Neu und doch nicht neu: Die Morallehre der Kirche will zur vollen Entfaltung des Menschen beitragen

Gemeinsames moralisches Fundament als Voraussetzung für dauerhaften Frieden

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ROM, 8. März 2007 (ZENIT.org).- Der Direktor der Päpstlichen Akademie Alphonsianum in Rom, P. Sabartino Majorano, plädiert dafür, die Moral wieder neu als etwas Positives zu entdecken.



„Die Moral verweist auf eine menschlich vollkommene Qualität unseres Lebens und Entscheidens: eine Qualität, die nicht die eine oder andere Dimension unseres Lebens begünstigt und andere vernachlässigt, sondern die darauf abzielt, die menschliche Person in ihrer Gesamtheit ins Spiel zu bringen – in Solidarität mit anderen“, erläuterte der Redemptoristenpater im Gespräch mit ZENIT.

„Wenn es uns gelingt, der Moral diese positive und umfassende Bedeutung zurückzugeben, können wir meines Erachtens ihren großen Stellenwert wieder neu erkennen.“

Auf die Frage, ob sich die Morallehre der Kirche verändern und weiterentwickeln könne, antwortete P. Majorano: „In der Enzyklika Veritatis splendor hebt Johannes Paul II. hervor, dass hier eine Unveränderlichkeit vorhanden ist, eine Kontinuität in dem, wie die Kirche das Moralische versteht, aber zugleich auch eine Vertiefung sowie der Versuch, Werte angesichts neuer Situationen, Umstände und Fakten neu zu formulieren.

Neuheit und Kontinuität bestehen also nebeneinander, und zwar in mehreren Bereichen der Morallehre. Wenn wir uns etwa die Entwicklung der Gesellschaftsmoral anschauen, springt das klar ins Auge.“

Die Kirche äußere sich zu moralischen Fragen auf zweierlei Weisen, führte der Ordenspriester weiter aus.

„Wenn der Papst zu den Gläubigen über Probleme im moralischen Bereich spricht, dann tut er das als religiöse Autorität und verwendet deshalb Prinzipien, die aus dem Glauben kommen. Wenn er Frauen und Männer guten Willens anspricht, gründet sich seine Argumentation immer auf die Würde der Person und auf die Zukunftsmöglichkeiten der Menschheit und des Einzelnen. Ich denke, dass das die beiden Grundpfeiler der moralischen Argumentationsweise sind, und die Kirche bedient sich ihrer auch im Umgang mit Ungläubigen. Dabei lässt sie sich auch vom Licht des Glaubens inspirieren.“

Nach Pater Majorano sieht Benedikt XVI. im Dialog und der Konfrontation den einzig richtigen Weg, um trotz aller kulturellen Unterschiede zu einem gemeinsamen moralischen Fundament zu kommen, dass die Voraussetzung für einen dauerhaften Frieden sei.

„Eine gründlichere Lesart erlaubt es zu erkennen, was hinter der Verschiedenartigkeit steht: ein gemeinsamer und unveränderlicher menschlicher Hintergrund, der von allen als wertvoller Bezugspunkt herangezogen werden kann.“ Als Beispiel verwies der Priester auf die Entstehung der Erklärung der Menschenrechte.