Neue Botschafter am Heiligen Stuhl empfangen

Papst Franziskus: Das Geld darf nicht herrschen, es muss dienen

Rom, (ZENIT.org) Jan Bentz | 518 klicks

Papst Franziskus empfing gestern Vormittag in der „Sala Clementina“ des Apostolischen Palastes die neuen Botschafter von Kirgisistan, Antigua und Barbuda, Luxemburg und Botswana in Audienz anlässlich der Entgegennahme ihrer jeweiligen Beglaubigungsschreiben:

Bolot Iskovich Otunbaev, Botschafter von Kirgisistan am Heiligen Stuhl, wurde 1965 geboren. Er studierte an der Universität von Lomonosov in Moskau und anschließend in der Hochschule für Management. Nachdem er einige Jahre für eine türkische Agentur für Internationale Zusammenarbeit (TICA) gewirkt hatte, trat er 1998 in den diplomatischen Dienst ein. Als Diplomat arbeitete er von 1998-2003 für die Russische Föderation, war Chef der europäischen Abteilung des OSCE und von 2003-2005 Außenminister. Von 2005-2009 arbeitete er als Ratsminister in der Türkei und kandidierte dort 2010-2012 für die Sozialdemokratische Partei in den Parlamentswahlen. Seit 2012ister Botschafter in Deutschland.

Otunbaev spricht Russisch, Englisch und Türkisch.

David Shoul ist neuer Botschafter von Antigua und Barbuda am Heiligen Stuhl. Er wurde 1951 in St. John’s in Antigua geboren. 1968 schloss er sein Studium der Sozialbildung an der St. Joseph’s Academy in Antigua ab. Von 1969-2000 arbeitete er im privaten Sektor. Seit 2004 war er nicht residierender Botschafter für die Volksrepublik China und anschließend Assistent des Premierministers für gegenseitige Beziehungen der Volksrepublik. Seit 2007 ist er mit einigen Projekten in Zusammenarbeit mit China betraut. Botschafter Shoul wohnt in Antigua.

Jean-Paul Senninger ist neuer Botschafter Luxemburgs am Heiligen Stuhl und wurde 1959 geboren. Er schloss sein Studium in Politischer Wissenschaft an der Friedrich-Wilhelms- Universität in Bonn ab und studierte anschließend Höhere Studien Europas mit Promotion am Jean Rey College d‘Europe in Belgien. Von 1985-1988 dozierte er als Professor am Athenäum von Luxemburg;anschließend, von 1988 bis 1994,arbeite er für die Stadtverwaltung Luxemburg. Von 1994-1999war er Chef der europäischen Anlegerbank. Von 2002-2007 arbeitete als nicht residierender Botschafter für die Türkei und 2004-2007 als Botschafter für Spanien. 2007-2012 hatte er das Amt des nicht residierenden Botschafters für Nicaragua inne. Zwischen 2008 und 2012arbeitete er als Botschafter der USA. Seit dem Jahr 2012 ist er Generalsekretär des Außenministeriums von Luxemburg.
Neben Luxemburgisch (oder Letzeburgisch), spricht Senninger Deutsch, Französisch, Englisch, Schwedisch und Spanisch.

In seiner Ansprache an die neuen Botschafter konzentrierte sich Papst Franziskus auf die derzeitige Lage der Wirtschaft. Es seien viele zu lobende Fortschritte für die Wohlfahrt und im Gesundheitswesen, der Bildung und der Kommunikation gemacht worden, was aber nicht bedeute, dass es nicht Menschen gebe, die in Situationen der Not und der Unsicherheit lebten. „Angst und Verzweiflung greifen nach den Herzen der Menschen, selbst in den sogenannten reichen Ländern; die Freude am Leben schwindet, Obszönität und Gewalt steigen.“ Die Ursache dieser zu bemängelnden Lage sei unsere Beziehung zu Geld und zur Macht in der Gesellschaft. Die Krise sei verursacht durch das Vergessen des Menschen. „Wir verneinen den Vorrang des Menschen! Wir haben neue Idole geschaffen. Die Anbetung des goldenen Kalbes hat ein neues Abbild im Geld-Kult und der Diktatur der Wirtschaft gefunden, die gesichtslos und ohne jegliches menschliches Ziel ist.“

Die Diktatur der Wirtschaft zeichne sich dadurch aus, dass sie den Menschen auf eine Dimension reduziere, nämlich den Konsum. Schlimmer noch würden die Menschen selber als Konsumgegenstände angesehen. „Wir haben eine Wegwerfgesellschaft begonnen, das Streben nach Macht und Besitz kennt keine Grenzen mehr“, beklagte der Papst.

Hintergrund dieser Entwicklungen sei eine Ablehnung der Ethik, sie werde als kontraproduktiv abgetan, „weil die Ethik zu Gott führt, der außerhalb der Kategorien des Marktes steht.“ Gott sei gefährlich, weil er unkontrollierbar sei und den Menschen zu seiner vollkommenen Verwirklichung berufe, zur Unabhängigkeit von jeder Art der Sklaverei.

Darum rief der Papst die Botschafter auf, eine ethische Reform zu fördern; gerade eine solche würde nämlich auch Folgen im Finanzwesen haben, die sich positiv auf alle Menschen auswirkten.„Das Geld muss dienen, nicht herrschen.“ Er schloss:

„Der Papst liebt jeden Menschen, reich und arm, aber der Papst hat die Aufgabe, in Christi Namen die Reichen daran zu erinnern, den Armen zu helfen, sie zu respektieren und zu fördern. Der Papst drängt auf eine selbstlose Solidarität und eine personenzentrierte Ethik in der Welt des Wirtschafts- und Finanzwesens.“