Neue Ausschreibung der Missbrauchsstudie

Bischof Ackermann über die zukünftige Aufarbeitung

Rom, (ZENIT.org) Maike Sternberg-Schmitz | 361 klicks

Nachdem Anfang des Jahres die Zusammenarbeit mit dem Kriminologen Christian Pfeiffer an einer Aufarbeitung gescheitert war, sucht die Deutsche Bischofskonferenz nun die Zusammenarbeit mit verschiedenen Partnern aus unterschiedlichen Disziplinen und schreibt das Projekt der wissenschaftlichen Aufarbeitung des Missbrauchsskandals neu aus. Es bestehe der nachdrückliche Wille, Missbrauch in Zukunft zu verhindern. Es gehe zum einen darum, verlässliche Daten zu Missbrauchsfällen in deutschen Bistümern zu sammeln, zum anderen um die Ausleuchtung systematischer Zusammenhänge, wie der Trier Bischof Stefan Ackermann, zuständig in der Bischofskonferenz für die Aufarbeitung von Missbrauchsfällen, in einem Interview mit Pater Bernd Hagenkord von „Radio Vatikan“ (1. September) sagte.

Ackermann erläuterte, dass während der Zusammenarbeit mit Professor Pfeiffer und dem Forschungsinstitut in Hannover Fragen aufgekommen seien, die man vorher nicht im Blick gehabt habe, wie beispielsweise Fragen des Datenschutzes, so dass man nun mit einem reichen Erfahrungsschatz neu starten könne. Die Bischöfe seien von einem Expertengremium beraten worden, dem auch die Ausschreibung zu Gute komme, da so das Vorgehen transparenter und objektiver gemacht werde. Somit könne nicht mehr der Vorwurf entstehen, es sei mit einem Institut verhandelt worden oder etwas „hinter geschlossenen Türen gemacht worden“.

Eine wesentliche Neuerung werde darin bestehen, dass es sich um eine interdisziplinäre Kommission mit mehreren Verbundpartnern handeln werde. Auch dies habe das Expertengremium geraten, so Bischof Ackermann. Beispielsweise brauche man für die Befragung von Opfern und Tätern eine besondere Qualifikation, ebenso bei d er Beurteilung und Analyse der Rahmenbedingungen, die von „institutioneller Seite der Kirche her und von den Verantwortlichen her dazu beigetragen haben, dass bestimmte Dinge nicht entdeckt worden sind“, so Ackermann weiter. Diesbezüglich brauche man „historisch-sozialwissenschaftliche Kompetenz und nicht unbedingt kriminologische.“

Auch seien nun die Fragen des Datenschutzes bedacht worden. Die Erfahrung habe gelehrt, dass bei der Auswertung des vorhandenen Materials, das es auszuwerten gelte, nicht die Persönlichkeitsrechte verletzt werden dürften und die staatlichen und kirchlichen Datenschutzrichtlinien beachtet werden müssten, „so dass die Forscher mit gutem Gewissen forschen können, wir aber als Bischöfe unserer Verantwortung als Dienstgeber gerecht werden“, so Ackermann weiter.

Ziel der Studie sei es, zunächst verlässliches Zahlenmaterial aus den verschiedenen Bistümern zu bekommen, damit es zu vergleichbaren Parametern kommen könne, um Kategorien erstellen zu können. „Es gibt ja Grenzverletzungen, die nicht gleichzusetzen sind mit Pädophilie“, führte Bischof Ackermann fort. Es seien auch negative Erfahrungen mit Zahlen von Bistümern und Ordensgemeinschaften gemacht worden, die falsch interpretiert worden seien. Worüber gesprochen werde, müsse vergleichbar und belastbar sein. Neben diesem quantitativen Gesichtspunkt seien institutionelle Aspekte wichtig wie der verantwortliche Umgang mit der Problematik oder aber mit den Schwachstellen der Verantwortlichen, so wie Rahmenbedingungen, die den Missbrauch begünstigt haben. Ackermann stellte fest, die Studie habe auch einen präventiven Aspekt: „Wir wollen lernen, damit das in Zukunft nicht wieder passiert.“