergestellt. Es gibt Auferstehung, es gibt Gnade, es gibt den Heilsraum, der für uns in der Kirche erlebbar wird. Dieser Heilsraum Gottes hat den Namen Kirche – ecclesia. Die Herausgerufenen aus der Welt versammeln sich unter dem Wort Gottes und sind Versammlung des Gottes Volkes.

Was uns die heutigen Texte in der Liturgie zusprechen, ist: Nur Gott sollen wir vertrauen - oder, wie die Bibel sagt, ihn gilt es zu fürchten, niemand sonst. Und seine Treue wird er denen halten, die seinen Willen lieben, die seine Sehnsucht teilen, die in der Welt wahr machen was er will.

Gott hat uns einen neuen Heilsraum der Gnade geschaffen und in diesem Heilsraum Kirche treten Menschen auf um für andere sakramentales Leben zu werden, um für andere Sakrament zu sein, um durch das Aufschauen zu Gott herauszuführen aus der Bedrängnis in die Menschen geraten. „Meine Augen schauen auf zu Gott.“ Im Aufschauen zu Gott hat Paulus die Wende seines Lebens geschafft (im Altarraum ist das bildlich dargestellt). Im Aufschauen zur Herrlichkeit Gottes erfahren wir wie der Weg aus der Bedrängnis weitergeht.

„Singt dem Herrn,“ sagt Jeremia. „Rühmt den Herrn; denn er rettet das Leben der Armen aus der Hand der Übeltäter.“ Im Lesen der heutigen Schrifttexte erfahren wir eine Gleichzeitigkeit von Notschrei und Glaubenszuversicht.

Das ist etwas, liebe Brüder, die ihr heute geweiht werdet, was ich euch mitgeben möchte: Es gibt eine Gleichzeitigkeit von Notschrei und Glaubenszuversicht. Die Bibel hilft uns mit dieser Melodie, unser Leben auf Gott hin in der Spur zu halten. Es war vorhin sehr berührend, wie der Herr Regens gesagt hat, dass „Brüder“ zu Priestern geweiht werden sollen, dass die Brüder für würdig befunden werden. Es treten also heute Männer vor, die er vorher als Brüder angesprochen hat.

Brüder und Schwestern aus dem Volk Gottes bilden ein Netzwerk des Gebetes, und Männer treten heraus und lassen sich senden. Es hat nicht nur geheißen, die Weihekandidaten treten jetzt vor, sondern unsere Brüder. Das ist mir wichtig, dass ich als Bruder zu einem Geschwisterkreis gehöre, auch ich als Bischof. Wir haben dieses wunderbare Netzwerk des Presbyteriums, dieses Bündnis von Priestern, das in schöpferischer geistvoller Weise in der Weihehandlung erwirkt wird. Wir haben diese Bruderschaft im Presbyterium, wie sie heute wiederum zum Ausdruck gebracht wird, wenn jeder Priester dem Weihekandidaten die Hand auflegt und innerlich sagt: Ich bin dir Bruder, und du bist mein Bruder. So lernen wir gemeinsam nachahmen, was wir vollziehen.

Was ich heute dem Einzelnen zuspreche: „Ahme nach, was du vollziehst, stelle dein Leben unter das Geheimnis des Kreuzes“, ist lebbar, wenn einer an der Seite steht, der für uns Bruder ist. Dass wir selber das erleben, was wir anderen schenken in unseren priesterlichen Dienst; dass wir selber umsichtig geleitet werden, um andere umsichtig zu leiten; dass wir selber uns das Evangelium zusprechen lassen, um anderen es deuten zu können; dass wir selber Erfahrungen und Heil uns schenken lassen, um es bei anderen an ihrer Seite zu entdecken, wie das Heil, das Gott dem Menschen schenkt, heute gelebt werden kann.

Wir brauchen solche Arten der Begegnung, die uns in Brüderlichkeit zusammenführen und einander helfen, das Große, das uns in Weihe zugemutet ist, angstfrei, mit Hoffnung in die Welt hinein zu leben.

Wir haben das große Geschenk des Presbyteriums und sind herausgerufen und gefordert, daran durch unsere Liebenswürdigkeit zu arbeiten, durch unser Erbarmen und durch unsere gegenseitige Nachsicht miteinander zu lernen. Wir brauchen dieses Verbundensein in sakramentaler Weise im Presbyterium. Das ist eine Form der Gemeinschaft.

Es gibt für einen Bruder unter uns noch eine andere Form der Gemeinschaft, nämlich die Franziskanische Gemeinschaft in seinem Orden. Er lebt ab der Weihe im Presbyterium jeweils mit seinem Bischof, wo er ist und er lebt, Brüderlichkeit im Franziskanerorden. Ausgerichtet an Franz von Assisi, von dem Romano Guardini gesagt hat: ‚Wer an ihn gerät, muss an Christus denken’.

Ich bete heute, dass das auch in unserer Zeit so ist, wenn Menschen an einen Franziskaner herantreten, dass sie dabei an Christus denken. Auch wenn sie an einen Priester herantreten, sollen sie dabei an Christus denken.

Die Franziskaner leben nicht das Ideal der Urgemeinde, wie wir es in der Apostelgeschichte beschrieben haben. Sie leben ein anderes Gemeinschaftsmodell, nämlich das: „Der Herr sandte sie zu zweit aus. Nehmt keine Vorrattasche mit, keinen Geldbeutel. Sprecht Frieden zu, wenn ihr hinkommt und wenn der Friede es wert ist bei den Menschen zu sein, dann bleibt und sonst zieht weiter. Schüttelt den Staub von den Füßen und geht in die nächste Stadt.“ (vgl. Lk 10, 4 ff) Sie gehen in kleinen Gemeinschaften, in großer Selbstlosigkeit, mit offenen Händen und leeren Taschen zu den Menschen und vermitteln ihnen das Evangelium; sie vermitteln ihnen Christus. Die Solidarität mit den Armen leben sie aus der inneren Verbundenheit mit Christus und seinem Armsein unter den Menschen. Sie leben Christus-Repräsentanz mit den Armen, mit den Bettlern, mit den Kranken. Sie gehen zu denen am Rand der Gesellschaft, und haben eine offene Klosterpforte für die, die etwas zum Leben suchen. Sie gehen den Weg zu den Armen nicht als einen Weg, den sie in moralischer Verpflichtung jetzt auf sich nehmen, sondern sie verstehen den Weg zu den Armen als einen Weg der Verheißung und der Hoffnung.

Wir haben also heute zwei Arten von Weihekandidaten, von Brüdern bei uns: Diözesanpriester, die in priesterlicher Gemeinschaft, im Presbyterium da sind, und wir haben einen Bruder aus dem Franziskanerorden, der uns das Gemeinschaftsideal an Franz von Assisi ausgerichtet evangeliumsgemäß zeigt. Die Kirche ist so reich an verschiedenen Gemeinschaften. Ich bin dankbar, dass es in unserer Diözese Ordensgemeinschaften gibt, die in ihrer je eigenen Spiritualität eine eigene Farbe in das Leben der Kirche hereinbringen, eine Ausprägung einer bestimmten Facette des Evangeliums, die diese in besonderer Weise zum Leuchten bringen und so anderen helfen, das Evangelium in seiner ganzen Dichte und Fülle wahrzunehmen. Franziskanische Liebe zu Christus, Liebe zu Christus in der Verbundenheit mit mir als Bischof in meiner Hingabe an euch, mit meiner Lebenskraft und Lebensform der Offenheit für die Menschen.

Mit meinem Gebet lade ich Sie alle ein, dass wir jetzt jenen geheimnisvollen Raum aufbauen zwischen dem Knien, der Stille, der Handauflegung. Das ist nicht magisch, sondern das ist ein tiefes Geheimnis unseres Gottes, sich hineinzubegeben an das Herz eines Menschen, der sagt: „Dir, Jesus, folge ich nach.“ Einer nach dem einen, Christus. Amen.

[Von der Diözese Gurkzur Verfügung gestelltes Original]